Neues Palais in Potsdam Sanssouci, Leistungen der Tragwerksplanung gemäß § 49 HOAI
Neues Palais in Potsdam Sanssouci, Leistungen der Tragwerksplanung gemäß § 49 HOAI für die Sanierungungsmaßnahme, bestehend aus der Sanierung und Restaurierung der Decke zwischen Marmor- und Grottensaal, der Sanierung der Dachflächen, einschließlich der Kuppeln sowie der Sanierung von Sockelgeschoss und Umgang.
Restauratorische Fachplanungsleistungen sowie Objektplanungsleistungen (§ 33 HOAI) werden gesondert ausgeschrieben.
Die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg beabsichtigt in der Zeit von 2011 bis 2017 Sanierungsarbeiten am Neuen Palais in Potsdam Sanssouci durchzuführen. Das Bauensemble Neues Palais zählt zu den größten historischen Schlossanlagen Europas. Es ist als Denkmal in der UNESCO Welterbeliste im Komplex der Gebäude und Anlagen der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdamer Kulturlandschaft eingetragen.
Das Neue Palais wurde in seiner weit über 200-jährigen Geschichte bisher keiner grundlegenden Instandsetzung unterzogen. Die kaiserliche Nutzung veranlasste um die Wende zum 20. Jahrhundert lediglich partielle Veränderungen und Reparaturen. Heute sind schwerwiegende Schäden der Bausubstanz und der künstlerischen Ausstattung bekannt.
Ziel der Baumaßnahmen bis 2017 ist die Reduzierung der wesentlichsten substanzgefährdenden baulichen Probleme. Die Sanierung und Restaurierung des Neuen Palais wurde dazu in 3 Teilbauabschnitte gegliedert:
1. Sanierung und Restaurierung der Decke zwischen Marmor- und Grottensaal;
2. Sanierung der Dachflächen, einschließlich der Kuppeln;
3. Sanierung von Sockelgeschoss und Umgang;
1. Sanierung und Restaurierung der Decke zwischen Marmor- und Grottensaal.
Der Marmorsaal nimmt als Hauptfestsaal die gesamte Breite des Mittelrisalites und die Höhe von 2 Stockwerken ein. Von Carl von Gontard nach dem Vorbild des Marmorsaals im Potsdamer Stadtschloss gestaltet, wurde er mit verschiedenen farbigen polierfähigen Gesteinen ausgestattet. Der inkrustierte Fußboden ist eine Arbeit von Melchior Kambly. Die Besonderheit der Holzbalkendecke liegt in ihrer gewaltigen Spannweite von 18,40 m, die mit einer flachen Sprengwerkkonstruktion mit Schubverzahnung überbrückt ist.
Im Februar 2008 musste der Marmorsaal für die Besucher gesperrt werden, da bei Untersuchungen der Konstruktion der darunter liegenden Holzbalkendecke Schädigungen der Holzkonstruktion festgestellt wurden. In der anschließenden Bestandsaufnahme wurden das Tragsystem und der Erhaltungszustand der Decke systematisch erfasst. Aufgrund der äußerst kostbaren Oberflächen auf beiden Seiten der Decke ? Marmorinkrustationen auf der Oberseite und Stuck-Grottierung auf der Unterseite ? mussten sämtliche Untersuchungen zerstörungsfrei erfolgen. Das Ziel für die weitere Sanierung sieht vor, mit minimalen Eingriffen in die wertvollen Oberflächen auszukommen, so dass die notwendigen Eingriffe auf punktuelle Reparatur- und Ertüchtigungsmaßnahmen beschränkt bleiben.
Die Besucher werden künftig den Saal auf einem Stegsystem besichtigen können, das gleichzeitig dem Schutz der Marmorinkrustationen dient.
Die 1. Maßnahme umfasst im Einzelnen:
— Sanierung der Holzbalkendecke auf der Grundlage der Voruntersuchungen,
— Bau von Besucherstegen und -brücken.
2. Sanierung der Dachflächen, einschließlich der Kuppeln
Das Neue Palais ist eine Dreiflügelanlage mit einer Frontlänge von ca. 220 m Länge. An den Hauptbau, dessen Flügel einen Ehrenhof bilden, schließen sich seitlich eingeschossige Nebenflügel an. Neben der großen Kuppel auf dem Mittelbau befindet sich jeweils eine kleine auf den seitlichen Anbauten.
Die Dächer bestehen in der Regel aus flach geneigten Satteldächern und Walmdächern, deren Konstruktionen in traditioneller Zimmermannsbauweise errichtet wurden. Die Dacheindeckung wurde aus Kupferblechen mit Stehfalzen ausgeführt.
Die Hauptdachflächen wurden in den 60/70-er Jahren des 20. Jahrhunderts erneuert. In den zurückliegenden Wintermonaten waren verstärkt Wassereinbrüche im Bereich der Dachflächen des Neuen Palais zu verzeichnen, die auf eine Reihe konstruktiver und alterungsbedingter Ursachen zurückzuführen sind. Die Maßnahme dient der nachhaltigen Vermeidung von Schäden an Innenausstattung und Mobiliar.
Die 2. Maßnahme, Sanierung der Dachflächen, einschließlich der Kuppeln, umfasst im Einzelnen:
— Rückbau der vorhandenen Dachhaut,
— Statische Ertüchtigung der Dachkonstruktion,
— Dekontamination bzw. Rückbau von durch die Verwendung des Holzschutzmittels Hylotox belastete Holzbauteile des Dachstuhls und der Kuppeln,
— Erneuerung der Dacheindeckung aus Kupferblech unter Berücksichtigung zeitgemäßer anerkannter Regeln der Technik.
3. Sanierung von Sockelgeschoss und Umgang
Zahlreiche Feuchtigkeitsschäden am Neuen Palais, hier insbesondere des Sockel- und Erdgeschosses, sind der baulichen Ausbildung der Umgänge um das Gebäude und deren heutigen Erhaltungszustand zuzuordnen. Das Sockelgeschoss, die ursprünglich nicht genutzte Substruktion des Gebäudes, diente historisch der Hinterlüftung und damit der Trocknung des Gebäudes von unten. Zahlreiche nachträgliche Einbauten unterbinden nun einen möglichen Luftstrom.
Dem Sockelgeschoss vorgelagert sind die Umgänge. Konstruktive und materialbedingte Faktoren haben über die Jahrhunderte hinweg zu Schäden an dieser vorgelagerten Schale geführt. Durch Oberflächenwasser und aufsteigende Feuchtigkeit durchnässte Wandquerschnitte bilden den Ursprung für den Befall durch Holzfäule und den Hauptgrund für Salzschäden im Mauerwerk und an den Oberflächen.
Die 3. Maßnahme, Sanierung von Sockelgeschoss und Umgang, umfasst im Einzelnen:
— Sanierung des Umgangs durch geeignete konstruktive Maßnahmen, die das Eindringen von Oberflächenwasser über den Umgang weitestgehend vermeiden,
— Technische und konstruktive Maßnahmen zur Reduzierung der aufsteigenden Feuchtigkeit, so dass eine Gefährdung der Bausubstanz, insbesondere der hochwertig ausgestatteten Räume im EG, ausgeschlossen wird,
— Statische Ertüchtigung der Bestandskonstruktion.
Vergeben werden sollen die Grundleistungen nach § 49 HOAI, Leistungsphase 2-6. Die Vergabe erfolgt stufenweise, ohne Rechtsanspruch auf die Beauftragung aller Leistungsstufen. Der Auftraggeber behält sich vor, die Teilmaßnahmen 1 bis 3 in Einzelverträgen zu vergeben. Die Leistungen werden nach HOAI § 34, Honorarzone III unten vergütet.
Folgende Grundlagen zur Sanierung und Restaurierung liegen bereits vor:
— Untersuchungsbericht Neues Palais, Statische Überprüfung der Tragfähigkeit der Decke unter dem Marmorsaal, Potsdam 11.6.2009,
— Holzschutztechnisches Gutachten,
— Grundlagenermittlung Deckenbekeidung Grottensaal,
— Sicherungskonzepte Grottensaalbekleidung,
— Deckenbalkenplan,
— Sanierungskonzept Deckenkonstruktion.
Die Sanierungsmaßnahme des Neuen Palais zeichnet sich wie folgt aus:
1. Typologie: Kulturbau, Museum;
2. Art der Maßnahme: Sanierung von denkmalgeschützter Bausubstanz (UNESCO Welterbeliste) bei laufendem Betrieb;
3. Größenordnungen:
— Decke zwischen Marmor- und Grottensaal: gesamt rd. 550 m² (in 3. Bauabschnitten),
— Dachfläche: ca. 7 800 m²,
— Fläche Sockelgeschoss: ca. 10 500 m².
4. Für die Planung und Ausführung sind ca. 70 Monate vorgesehen.
Fertigstellung: 1. BA Ende 2011; Fertigstellung Gesamtmaßnahme 2017.
5. Die Gesamtbaukosten sind mit rd. 26 000 000 ? brutto (KG 200-700 nach DIN 276 neu) als Obergrenze veranschlagt. Davon sind für die Sanierungs-. und Restaurierungsmaßnahmen vorgesehen brutto:
1. Decke zwischen Marmor- und Grottensaal brutto rd. 4 400 000 ?
2. Dachflächen, einschließlich der Kuppeln brutto rd. 5 400 000 ?
3. Sockelgeschoss und Umgang brutto rd. 11 000 000 ?
Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2011-04-08.
Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2011-03-08.
Wer?
Wie?
Geschichte der Beschaffung
Datum |
Dokument |
2011-03-08
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Auftragsbekanntmachung
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2011-03-21
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Ergänzende Angaben
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