Rechenzentrumsdienstleistungen zum Betrieb von Software im Rahmen des Projektes Zentrale Koordinierungsstelle Abfall (ZKS-Abfall)
An der Entsorgung gefährlicher Abfälle sind bundesweit ca. 250 000 Firmen (zum Nachweis verpflichtete Abfallerzeuger, –beförderer und –entsorger) sowie die zuständigen Behörden beteiligt. Hierfür gilt seit dem 1.4.2010 das elektronische Abfallnachweisverfahren (eANV). Rechtsgrundlage des Verfahrens ist die Nachweisverordnung (NachwV), in deren Vollzug zur Zeit jährlich ca. 30.000 Entsorgungsnachweise, 2 000 000 Begleitscheine und 14 000 000 Übernahmescheine zwischen den Beteiligten kommuniziert werden.
Gegenstand der auszuschreibenden Leistung ist der Betrieb des IT-Systems „ZKS-Abfall“ (RZ-Betrieb) gemäß den Anforderungen an einen sicheren IT-Betrieb sowie den derzeit üblichen „Best Practice“ IT-Betriebsverfahren zur Bereitstellung der geforderten Services zu definierten Serviceleveln.
Bei dem IT-System „ZKS-Abfall“ handelt es sich um die zentrale Kommunikationsplattform des eANV, über die die zum Nachweis Verpflichteten ihre Daten austauschen. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten und der ZKS-Abfall erfolgt verschlüsselt über das Internet. Bei den ausgetauschten Daten handelt es sich um XML-Dokumente, die vom Bund standardisiert wurden. Alle Beteiligten müssen die Dokumente mit qualifizierter elektronischer Signatur versehen, um die Rechtssicherheit im Verfahren zu gewährleisten.
Die Basis der ZKS-Abfall bildet die „Virtuelle Poststelle“ (VPS) der Länder, die den Verpflichteten aus dem Kreis der Wirtschaft und den Behörden die Möglichkeit eröffnet, untereinander auf einem sehr hohen Sicherheitsstandard zu kommunizieren. Jeder Beteiligte richtet bei der VPS ein elektronisches Postfach ein, um den Nachrichtenverkehr abzuwickeln. Am System angeschlossene Provider unterhalten Sammelpostfächer für ihre Kunden. Die Kommunikation zwischen den ZKS-Teilnehmern und der VPS erfolgt über das OSCI-Protokoll.
Die ZKS-Abfall stellt das IT-System der Länder für die Abfallwirtschaft dar, die Dienstleistungen auf Grundlage des Kreislaufwirtschaftsgesetzes anbietet.
Das IT-System ZKS-Abfall gliedert sich in fĂĽnf funktionale Komponenten auf:
— Web Portal (derzeit auf Basis des CMS-Systems GSB).
Das Web Portal ist ein reines Informationsportal auf Basis des Content Management Systems Government Site-Builder(GSB). Das Portal ist völlig anonym und wird durch das CMS verwaltet. Es ist der zentrale Eintrittspunkt für die Anwender des Länder-eANV. Der LiveServer ist die Kernanwendung des GSB, die zusammen auf einer ServletEngine (in diesem Fall Tomcat) betrieben werden. Das ges. System benötigt eine Datenbank zur Vorhaltung der eigentlichen Inhalte.
— Länder eANV.
Das Länder-eANV ist die zentrale Anwendung zur Registrierung der Beteiligten im eANV und für die Formularbearbeitung. Es handelt sich dabei um eine im Auftrag der Länder entwickelte Software. Mit dieser Anwendung verbindet sich der Abfallwirtschaftsbeteiligte mit dem eANV und bearbeitet alle eANV-Formulare. Das Länder-eANV enthält keine Fachlogik, sondern lediglich Informationen zum Ablauf der Vorgänge. Es verfügt über eine LDAP-Anbindung und einen OSCI-Client für die Kommunikation. Im Länder-eANV ist die Signaturanwendungskomponente integriert.
— Virtuelle Poststelle (VPS).
Die virtuelle Poststelle hält die Postfächer vor, über die der Dokumentenaustausch durchgeführt wird. Es wird das Produkt ‚Governikus’ der Firma bremen online services eingesetzt. Zurzeit werden täglich über 150 000 Nachrichten verarbeitet.
— Service Modul.
Das Service Modul ist die zentrale fachliche Komponente der ZKS-Abfall. Es untersucht die Nachrichten inhaltlich und leitet diese an die Behörden weiter. Die Hauptaufgabe des ZKS Service Moduls liegt in der Verarbeitung von Nachrichten, die von am Verfahren Beteiligten in das Behördenpostfach in der VPS gestellt wurden.
— Beweissicherungsarchiv.
Das Beweissicherungsarchiv (BSA) sichert die Signaturen in den archivierten Dokumenten nach den Vorgaben des „Long-Term Archive and Notary Services (LTANS)“. Dazu greift das Service Modul auf das Beweissicherungsarchiv über Webservices zu, die sich an den Vorgaben des „Long-Term Archive Protocol (LTAP)“ orientieren und dieses funktional implementieren.
Das IT-System ZKS-Abfall wird derzeit in drei Konfigurationen parallel betrieben:
— Die Produktionsumgebung (PU),
— Die Integrierte Testumgebung (ITU), auf der neue Releases und Patches zunächst getestet werden, bevor diese in der Produktionsumgebung eingesetzt werden,
— Die Modifizierte Testumgebung (MTU) dient den externen Softwareherstellern, Providern etc. zum Testen neuer Programmversionen,
— Eine Entwicklungstestumgebung (ETU) ist geplant.
Die technische Infrastruktur teilt sich derzeit wie folgt auf:
— Betriebssystem.
Als Betriebssystem wird Red Hat Enterprise Linux 5.X eingesetzt.
— Application Server.
Als Anwendungsserver wird JBoss eingesetzt. Dieser stellt dann die Laufzeitumgebung sowohl für das Länder eANV als auch für das Service Modul zur Verfügung. Die ZKS-Abfall basiert auf Java.
— Datenbank.
Als einheitliches DBMS wird Oracle in der Version 10g eingesetzt; Ende 2012 wird auf Oracle 11g umgestellt.
— Virtuelle Poststelle.
Für die Basiskomponente Virtuelle Poststelle wird das Produkt „Governikus“ der Firma bremen online services (bos) eingesetzt. Governikus implementiert das Protokoll OSCI 1.2. Die VPS wird mit der folgenden Basissoftware eingesetzt:
— JBoss Application Server,
— Java JDK 6,
— Oracle Enterprise DBMS,
— Verzeichnisservice.
Als LDAP Verzeichnisserver kommt Open LDAP zum Einsatz.
— Signaturanwendung.
FĂĽr die Signaturanwendungskomponente kommt eine Erweiterung des Produktes SecSigner der Firma SecCommerce in Hamburg zum Einsatz.
— Web Content Management System.
Zum Einsatz kommt der Government Site Builder der Firma Coremedia.
— Virenscanner.
Derzeitig wird eine Virenschutzlösung der Firma FProt eingesetzt.
Zu den wesentlichen Betriebsleistungen gehören die initiale Migration / Betriebsübernahme vom derzeitigen Betreiber und der laufende IT-Betrieb ab Cut-Over (spätestens bis 1.6.2014). Darüber hinaus werden sicherheitsrelevante Funktionen wie beispielsweise Virenschutz, Intrusion Detection, regelmäßige Updates / Patches u.Ä. erwartet.
Der Vertrag soll zunächst 60 Monate laufen und sich anschließend jeweils um ein weiteres Jahr verlängern, falls er nicht zuvor beendet wird.
Weitere Informationen sind unter „www.zks-abfall.de“ zu finden.
Deadline
Die Frist fĂĽr den Eingang der Angebote war 2012-12-04.
Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2012-09-25.
Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?
Wie?
Wo?
Geschichte der Beschaffung
Datum |
Dokument |
2012-09-25
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Auftragsbekanntmachung
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2014-01-07
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Bekanntmachung über vergebene Aufträge
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