Planung Technische Ausrüstung Anlagentechnik BMHKW Landshut

Stadtwerke Landshut

I. Beschreibung des Anlagenbauobjekts:
Gegenstand des Auftrags ist die stufenweise Erbringung der Leistungen der Leistungsphasen 5-9 der Planung der Technischen Ausrüstung der Anlagengruppen 2, 4, 5, 7 - Anlagentechnik – für den Umbau der Müllverbrennungsanlage (MVA) der Stadtwerke Landshut in ein Biomasseheizkraftwerk (BMHKW). Die nicht erforderlichen Anlagenteile werden durch den derzeitigen Anlagenbetreiber rückgebaut. Der AN hat sich mit diesem und dem für den Teilabbruch ausgewählten Unternehmen abzustimmen.
Ziel des Vorhabens ist es, Wärme und Strom im Biomasseheizkraftwerk umweltgerecht zu erzeugen, den Strom einzuspeisen und die Wärme als Fernwärme über ein zu errichtendes Fernwärmenetz (nicht Gegenstand dieses Auftrags) an Vertragskunden des Auftraggebers zu liefern. Das Biomasseheizkraftwerk hat folgende Leistungsparameter erfüllen:
Feuerungsleistung: Nennleistung 17,5 MW, Maximalleistung: 19,2 MW.
Dampfleistung: Nennleistung 17,5 MW, Maximalleistung: 19,2 MW.
Dampfparameter: 380°C / 21 bar (Hinweis: MVA derzeit: 350°C / 20 bar).
Fernwärmeauskopplung: 25 MW mit maximal 110°C.
Verfügbarkeit: 87 %.
Reisezeit: 4000 Stunden.
Die Ausführung soll durch losweise nach Gewerken erfolgen.
Als Brennstoffe soll zunächst nur naturbelassenes Holz, welches aus der Landschaftspflege, dem Gartenbau und aus Waldrestholz gewonnen wird, zum Einsatz kommen. Dieser Brennstoff wird von Betrieben der Land- und Forstwirtschaft und der Landschaftspflege bezogen. Später kann dann Stroh (max 30 % der Feuerungswärmeleistung) als Brennstoff dazu kommen.
Bei der Anlage handelt es sich um eine genehmigungsbedürftige Anlage im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (siehe Nr. 1.2(a) Spalte 2 des Anhangs der 4. BImSchV für den Einsatz von Landschaftspflegematerial und naturbelassenem Holz bzw. Nr. 1.3 Spalte 2 des Anhangs der 4. BImSchV für die Zufeuerung von Stroh), da die Feuerungswärmeleistung mehr als 1 MW und weniger als 50 MW beträgt.
In der Feuerungsanlage sollen jährlich ca. 60 000 t/a Biomasse als Brennstoff eingesetzt werden.
Der erzeugte Dampf wird zum Teil aus der Turbine ausgekoppelt, um das Fernwärmenetz zu versorgen. Die Dampfturbine treibt einen Generator an. Die erzeugte Strommenge wird in das öffentliche Netz der Stadtwerke Landshut eingespeist und entsprechend dem „Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)“ vergütet. Die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase werden in einer nachgeschalteten Rauchgasreinigungsanlage gereinigt.
Die Versorgung der Anlage mit Brennstoff erfolgt per LKW, ebenso der Abtransport der Aschen. Das Transportaufkommen liegt bei ca. 12 - 16 LKW pro Werktag. Der Brennstoff wird mittels LKW oder Traktor mit Anhänger am Gelände angeliefert und einer Wareneingangskontrolle sowie Beprobung unterzogen. Die angelieferte Biomasse wird im ehemaligen Müllbunker und auf dem angrenzenden Lagerplatz zwischengelagert.
Der Brennstoffbunker ist ca. 31,5m lang, 7 m breit und 8 m tief und besitzt bei Befüllung bis Entladeniveau (Kote + 0 m) ein Fassungsvermögen von etwa 1 800 m³. Der Bunker verfügt über sieben, durch Hebetore verschließbare, Entladestellen.
Anschließend wird der Brennstoff mittels zwei Greiferkranen entweder direkt in den Einfülltrichter des Kessels aufgegeben oder im Brennstoffbunker zur Lagerung weiter aufgeschichtet. Jeder der Krane besitzt einen 2-Schalengreifer mit einem Fassungsvermögen von etwa 2,25 m³.
Die Krane sind bereits mit einer Brennstoffwiegeeinrichtung ausgerüstet, um den Brennstoffdurchsatz gewichtsmäßig kontrollieren zu können. Die Ansteuerung der Krane zu den Einfülltrichtern erfolgt automatisch.
Die Aufgabe in die Trichter wird mit einer Videokamera über einen Monitor in der Warte vom Kranführer überwacht.
Durch den Einfüllschacht, dessen unterer Teil wassergekühlt ist, um ihn gegen Überhitzung beim evtl. Durchschlagen des Feuers zu schützen, gelangt der Brennstoff auf den Dosierapparat (Brennstoffstößel).
Den Luftabschluss des Feuerraumes gegenüber der Atmosphäre bildet die Brennstofffüllung im Schacht, beim An- und Abfahren kann der Schacht durch einen Schiebeverschluss abgeschlossen werden.
Bei Bedarf soll Biomasse auf dem Lagerplatz zwischengelagert werden. Die Biomasse wird dort nach Bedarf zerkleinert (mobiler Hacker) und mittels LKW in den Brennstoffbunker verbracht.
Das Grundstück der derzeitigen Müllverbrennungsanlage (MVA) befindet sich im östlichen Randbereich des Stadtgebietes der Stadt Landshut umgeben von den Ortsteilen Schönbrunn im Südwesten, Lurzenhof im Südosten und Auloh im Nordosten. Das Grundstück liegt auf einer Teilfläche des Grundstücks Flur-Nr. 620/36 Gemarkung Ergolding/Ohu und umfasst eine Fläche von ca. 46.406 m². Die Zufahrt zur Anlage erfolgt über die Straße „Am Lurzenhof“. Für Kleinverkehr besteht eine Zufahrt über die Untere Auenstraße.
II. Beschreibung des Auftrags:
Gegenstand des im Verhandlungsverfahrens nach SektVO zu erteilenden Auftrags sind die Leistungen der Planung Technische Ausrüstung für die Anlagengruppen 2, 4, 5, 7 gemäß § 51 Abs. 2 HOAI, Leistungsphasen 5-9, für den Umbau der Müllverbrennungsanlage in ein Biomasseheizkraftwerk. Die Leistungen sind der Honorarzone II gemäß § 54 Abs. 2 HOAI zugeordnet.
Die Leistungen beinhalten (stufenweise) insbesondere die Ausführungsplanung, Vorbereitung der und Mitwirkung bei der Vergabe, Bau-, Montage-, Inbetriebnahme- und Probebetriebsüberwachung, Überwachung der Leistungsmessungen und Leistungs-/ Garantienachweise, Schnittstellenbearbeitung und -koordination, Objektbetreuung und Dokumentation.
Die Planungs- und Überwachungsleistungen betreffen dabei – unter Aufteilung auf die Anlagengruppen gem. § 51 Abs. 2 HOAI und Angabe der jeweiligen anrechenbaren Kosten je Anlagengruppe – insbesondere:
1. Anlagengruppe 2 - Wärmeversorgungsanlagen, anrechenbare Kosten: 2 825 000 EUR netto:
— Wasser/Dampf- Kreislauf,
— Änderungen an der Dampfkesselanlage (Erweiterung um einen Ekonomizer, Nachrüstung eines SNCR, Erhöhung der Dampfleistung),
— Änderungen am Wasser-Dampf-Kreislauf und der verbindenden Rohrleitungen (Frischdampfleitungen, Entnahmedampfleitungen, Kondensatleitungen mit Armaturen),
— Ggf. Anpassungen an die Luftkondensatoranlage und sonstigen technischem Equipment,
— Realisierung einer Fernwärmeauskopplung (Heizkondensatoren, Fernwärmepumpen, Druckhaltung),
— Integration eines Reservesystem,
— Ggf. Anpassungen an der Rauchgasreinigungsanlage und Kaminanlage.
2. Anlagengruppe 4 – Starkstromanlagen, anrechenbare Kosten: 430 000 EUR netto.
— Erneuerung der MSHV und Anpassungen an der NSHV,
— Fluchtwegebeleuchtung.
3. Anlagengruppe 5 – Fernmelde- und Informationstechnische Anlagen, anrechenbare Kosten: 70 000 EUR netto.
— Sicherheitstechnik (Brandmeldeanlagen),
— Leittechnische Einbindung.
4. Anlagengruppe 7 - nutzungsspezifische Anlagen: anrechenbare Kosten: 30 000 EUR netto.
— Automatische Feuerlösch- und Brandschutzanlage.
Die Leistungen der Leistungsphasen 1-4 sind bis zum Abschluss des Verfahrens im Wesentlichen schon erbracht. Ihre Erbringung ist also nicht Gegenstand des zu vergebenden Auftrags. Das Genehmigungsverfahren läuft derzeit, die Erteilung der Genehmigung wird derzeit vor Auftragsvergabe erwartet. Die zu vergebenden Leistungen ab Lph. 5 haben auf den erbrachten Leistungen der Leistungsphasen 1-4 aufzusetzen. Bereits geschlossene oder vorbereitete Wärmelieferungsverträge sind zu berücksichtigen. Es ist eine wirtschaftlich optimierte Planung (insbesondere auch im Hinblick auf das EEG oder sonstige Bestimmungen) zu erstellen und umzusetzen.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2011-09-30. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2011-09-13.

Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?

Wie?

Wo?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2011-09-13 Auftragsbekanntmachung
2012-01-26 Bekanntmachung über vergebene Aufträge