Sanierungsmaßnahmen Neues Palais in Potsdam Sanssouci, Leistungen der Technischen Ausrüstung gemäß § 53 HOAI, für die Anlagegruppen 1 bis 5 und 8

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Vergabestelle

Die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg beabsichtigt in der Zeit von 2012 bis 2017 Sanierungsarbeiten am Neuen Palais in Potsdam Sanssouci durchzuführen. Das Bauensemble Neues Palais zählt zu den größten historischen Schlossanlagen Europas. Es ist als Denkmal in der UNESCO Welterbeliste im Komplex der Gebäude und Anlagen der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdamer Kulturlandschaft eingetragen.
Das Neue Palais wurde in seiner weit über 200-jährigen Geschichte bisher keiner grundlegenden Instandsetzung unterzogen. Die kaiserliche Nutzung veranlasste um die Wende zum 20. Jahrhundert lediglich partielle Veränderungen und Reparaturen. Heute sind schwerwiegende Schäden der Bausubstanz und der künstlerischen Ausstattung bekannt.
Die Sanierung der Decke zwischen Marmor- und Grottensaal, der Sanierung der Dachflächen, einschließlich der Kuppeln sowie die Sanierung von Sockelgeschoss und Umgang werden hinsichtlich der Objektplanung und Tragwerksplanung und restauratorischen Fachplanungsleistungen derzeit durchgeführt.
Ziel der Baumaßnahmen am Neuen Palais bis 2017 ist die Reduzierung der wesentlichsten substanzgefährdenden baulichen Probleme. Dazu sind umfangreiche Maßnahmen zur Ertüchtigungen des Tragwerkes und der baulichen Konstruktionen sowie Restaurierungsmaßnahmen geplant.
Die Sanierung und Restaurierung des Neuen Palais wurde dazu in vier Teilprojekte gegliedert, die im Wesentlichen zeitgleich bis 2017 realisiert werden sollen:
1. Sanierung und Restaurierung der Decke zwischen Marmor- und Grottensaal;
2. Sanierung des Daches vom Theaterflügel, Restaurierung der Kuppelbekrönung, Erneuerung des Blitzschutzes;
3. Sanierung von Sockelgeschoss und Umgang;
4. Rahmenplan / Übergreifende Maßnahmen.
Für o.g. Teilprojekte ist eine bautechnische wie auch eine elektrotechnische Anlagensanierung erforderlich.
Die Niederspannungsverteiler im Sockelgeschoss, die Transformatorstation, die Mittelspannungsanlage und auch die Blitzschutzanlage haben ihre Verschleißgrenze erreicht und müssen ausgetauscht werden.
Bedingt durch die bauliche Sanierung müssen Bestandsinstallationen umverlegt und teilweise auch erneuert werden.
Dies betrifft insbesondere:
— die Nahwärmeversorgungsleitungen, die Trinkwassererschließung, die Mitteldruckgasleitung, die Elektrohaupttrassen, die Installation an Sicherheitsstromverkabelung sowie Datentechnik in den Umgängen des Sockelgeschosses,
— die Schmutz- und Regenwasserleitungen und Grundleitungen bis zu den Übergabe- und Revisionsschächten im Gebäudeaußenbereich,
— die Gebäudeheizungsleitungen, die Elektrotrassen der Stark- und Schwachstromtechnik, an den Holzkonstruktionen des Dachstuhles.
Diese Installationen müssen vollständig aus den Baufeldbereichen zurückgebaut und an anderer Stelle wieder errichtet werden. Dies erfolgt unter vollständiger Aufrechterhaltung des Gebäudebetriebes.
Soweit möglich werden die technischen Anlagen an einen Ort verlegt, an dem sie verbleiben können. Wenn dies nicht möglich ist, müssen Übergangslösungen geschaffen werden, die den Anforderungen der Baustellenbedingungen gerecht werden.
Die Umplanungen der Anlagentechnik erfolgen unter Beachtung des Brandschutzkonzeptes.
Die Entwurfsplanung zur Technischen Ausrüstung (Leistungsphase 3, § 53 HOAI) ist bereits abgeschlossen. Die fertig gestellte Entwurfsunterlage Bau (EW-Bau) nach RBBAU liegt vor.
Die Bearbeitung der Leistungsphase 4 erfolgt nur für die Lüftung Sanierung Schlosstheater im Neuen Palais. Die Planung (Leistungsphasen 1-4) wird derzeit erarbeitet und ist nicht Gegenstand dieser Vergabe.
Die Baumaßnahme der Technischen Ausrüstung gem. § 51 HOAI des Neuen Palais umfasst im Einzelnen:
1. Anlagen der Anlagengruppe 1 - Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen:
a.) Wasser-, Abwasseranlagen mit verzweigten Rohrnetzen,
b.) Grundleitungserneuerungen bis zu den Anbindeschächten im Außenbereich,
c.) Rückbau einer Mitteldruckgasleitung,
d.) Arbeiten unter vollständiger Aufrechterhaltung des Anlagenbetriebes,
2. Anlagen der Anlagengruppe 2 - Wärmeversorgungsanlagen:
a.) Gebäudeheizungsanlagen mit verzweigten Rohrnetzen,
b.) Rückbau einer Nahwärmeleitung aus dem Innenbereich und Umverlegung in den Außenbereich,
c.) Arbeiten unter vollständiger Aufrechterhaltung des Anlagenbetriebes;
3. Anlagen der Anlagengruppe 3 - Lufttechnische Anlagen:
a.) Lüftungsanlagen zur Erreichung bauphysikalisch definierter raumklimatischer Randbedingungen,
b.) Klimaanlagen zur Be- und Entlüftung einer Versammlungsstätte;
4. Anlagen der Anlagengruppe 4 - Starkstromanlagen:
Elektrische Anlagen mit Nennspannungen über 1 kV (DIN VDE 0101, Mittelspannungsanlagen), darunter:
a.) Energieübertragungs- und Verteilungsanlagen, Kabel- und Leitungsanlagen im Innen- und Außenbereich;
b.) Elektrische Anlagen mit Nennspannungen bis 1 kV (DIN VDE 0100, Niederspannungsanlagen),
c.) Kabel- und Leitungsanlagen im Innen- und Außenbereich (DIN VDE 0100 -520),
d.) Kabel- und Leitungsanlagen mit Brandschutzanforderungen (MLAR, DIN 4102, DIN VDE 0100-482),
e.) Energieverteilungsanlagen, Schaltanlagen, für Erdungs- und Potenzialausgleichsanlagen (DIN VDE 0100 - 0410);
f.) Blitz- und Überspannungsschutzanlagen (DIN VDE 0185);
g.) Arbeiten unter vollständiger Aufrechterhaltung des Anlagenbetriebes;
5. Anlagen der Anlagengruppe 5 - Schwachstromanlagen:
Umverlegen und Schaffen von Übergangslösungen in der Fernmeldetechnik (DIN VDE 0800):
a.) elektrische und optische Kabel- und Leitungsnetze mit Anschluss und Verteilertechnik;
b.) Erweiterung der Gefahrenmeldeanlagen (DIN VDE 0833): Brand-, Einbruchmeldeanlagen,
c.) Arbeiten unter vollständiger Aufrechterhaltung des Anlagenbetriebes;
6. Anlagen der Anlagengruppe 8, § 51 HOAI (Gebäudeautomation):
Aufbau einer Gebäudeautomation, kompatibel zum hausinternen System zur:
a.) Steuerung der Lüftungsanlagen;
b.) Steuerung der lichttechnischen Anlagen im Schlosstheater;
c.) Steuerung der Bühnentechnik;
d.) Aufnahme und Darstellung von Störmeldungen und Messwerten.
Vergeben werden sollen die Leistungsphasen 5-8 § 53 HOAI. Die Vergabe erfolgt stufenweise ab Leistungsphase 5, ohne Rechtsanspruch auf die Beauftragung aller Leistungsphasen. Eine losweise Vergabe ist nicht vorgesehen.
Die Leistungen werden nach HOAI § 54, Honorarzone II unten vergütet.
Gesucht wird ein Ingenieurbüro für Technische Ausrüstung, das Erfahrung im Umgang mit denkmalgeschützter Substanz wie in der Planung und Objektüberwachung komplexer technischer Ausrüstungen bevorzugt in Kulturbauten, insbesondere in Museen, nachweisen kann.
Die Eingriffe sollen dem hohen architektonischen Anspruch des Bestandes gerecht werden. Die Sanierung muss während des laufenden Museumsbetriebs erfolgen.
Nach Abschluss der Baumaßnahmen sollen im Ergebnis technisch und energetisch optimale Anlagen zur Verfügung stehen, welche in ihrer betrieblichen Logistik einen personal- und ressourcensparenden Betrieb unter ausgezeichneten Arbeitsbedingungen ermöglichen.
Folgende Grundlagen zur Gebäudesanierung und zur technischen Ausrüstung liegen bereits vor und können im Falle der Einladung zum Verhandlungsgespräch bei der unter I.1 genannten Stelle eingesehen werden:
— EW-Bau Restaurierung der Decke zwischen Marmor- und Grottensaal (KG 440),
— EW-Bau Sanierung Dach (KG 410, 420, 430, 440, 450, 480, 490),
— EW-Bau Sanierung von Sockelgeschoss und Umgang (KG 410, 420, 430,440, 450, 490, 500),
— EW-Bau Sanierung Transformatorstation (440, 480),
— Genehmigungsplanung Lüftung Sanierung Schlosstheater im Neuen Palais,
— Brandschutzkonzept.
Die jeweilige EW-Bau beinhaltet einen Erläuterungsbericht, eine Kostenschätzung ggf. Grundrisspläne mit technischen Ergänzungen oder entsprechenden technischen Entwurfsplänen.
Die Sanierungsmaßnahme des Neuen Palais zeichnet sich wie folgt aus:
1. Typologie: Kulturbau, Museum;
2. Art der Maßnahme: Sanierung von denkmalgeschützter Bausubstanz (UNESCO Welterbeliste) bei laufendem Betrieb.
3. Größenordnungen:
— Decke zwischen Marmor- und Grottensaal: gesamt rd. 550 m²,
— Dachfläche: ca. 7 800 m²,
— Fläche Sockelgeschoss: ca. 10 500 m².
4. Für die Planung und Ausführung sind ca. 56 Monate vorgesehen.
Beginn Baudurchführung Anfang 2013, Fertigstellung Gesamtmaßnahme 2017.
5. Die Gesamtbaukosten sind mit rd. 16.980.000 ? brutto (KG 200-700 nach DIN 276 neu) als Obergrenze veranschlagt.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2012-09-04. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2012-08-03.

Wer?

Wie?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2012-08-03 Auftragsbekanntmachung