Verhandlungsverfahren mit vorheriger öffentlicher Aufforderung zur Teilnahme (Teilnahmewettbewerb) „Grimm Welt“ Kassel
„Grimm Welt“ Kassel.
„Die Kasseler Jahre waren die glücklichsten unseres Lebens“, schrieb Jacob Grimm im Jahre 1860, und Bruder Wilhelm sah das nicht anders.
In Kassel verbrachten Jacob (1785-1863) und Wilhelm (1786-1859) Grimm einen großen Teil ihres Lebens mit wichtigen Schaffensphasen. Fast alle wichtigen Werke der Grimms – ihre großen Märchen- und Sagensammlungen (1812-1818), Jacobs „Deutsche Grammatik“ (1819,1822) und zuletzt das Deutsche Wörterbuch (1838ff.) sind unmittelbar in Kassel entstanden oder doch hier begonnen worden. Als Märchensammler haben die Grimms mehr als 200 Geschichten in und von Kassel aus zusammengetragen. Und hier, im Brüder Grimm-Museum, werden ihre kostbarste Hinterlassenschaft – die Kasseler Handexemplare der „Kinder- und Hausmärchen“, die seit 2005 zum Weltdokumenterbe der UNESCO gehören, verwahrt. Die handschriftlichen Randnotizen und Ergänzungen vermitteln bis heute ein Gefühl für die Arbeitsweise und den Forschungseifer der großen Sprachgelehrten.
Den Grundstock der Kasseler Sammlungen bilden Handschriften der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, Handexemplare und Manuskripte ihrer Veröffentlichungen, Erinnerungsstücke aus verschiedenen Nachlässen der Familie Grimm und ihrer Nachfahren. Aus den Haushalten der Grimms stammen Möbel, Glas, Porzellan, Silber und zahlreiche andere Lebenszeugnisse. Bedeutend ist auch der Bestand an Werken des Malerbruders Ludwig Emil Grimm, der das Leben von Jacob und Wilhelm Grimm auf vielfältige Weise zeichnerisch begleitet hat und bis zu seinem Lebensende in Kassel wirkte und wohnte. Weitere Schwerpunkte der Sammlungen sind die wissenschaftlichen Arbeitsbereiche der Brüder Grimm sowie ihr politisches Wirken.
Angesichts der weltweiten Bedeutung und Anerkennung ihrer Arbeiten beabsichtigt die Stadt Kassel, die Verdienste ihrer weltberühmten Bürger in einem Gesamtkonzept Brüder Grimm neu zu würdigen.
Zentraler Baustein im Gesamtkonzept Brüder-Grimm ist die Errichtung einer neuen „Grimm Welt“ (Arbeitstitel). Das jetzige Brüder-Grimm-Museum der Stadt Kassel wird in seiner bestehenden Form nach Fertigstellung der Grimm-Welt nicht mehr weitergeführt.
Gesamtkonzept Brüder Grimm Kassel.
Das von den Unternehmen THEMATA (Potsdam) und Hermanns Ausstellung – Medien – Transfer (Münster) vorgelegte und von der Stadtverordnetenversammlung im Februar 2011 beschlossene Gesamtkonzept Brüder Grimm sieht verschiedene eng miteinander verbundene Schwerpunkte vor, die dezentral mit unterschiedlicher Funktion angelegt sind.
— Die Gestaltung von Gebäude und Inhalten der „Grimm-Welt“ an dem Standort Weinberg ist wichtigster Teil des Konzepts. Sie dient in erster Linie dem Ausstellen und Vermitteln mit hohem Erlebniswert und integriert dabei auch die Präsentation historischer Exponate. Sie richtet sich an ein breites Publikum,
— Die „Grimm-Bibliothek“, die der Murhardschen Bibliothek am Brüder Grimm-Platz angegliedert wird, übernimmt die Bibliotheksbestände des bisherigen Brüder Grimm-Museums. Sie sammelt und bewahrt historische Zeugnisse (Bücher und Handschriften) und sie ist Anlaufstelle für die Grimm-Forschung,
— Im historischen Torgebäude am Brüder Grimm-Platz, in dem die Brüder von 1814 bis 1822 wohnten, soll ihre Wohnung rekonstruiert und das Gebäude zu einem modernen und angemessenen Grimm-Denkmal ausgebaut werden.
Das Gesamtkonzept sieht also eine enge Verbindung mit der Grimmforschung (u.a. Brüder-Grimm-Stiftungsprofessur) an der Universität Kassel, mit der Brüder Grimm-Gesellschaft, mit dem Tourismus („Grimm-Heimat Nordhessen“, „Deutschen Märchenstraße“) sowie auch überregional mit anderen Grimmstätten vor.
Konzeption und Entwicklung der „Grimm Welt“.
Die „Grimm Welt“ präsentiert auf anschauliche und inspirierende Weise die Welt der Märchen und der deutschen Sprache. Dabei verfolgt die „Grimm Welt“ einen modernen, publikumsorientieren Ansatz, der sozial, medial und ästhetisch auf emotionale Erfahrungen und das sinnliche Erleben von Inhalten ausgerichtet ist. Im Gegensatz zu traditionellen Museen steht dabei nicht das historische Exponat im Zentrum der Präsentation, wenngleich es Teil der Inszenierung sein kann. Aufeinander abgestimmt gehören insbesondere auch multimediale, künstlerische und interaktive Angebote zum Programm.
Das Konzept geht von erzählerisch-inhaltlichen Leitlinien aus, in denen die Sammlungen eine 'dienende' und nicht eine 'führende' Rolle im Sinne eines klassischen Sammlungsmuseums haben:
„Die „Grimm Welt“ überträgt das weltweit wirksame Schaffen der Brüder Grimm in die Gegenwart. Die poetische Kraft der Märchen und der lebendigen deutschen Sprache wird auf faszinierende Weise erfahrbar. Den kostbaren Handexemplaren der Kinder- und Hausmärchen als UNESCO-Weltdokumentenerbe sowie der damit verbundenen internationalen Kultur sichert die „Grimm Welt“ einzigartige Aufmerksamkeit, ebenso dem Leben und Wirken der berühmten Brüder.
Die „Grimm Welt“ verpflichtet sich zur Förderung ästhetischer Bildung und Integration durch generationsübergreifendes und erlebnisorientiertes Lernen. Die in wissenschaftlicher Forschung erarbeiteten Inhalte werden anschaulich und alle Sinne ansprechend umgesetzt.
Innovative Wege der Vermittlung sorgen bei den Besuchern für Emotionen, Kreativität und Erkenntnis.
Die „Grimm Welt“ ist am Standort der Kulturstadt Kassel der zentrale Platz für das Thema und die „Weltmarke Brüder Grimm“. Sie hat den Anspruch, dauerhaft eine hohe Besucherfrequenz in einer breiten Öffentlichkeit zu erreichen.
Die „Grimm Welt“ ist ein offener, kommunikativer Ort, der hochwertige und thematisch relevante Aktivitäten aus Bildung, Kultur, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Tourismus in internationaler Perspektive bündelt. Die Einbindung bürgerlichen Engagements ist ihr ein besonderes Anliegen.“.
Der Neubau der „Grimm Welt“ umfasst rund 3 100 m² NF und bekommt mit seinem Platz auf Kassels 'Stadtbalkon', dem Weinberg, einen prominenten Standort mit hoher stadtgeschichtlicher und topografischer Bedeutung. Das Investitionsvolumen beträgt ca. 18 200 000 EUR.
Zur Findung der besten städtebaulichen und architektonischen Lösung wurde ein Architektenwettbewerb durchgeführt. Sieger des internationalen Wettbewerbs ist das Kasseler Architekturbüro Tore Pape. Die Eröffnung der „Grimm Welt“ ist für Ende 2014 geplant (
www.stadt-kassel.de).
Bausteine und Flächenprogramm der „Grimm-Welt“.
Das Gesamterlebnis der „Grimm Welt“ wird sich aus eng aufeinander abgestimmten Bereichen unterschiedlichen Zuschnitts ergeben. Das Flächenprogramm umfasst im Grundriss insgesamt 3 170 m², von denen 2 600 m² auf Ausstellungs- und öffentliche Serviceflächen entfallen. Sie werden im Folgenden dem gegenwärtigen Konzeptionsstand entsprechend kurz dargestellt:
Auftakt (190m²).
In diesem Bereich betreten und verlassen die Gäste die Ausstellungsflächen. Sie erhalten eine Einstimmung in Thema und Kernbotschaften der „Grimm Welt“ und erleben durch eine visuell eindrückliche, voraussichtlich multimediale Inszenierung die weltweite Wirkung des Grimm-Schaffens. Zugleich hat der Auftaktbereich Verteilerfunktionen zu weiteren Präsentationsflächen.
Märchen-Räume (4 x 125m²).
Hier werden künstlerisch anspruchsvoll und zugleich publikumswirksam Märchen-Räume inszeniert. Auf vier großen Flächen interpretieren Kreative verschiedener Sparten (z. B. aus Film, Theater, Mode, Bildender Kunst, Literatur) jeweils aus einem Grimm-Märchen den konkreten Text oder einen zentralen Aspekt. Die Märchen-Räume haben einen immersiven Charakter mit hohem Erlebniswert für die Besucher.
Schatzkammer mit Vertiefungsräumen „Wissen“ und „Erzählung“ (180m²).
Auch diese Flächen sind durch das Thema „Grimms Märchen“ bestimmt. Im Zentrum steht die sogenannte „Schatzkammer“ (40m²) mit einer auratischen Inszenierung des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Der flankierende Vertiefungsraum „Erzählung” (60 m²) bietet die Möglichkeit, alle Märchen in einem angenehmen Ambiente anzuhören oder zu lesen. Im Bereich „Wissen” (80m²) kann sich das Publikum das Thema der Handexemplare sowie allgemein der Märchen und ihrer internationalen Wirkung unter verschiedenen Gesichtspunkten erschließen.
Kosmos (320 m²).
Der „Kosmos“ spannt einen kulturhistorischen Bogen von Leben und Wirken der Brüder Grimm in ihrer Zeit zu heutigen Erfahrungen. Hier wird von ihrem Wirken in Wissenschaft, Kunst, Politik und Gesellschaft erzählt, wie sich dies im Medium der deutschen Sprache vollzieht und was uns das heute für unser Leben in und mit der Sprache zu sagen hat. In diesem Bereich werden Original-Exponate eingesetzt und mit medialen und interaktiven Zugängen verbunden, die unterschiedliche Wissensbedürfnisse von Schülern oder auch Experten ansprechen.
Labor (330 m²).
Diese Fläche ist mit dem Kosmos verbunden, hat jedoch einen ganz anderen Charakter. Hier kann man, Kind wie Erwachsener, spielerisch und aktiv mit der Welt des Wortes in der deutschen Sprache umgehen, ausgehend vom „Deutschen Wörterbuch“. Dabei dominieren Stationen und Installationen, die die Besucher mit ihrem Kopf, ihren Händen oder dem ganzen Körper unmittelbar einbeziehen. Zudem wird hier nicht nur auf didaktische, sondern besonders auch auf künstlerische Güte und einen ästhetischen Umgang mit dem Raum gesetzt.
Verbindungsmodul (90 m²).
Diese Fläche vermittelt sowohl räumlich als auch inhaltlich zwischen „Kosmos“ und „Labor“. Im Zentrum steht eine Installation, die das Jahrhundertprojekt des „Deutschen Wörterbuchs“ von Jacob und Wilhelm Grimm künstlerisch umsetzt, voraussichtlich in Form der documenta-Arbeit „Haus der Wörter“ von Ecke Bonk (im Besitz der Stadt Kassel).
Sonderausstellungbereich (400 m²).
Um die „Grimm Welt” kontinuierlich und überregional attraktiv zu halten, ist ein speziell ausgewiesener, flexibler und repräsentativer Bereich für Wechselausstellungen vorgesehen.
Auditorium (200 m²) und pädagogischer Bereich (65 m²).
Das teilbare Auditorium ist geeignet für Tagungen, Workshops, Veranstaltungen und Events, für Filmvorführungen sowie für die Begrüßung und Einführung von Schulklassen und Besuchergruppen. Der pädagogische Bereich bietet zusätzlich Möglichkeiten zum angeleiteten Lernen, Spielen und Nacherleben für Kinder und Jugendliche.
Serviceflächen.
Als Service-Angebote stehen ein Café-Restaurant und ein Shop sowie Foyer, Kassenbereich, Garderobe, WCs und Infotheke zur Verfügung.
Für die Umsetzung des Projektes ist eine Vergabe folgender Leistungen geplant:
I. Erstellung eines Feinkonzepts suf Grundlage der Bestehenden Grobkonzeption
— Fortschreibung der Ausstellungskonzeption und Präzisierung der Erzählstruktur zu einem „Ausstellungsdrehbuch“ (Feinkonzept),
— Objektrecherchen und Objektliste (tabellarisch, mit Bilddokumentation und Vermaßung),
— Vorschläge für Wissens- und Erlebnisstationen (Beschreibung und Begründung der Themen, der didaktischen Grundlagen, der Exponate und Erlebnis-/Wissensstationen),
— Kostenschätzung nach Bereichen,
— Dokumentation der Ergebnisse,
— Mitwirkung bei Künstler- und Agentenkontakten und -verhandlungen.
II. Gestaltung der Präsentations- und Veranstaltungsflächen
— Skizzierung von Inhalten der Präsentationsflächen und Entwicklung der Ausstellungsdramaturgie,
— Ausstellungsgrafik für Präsentation und Service,
— Mediaplanung und Entwicklung von AV-Stationen.
(Klärung der haus- und medientechnischen Voraussetzungen von Medienstationen, Vorbereitung von spezifischen Ausschreibungen; nicht aber Umsetzung von einzelnen Medienstationen, diese werden später ausgeschrieben).
— Konzeption der Lichtplanung für die Ausstellung.
Das Angebot soll nach Arbeitsschritten gegliedert sein, z.B.
— Vorplanung,
— Entwurfsplanung,
— Ausführungsplanung.
Anforderungsprofil:
— Erfahrungen in der publikumsorientierten Vermittlung von Literatur, Sprache und Kulturgeschichte,
— Ausstellungspraxis,
— lokale, regionale und internationale Vernetzung.
Ausstellungsbudget: ca. 5 000 000 EUR.
III. Betriebskonzept
— Mitwirkung und Unterstützung bei der Erstellung des Betreiberkonzeptes (Aufbauorganisation) unter steuerlichen und förderrechtlichen Aspekten,
— Unterstützung bei der Auswahl von Servicepartnern (z.B. Gastronomie und Shop) und Lieferanten beim Abschluss von Pacht-, Leistungs- und Nutzungsverträgen, durch Mitwirkung bei den Leistungsverzeichnissen (Termine, Qualitäten, Quantitäten, Preise) und durch Mitwirkung bei der Auswahl,
— Mitwirkung/Unterstützung bei der Betriebsvorbereitung (Ablauforganisation/Prozesse, Kasse, Aufsichten, Facility-/Gebäude-Management, Serviceangebote), Mitarbeiter Stellen-/Aufgabenbeschreibungen, Auswahl, Einstellungsprozess, Training,
— Mitwirkung bei der Vorbereitung der genehmigungsrechtlichen Verfahren (Betriebsgenehmigung, Gastronomie, Hygiene, GEMA) und bei der Inbetriebnahme,
— Inbetriebnahme und (-planung), Unterstützung beim Nutzer Probebetrieb, ggf. mit Externen (Feuerwehr, Polizei, Servicedienstleister).
IV. Marketing
— Unterstützung des Auftraggebers bei der konzept- und kostengerechten Erstellung der Grimm-Welt sowie deren Positionierung am Markt und Entwicklung einer hierfür geeigneten Strategie für Marketing, Vertrieb und Öffentlichkeitarbeit,
— Erstellung der Zeit- und Maßnahmenplanung sowie Budgetierung,
— Vorbereitung von Aufträgen, Leistungsverzeichnissen und Ergebnisauswertung der Angebote,
— Mitwirkung beim Aufbau eines Netzwerkes und strategischer Allianzen,
— Unterstützung bei der Integration der „Grimm Welt“ in das Tourismuskonzept der Stadt, der Region, des Landes,
— Unterstützung bei der Vertretung des Projektes in der (Teil-) Öffentlichkeit.
Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2012-04-20.
Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2012-03-14.
Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?
Wie?
Wo?
Geschichte der Beschaffung
Datum |
Dokument |
2012-03-14
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Auftragsbekanntmachung
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2013-01-16
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Bekanntmachung über vergebene Aufträge
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