Verkehrsentwicklungsplan (VEP) Bremen 2020/2025

Freie Hansestadt Bremen (Stadtgemeinde), Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Schwerpunkte VEP Bremen.
Zeitplan.
Ab Vergabe der Leistung, die vor August 2012 angestrebt wird, soll die Erarbeitung in ca. 1 ½ Jahren abgeschlossen sein. Die Inhalte sollen daher nur bedingt vertieft werden. Eine Diskussion von konkreten Umgestaltungen von Straßenräumen ist nicht vorgesehen. Der VEP soll die strategisch-konzeptionelle Basis der Verkehrsplanung für die kommenden Jahre darstellen.
Prozess.
Es ist ein umfangreicher Beteiligungsprozess mit 3 zentralen Veranstaltungen zur Zielfindung vor Vergabe dieser Leistung und 4 mal 5 regionale Bürgerforen sowie 4 mal 5 Regionalausschüssen der örtlichen politischen Gremien (jeweils Stadtbezirke Mitte, Ost, West, Süd und Nord, d.h. insgesamt 40 öffentliche Veranstaltungen) in einzelnen Planungsphasen vorgesehen. Darüber hinaus ist der noch einzurichtende Projektbeirat mit ca. 20 Terminen zu begleiten.
Restriktionen im Haushalt.
Bremen ist Haushaltsnotlageland. Die Maßnahmen sind anhand der Haushaltsrahmenbedingungen im konsumtiven und im investiven Bereich zu orientieren. Unterschiedliche Ansätze sind in Szenarien zu untersuchen, bis hin zum Wegfall der finanziellen Förderung des Bundes ab 2019.
Förderung des Umweltverbunds.
Die im Leitbild der Stadtentwicklung bis 2020 (www.komm-mit-nach-morgen.de) zu erreichenden verkehrlichen Ziele sind bis 2025 weiter zu entwickeln. Dabei ist der Anteil des Umweltverbunds auszubauen. Die hierfür zu konzipierenden Maßnahmenbündel sind so zu gestalten, dass sie die Ziele möglichst kostengünstig erreichen. Da viele klassische Maßnahmen im Verkehrsektor sehr kostenintensiv sind, sind möglichst sparsame und sehr effektive Maßnahmen zu konzipieren. Hier sind auch tarifliche Instrumente, Maßnahmen des Mobilitätsmanagements etc. zu entwickeln, die das klassische, i. d. R. auf ein Verkehrsmittel ausgelegte, Maßnahmenspektrum erweitern. So sind u.a. Maßnahmen zu konzipieren, die auf spezielle Fahrtzwecke, Nutzergruppen etc. ausgerichtet sind. Soziale und kulturelle Fragen des Mobilitätsverhaltens sind zu analysieren und daraus differenzierte Maßnahmen zu entwickeln. Ziel ist es, Menschen unabhängig von Ihrer gesellschaftlichen Stellung für die Nutzung des Umweltverbunds zu gewinnen. Letztendlich ist eine sinnvolle Aufgabenteilung zwischen Radverkehr, Fußverkehr und ÖPNV zu definieren. Der Zuwachs im Umweltverbund darf insgesamt nicht gegeneinander erfolgen.
Alle Verkehrsarten und Verkehrsmanagement.
Intermodale Verkehre (Park + Ride, Bike + Ride etc.) sowie multimodale Verkehre sollen verstärkt gefördert werden, wenn der Umweltverbund gestärkt wird. Bremen besitzt eine Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) für das kommunale und das Fernstraßennetz (www.vmz.bremen.de). Diese übernimmt neben reinen Managementaufgaben (LSA, VBA A1) auch Verkehrsinformationsdienste.
Kfz-Verkehr.
Bremen hat ein Straßennetz, das aufgrund der Aufgabe vieler Ausbauplanungen aus den 60er Jahren sehr inhomogen ist. Ein echter, mehrspuriger Innenstadtring (Tangente) wird, im Konsens aller Parteien, nicht als Ziel gesehen. Politisch wird das Ziel der Förderung des Umweltverbunds verfolgt. Veränderungen im Straßennetz sind nur in Einzelfällen erforderlich, u.a. zur Anpassung des Stadtstraßennetzes an den Bau der A 281, B 212 n und B 6 n. Die A 281 und die B 212 n sind gesetzt und werden voraussichtlich bis 2019 umgesetzt und in Betrieb gehen. Die B 6n ist zurzeit nicht im vordringlichen Bedarf. Zusammengefasst ist ein notwendiger Neubau von Tangenten u. ä. zurzeit nicht zu erkennen. Vereinzelt sind Umgestaltungen und deren Netzwirkungen zu untersuchen.
Für den ruhenden Verkehr sind Gebiete zu definieren, die bezüglich der Parkraumorganisation zu überplanen sind. Die Parkraumkonzeption ist nicht Teil dieser hier zu vergebenden Leistung.
ÖPNV.
In Bremen wird 2/3 der Betriebsleistung im Busverkehr, nur 1/3 bei der Straßenbahn erbracht, während sich die Verkehrsleistung umgekehrt darstellt. Das Busnetz soll neu strukturiert und mit differenzierten Produkten im Angebot klarer gegliedert werden. Potentielle Netzergänzungen und Netzerweiterungen für die Straßenbahn sind zu untersuchen und zu überprüfen. Dabei steht mehr die Verknüpfung und Verbindungsoptimierung im Netz mit neuen Linienführungen im Vordergrund als die Erweiterung ins Umland. Ziel ist ein vom Potenzial her deutlicher und wirtschaftlich möglicher Fahrgastzuwachs im ÖPNV.
Aktuell wird im ZVBN ein neuer NVP für den straßengebundenen ÖPNV erstellt, der aber bezüglich des ÖPNV in Bremen keine über den heutigen Rahmen und seinen Geltungszeitraum bis 2017 hinausgehenden Aussagen treffen wird.
Der SPNV wurde durch die Einführung der Regio-S-Bahn in 2011 gestärkt. Es sind Maßnahmen zu entwickeln, um die Bedeutung des SPNV im Gesamtverkehrssystem u.a. durch Verknüpfungspunkte, bessere Taktlagen, Ausbau des Netzes zu erhöhen. Das SPNV-Konzept ist fortzuschreiben, auch bezüglich möglicher neuer Haltepunkte. Parallel wird ein Gutachten zu den Kapazitätserfordernissen im Eisenbahnknoten Bremen erarbeitet, auf dem bezüglich der eisenbahntechnischen Möglichkeiten im SPNV aufgebaut werden kann. Auch die Verkehrsbeziehungen zwischen Bremen und Bremerhaven sind hier vertieft zu betrachten.
Umwelt und Klimaschutz.
Bremen hat eine Umweltzone, die seit 1.7.2011 nur noch die Einfahrt mit Fahrzeugen mit grüner Plakette erlaubt. Bremen hat sich das Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 % zu reduzieren. Die Maßnahmebündel für den Verkehr aus dem Klimaschutz- und Energieprogramm (KEP) 2020 sind noch nicht ausreichend, um die Anforderungen des KEP zu erfüllen. Das KEP enthält zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes im Verkehrsbereich den Ausbau und die Verbesserung des ÖV, die Förderung des Radverkehrs und die Steigerung der Nutzung des Car-Sharing. Die Maßnahmenbündel des KEP sind in den einzelnen Bereichen zu konkretisieren. Parallel zum VEP wird in 2013 der Lärmaktionsplan fortgeschrieben. Es wird daher eine inhaltliche Verzahnung angestrebt.
Radverkehr.
Bremen hat einen sehr hohen Radverkehrsanteil. Dieser soll weiter gesteigert werden. Grundlage dazu ist die in 2002 erarbeitete Radverkehrsstrategie Bremens, die weiterhin gültig ist. Hierzu sind geeignete Maßnahmen unter Beachtung des engmaschigen Routennetzes zu entwickeln. Nahezu alle Hauptverkehrsstraßen haben Radverkehrsanlagen, die hinsichtlich Sicherheit, Komfort und Leistungsfähigkeit für den Radverkehr zu überprüfen sind. Eine Prioritätenliste für infrastrukturelle Maßnahmenschwerpunkte ist im Handlungskonzept ebenso zu berücksichtigen wie Maßnahmen zu Service, Öffentlichkeitsarbeit und Information. Potentiale möglicher Expressrouten sind zu untersuchen.
Fußverkehr.
Der Fußverkehrsanteil ist in Bremen sehr niedrig. Neben der hohen Bedeutung des Radverkehrs kann dies an der Straßenraumsituation – häufig relativ schmale Gehwege im Neben- und Hauptstraßennetz – liegen und/oder an mangelnden Zielen im Nahbereich. Dies ist zu untersuchen. Integrierte Ansätze sind zu entwickeln. Es sind Qualitätsanforderungen an Verkehrsanlagen zur Förderung der Nahmobilität auf Basis der Randbedingungen zu definieren. Dabei sind die unterschiedlichen Strukturen und die damit verbundenen Wegenetze in den Stadtteilen zu beachten. Die barrierefreie Zugänglichkeit der Bahnhöfe und Haltestellen ist zu berücksichtigen.
Wirtschaftsverkehr und Hafenanbindungen.
Die Erreichbarkeit der Wirtschaftsstandorte und der stadtbremischen Häfen auf Straße und Schiene ist auch in Zukunft zu gewährleisten. Dabei gilt besonderes Augenmerk der Anwohnerverträglichkeit, dem Immissionsschutz und dem Klimaschutz bei den abzuwickelnden Verkehren. Das Lkw-Führungsnetz wird gesondert fortgeschrieben und in den VEP integriert.
Verkehr und Stadtentwicklung.
Bremen setzt auf eine ressourcenschonende und verkehrsvermeidende Bauleitplanung. Diese leitet sich aus dem Leitbild ab und wird im neuen Flächennutzungsplan (FNP), der sich zurzeit in der Aufstellung befindet, konkretisiert. Es ist daher eine Koordination von FNP und VEP erforderlich. Die Erreichbarkeit der Innenstadt und der Stadtteilzentren ist zu optimieren, um den Einzelhandel in den zentralen Lagen zu fördern. Die Qualitäten aller Hauptverkehrsstraßen in Bezug auf die einzelnen Verkehrsarten (Kfz, Fuß, Rad, ÖPNV) sind zu prüfen.
Zusammenfassung – Anforderungen an Bieter.
Folgende Schwerpunkte sind bei der Bearbeitung des VEP besonders zu beachten:
— Beteiligungsverfahren, Öffentlichkeitsarbeit,
— Finanzrestriktionen im Verkehrssektor,
— Straßenraumqualitäten, Umgang mit zu engen Straßenräumen,
— Abbau von Hemmnissen und Barrieren im Fußgänger- und Radverkehr,
— Grundsätzliche Aussagen zur Verbesserung der Netzqualität beim Radverkehr,
— Wirkungsabschätzung Mobilitätsmanagement,
— Neukonzeption des Busliniennetzes,
— Straßenbahnnetzausbau und Linienkonzeption,
— Fortschreibung SPNV-Nahverkehrsplan (inkl. Bremerhaven).
Folgende Punkte sind im VEP auch gefordert, aber weniger im Schwerpunkt der Untersuchung. Sie werden im Rahmen der Zuarbeit der Fachverwaltung bzw. vorliegender und fortzuschreibender Gutachten erstellt:
— Aktualisierung Lkw-Führungsnetz,
— Integration der Fortschreibung Lärmaktionsplanung,
— Die Öffentlichkeitsarbeit wird durch ein gesondert zu beauftragendes Kommunikationsbüro unterstützt (Grafik, Layout, Textredaktion) werden. Eine direkte Zusammenarbeit zwischen Gutachter und dem Kommunikationsdienstleister ist in Abstimmung mit dem Auftraggeber erforderlich,
— Die Modellierung wird gesondert erfolgen. Der Bieter muss Anforderungen an das Modell definieren und eng mit dem Auftragnehmer dieses Bereich zusammen arbeiten. Prognose und Szenarien werden für das Jahr 2025 erarbeitet. In den Szenarien wird die zukünftige Siedlungsstruktur vorgegeben, aber andere Parameter wie das Preisgefüge der Verkehrsmittel, Haushaltslage etc. ggf. untersucht werden.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2012-03-26. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2012-02-24.

Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?

Wie?

Wo?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2012-02-24 Auftragsbekanntmachung
2012-03-12 Ergänzende Angaben
2012-09-13 Bekanntmachung über vergebene Aufträge