Pflege der Sozialbudget-Datenbank

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)

1. Gegenstand und Ziel.
Gegenstand des ausgeschriebenen Projekts ist die im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorhandene Sozialbudget-Datenbank.
Das Sozialbudget ist ein statistisches Rechenwerk, das alle in Deutschland gewährten Sozialleistungen erfasst und über sie und ihre Finanzierung berichtet. Im jährlichen Rhythmus werden aktuelle Daten über das soziale Sicherungssystem veröffentlicht. Das aktuelle Sozialbudget 2010 steht im Internetangebot des BMAS unter dem Link http://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a230-10-sozialbudget-2010.html als PDF-Dokument zur Verfügung. Außerdem fließen die Daten in den Sozialbericht der Bundesregierung ein, der einmal in jeder Legislaturperiode dem Bundestag vorgelegt wird. Der Sozialbericht wurde zuletzt im Juli 2009 veröffentlicht und beinhaltet im Teil B das Sozialbudget 2008.
Das Sozialbudget umfasst die jährlichen Daten (seit 1960) von insgesamt 30 Institutionen bzw. Zweigen der sozialen Sicherung, die soziale Leistungen bereitstellen. Diese Leistungen werden sowohl einer speziellen Art (z.B. Einkommens- oder Sachleistung) als auch einer von 10 Funktionen.
1. Krankheit,
2. Invalidität,
3. Alter,
4. Hinterbliebene,
5. Kinder,
6. Ehegatten,
7. Mutterschaft,
8. Arbeitslosigkeit,
9. Wohnen und
10. Allgemeine Lebenshilfen zugeordnet. Bei der Finanzierung der Leistungen wird nach Arten (z.B. Sozialbeiträge oder Zuschüsse des Staates) und nach Quellen (z.B. Unternehmen oder Gebietskörperschaften) unterschieden.
Die Ausgangsdaten zur Berechnung des Sozialbudgets werden in Excel-Dateien als Betrags- und Finanzierungspositionen bereitgestellt. Sie sind an die Schnittstelle der eingesetzten Auswertungssoftware angepasst, damit sie automatisch in die hinter der Software stehende Access-Datenbank eingelesen werden können. In der Datenbank werden alle Betrags- und Finanzierungspositionen des Sozialbudgets nach bestimmten Merkmalen klassifiziert. Im Auswertungsteil der Datenbank werden die Möglichkeiten bereitgestellt, diverse Präsentationstabellen und Berichte zu erzeugen.
Aus den Daten des Sozialbudgets wird der deutsche Beitrag zum Europäischen System der Integrierten Sozialschutzstatistik (ESSOSS) erzeugt und jährlich in Form eines Fragebogens an Eurostat, das Statistische Amt der Europäischen Union, geliefert. Die von Eurostat erfassten Leistungen des Sozialschutzes werden unter dem Link http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/social_protection/introduction veröffentlicht. Methodische Grundlage ist das ESSOSS-Handbuch 2008, das ebenfalls unter dem oben genannten Link zur Verfügung steht.
Ziel des ausgeschriebenen Projekts ist die Pflege der vorhandenen Sozialbudget-Datenbank.
Die Pflege der Sozialbudget-Datenbank hat die jederzeitige Einsetzbarkeit der Sozialbudget-Datenbank unter sich ändernden Anforderungen zu gewährleisten. Die Pflege beinhaltet beispielsweise die Anpassung der Datenbank bei Datenaktualisierungen, bei Änderungen der vorhandenen IT-Rahmenbedingungen oder bei Veränderungen der ESSOSS-Methodik bzw. des ESSOSS-Fragebogens. Im Hinblick auf die Datenlieferungen an Eurostat wird eine Weiterentwicklung der Datenbank in Bezug auf die Erfassung und Aufbereitung der Nettosozialleistungen (Sozialleistungen abzüglich der darauf entfallenden Steuern und Sozialbeiträge) angestrebt. Darüber hinaus muss die Auftragnehmerin / der Auftragnehmer kurzfristig für ggf. notwendige Hilfestellungen in der Anwendung der Datenbank-Applikation und zur inhaltlichen Beratung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BMAS zur Verfügung stehen. Die telefonische Erreichbarkeit zu den Kernarbeitszeiten des BMAS (Mo. bis Fr. 9:00 Uhr bis 15:00 Uhr) muss sichergestellt sein.
Zur Zielerreichung muss auf der vorhandenen Access-Datenbank aufgebaut werden. Dies betrifft insbesondere die Aufbereitung der Ausgangsdaten (siehe 3.1.1), das automatische Einlesen der Ausgangsdaten in die Datenbank-Applikation mit der notwendigen Klassifikation der Betrags- und Finanzierungspositionen (siehe 3.1.2) und die Module zur Erstellung der Auswertungstabellen (siehe 3.1.3). Die Dokumentation der Anwendung (Benutzerhandbuch) ist den Verdingungsunterlagen beigefügt.
2 Rahmenbedingungen.
2.1 Systemumgebung.
Die Access-Daten werden zentral auf einem eigenen Laufwerk auf einem SAN/NAS-Server der Firma EMC vorgehalten. Die Nutzer der Datenbank greifen über ihre Access2003-Applikation (SP3) auf diese Daten zu. Die Ausgangsdaten werden in Excel-Tabellen erfasst und in die Access-Datenbank eingelesen.
2.2 Dokumentationen der Datenbank-Applikation.
Es liegen folgende Dokumentationen vor:
— Benutzerhandbuch,
— Technische Dokumentation.
3. Leistungsverzeichnis.
3.1 Fachgebietsbezogene Leistungen.
3.1.1 Ausgangsdaten.
Die Ausgangsdaten zur Berechnung des Sozialbudgets werden in 30 Excel-Dateien (so genannten Betragsübersichten) bereitgestellt. Die Excel-Dateien beinhalten die Zeitreihen von insgesamt rund 1 900 Einnahmen- und Ausgabenpositionen. Sie sind an die Schnittstelle der Access-Datenbank angepasst, damit sie automatisch in diese eingelesen werden können. In den Excel-Dateien werden Daten für Deutschland ab 1960 erfasst und jährlich fortgeschrieben.
Von der Auftragnehmerin / dem Auftragnehmer sind die Daten der Sozialversicherungszweige zu pflegen. Dies beinhaltet die Umsetzung der von den Ressorts bereitgestellten Rechnungsergebnisse. Sofern im Vertragszeitraum Revisionen zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen durchgeführt werden, müssen diese Änderungen für das Sozialbudget geprüft und ggf. nachgebildet werden. Darüber hinaus ist die Datenbank dahingehend weiterzuentwickeln, dass im Hinblick auf die Datenlieferungen an Eurostat die Erfassung und Aufbereitung der Nettosozialleistungen (Sozialleistungen abzüglich der darauf entfallenden Steuern und Sozialbeiträge) implementiert wird.
3.1.2 Datenbank.
Zur Zeit werden alle Betrags- und Finanzierungspositionen des Sozialbudgets beim Einlesen der Daten in die Datenbank erfasst und nach drei Merkmalen klassifiziert: die Nummer ihrer Institution bzw. Unterinstitution, einer laufenden Nummer und durch den Klassifikationsschlüssel (Kodierung zur weiteren Klassifikation der Betragspositionen). Als Grundlage für den Aufbau der Datenbank gilt neben dem Klassifikationsschlüssel die folgende Gliederung nach Institutionen (ohne Unterinstitutionen):
1 Sozialversicherungssysteme,
11 Rentenversicherung,
12 Krankenversicherung,
13 Pflegeversicherung,
14 Unfallversicherung,
15 Arbeitslosenversicherung,
2 Sondersysteme,
21 Alterssicherung der Landwirte,
22 Versorgungswerke,
23 Private Altersvorsorge,
24 Private Krankenversicherung,
25 Private Pflegeversicherung,
3 Systeme des öffentlichen Dienstes,
31 Pensionen,
32 Familienzuschläge,
33 Beihilfen,
4 Arbeitgebersysteme,
41 Entgeltfortzahlung,
42 Betriebliche Altersversorgung,
43 Zusatzversorgung,
44 Sonstige Arbeitgeberleistungen,
5 Entschädigungssysteme,
51 Soziale Entschädigung,
52 Lastenausgleich,
53 Wiedergutmachung,
54 Sonstige Entschädigungen,
6 Förder- und Fürsorgesysteme,
61 Kindergeld und Familienleistungsausgleich,
62 Erziehungsgeld / Elterngeld,
63 Grundsicherung für Arbeitsuchende,
64 Arbeitslosenhilfe / sonstige Arbeitsförderung,
65 Ausbildungs- und Aufstiegsförderung,
66 Sozialhilfe,
67 Kinder- und Jugendhilfe,
68 Wohngeld,
7 Steuerliche Leistungen.
Ein sechsstelliger funktions- und quellbezogener Klassifikationsschlüssel kennzeichnet – abgesehen von der Institutionszuordnung in Spalte A der Betragsübersichten – sämtliche Merkmale, nach denen die Betragspositionen klassifiziert sind. Dabei kann jeder Betragsposition (außer Verrechnungen, Verwaltungs- und sonstigen Ausgaben) nur eine Sozialschutzfunktion bzw. eine Finanzierungsquelle zugeordnet werden. Der Klassifikationsschlüssel ist folgendermaßen aufgebaut:
— Die ersten beiden Stellen kennzeichnen die Leistungs- bzw. Finanzierungsart,
— Die dritte und vierte Stelle kennzeichnen die Sozialschutzfunktion bzw. Finanzierungsquelle. Dabei wird von den zehn im Sozialbudget unterschiedenen Funktionen und den acht Finanzierungsquellen ausgegangen,
— Die fünfte und sechste Stelle gliedert die betrachtete Position im Detail. Beispiele hierfür sind die Positionen des ESSOSS-Fragebogens sowie weitere Detaillierungen, die ggf. für das nationale Sozialbudget erforderlich oder wünschenswert sind.
In die oben skizzierte Datenbank sind von der Auftragnehmerin / dem Auftragnehmer die Betragsübersichten zu pflegen. Dies beinhaltet z.B., dass die Datenbank bei Änderungen der vorhandenen IT-Rahmenbedingungen oder der ESSOSS-Methodik bzw. des ESSOSS-Fragebogens anzupassen ist.
3.1.3 Auswertung und Präsentation der Daten.
Die Methodik zur Erstellung des Sozialbudgets orientiert sich an der Methodik des Europäischen Systems einer integrierten Sozialschutzstatistik (ESSOSS), deshalb kann ein gemeinsamer Klassifikationsschlüssel verwendet werden. Aus den Ausgangsdaten wird sowohl das nationale Sozialbudget berechnet als auch der deutsche Beitrag zur europäischen Sozialschutzmethodik erzeugt.
Der Auswertungsteil der Datenbank erzeugt im Bezug auf das Sozialbudget und auf ESSOSS folgende Tabellen:
— die im Sozialbudget 2010 verwendeten Tabellen zu den Funktions- und Institutionsgruppen und
— den ESSOSS-Fragebogen.
Der Auswertungsteil der Datenbank erzeugt darüber hinaus folgende Berichte:
— Einzelauswertungen und Jahresvergleiche in Bezug auf die im Klassifikationsschlüssel enthaltenen Kategorien und Aggregationen von Kategorien (z.B. periodische Einkommensleistungen der Funktion Alter),
— Spezielle Auswertungen im Rahmen der Konsolidierung der Beiträge des Staates, die im Gegensatz zu anderen Transfers keiner Funktion zugeordnet werden und auf Institutionsebene gesondert ausgewiesen werden müssen. Obwohl die Matrizen für die Konsolidierung durch Institutions- und Typnummern einwandfrei erstellt werden können, ist ein zusätzlicher Abgleich von Einnahmen und Ausgaben nötig, der in der Datenbank durchgeführt werden soll. Maßgeblich ist die Ausgabenseite der zahlenden Institution,
— Spezielle Auswertungen zu Eigenbeiträgen von Empfängern sozialer Leistungen. Die Eigenbeiträge müssen eventuell zu einem späteren Zeitpunkt analog zu den Beiträgen des Staates konsolidiert werden. Aktuell werden sie jedoch derselben Kategorie und Funktion wie die Leistungen, von denen sie abgezogen werden, zugeordnet,
— Spezielle Auswertungen zu den anderen Transfers zwischen den Institutionen.
Der Auftragnehmerin / dem Auftragnehmer obliegt die Aufgabe, die Präsentationstabellen und Berichte programmtechnisch zur Verfügung zu stellen, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BMAS diese in der für sie notwendigen Art und Weise erzeugen können. Die Präsentationstabellen und Berichte sind von der Auftragnehmerin / dem Auftragnehmer im Rahmen der Pflege ggf. neu zu programmieren und an den jeweils aktuellen Datenstand anzupassen.
3.2 Programmierleistungen.
Zu den von der Auftragnehmerin / dem Auftragnehmer zu leistenden Programmierleistungen zählt die Weiterentwicklung und Pflege aller unter 3.1 aufgeführten Bestandteile der Sozialbudget-Datenbank.
Dies umfasst im Einzelnen:
— Anpassung der Software an Änderungen der technischen Umgebung (z.B. Systemsoftware oder neue Softwareversionen) und der funktionalen Bedingungen (z.B. gesetzliche Entwicklungen),
— Beseitigung von Fehlern in Software und Implementierung,
— Optimierung der Software in Bezug auf Effizienz und Leistungsverhalten.
3.3 Dokumentation.
Die Auftragnehmerin / der Auftragnehmer hat die unter Ziffer 2.2 aufgeführten Dokumentationen (Benutzerhandbuch, Technische Dokumentation) zu aktualisieren und mit der Abgabe des Endberichts vorzulegen.
4 Sonstige Punkte für die Erstellung des Angebotes:
Die Auftragnehmerin / der Auftragnehmer hat zu folgenden Punkten Stellung zu nehmen:
1. Darstellung, wie die Leistungen zur Pflege der Sozialbudget-Datenbank erbracht werden können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die regelmäßige Veröffentlichung des Sozialbudgets zum Juni eines Jahres sowie die Aufbereitung gesonderter Präsentationstabellen zur Veröffentlichung des Sozialberichts 2013 sicher gestellt sein muss.
2. Beschreibung der Möglichkeiten, wie und in welchem Umfang eine anwenderorientierte Implementierung der Nettosozialleistungen in die Sozialbudget-Datenbank erfolgen kann.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2011-12-15. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2011-10-27.

Wer?

Wie?

Wo?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2011-10-27 Auftragsbekanntmachung