Ausstellungsgestaltung für die Sonderausstellung "Anthropozän. Natur und Technik im Menschenzeitalter" im Deutschen Museum
Das 1903 gegründete Deutsche Museum ist mit ca. 73.000 m2 Ausstellungsfläche das größte naturwissenschaftlich-technische Museum der Welt. Mit jährlich rund 1,3 Millionen nationalen und internationalen BesucherInnen ist es das meistbesuchte Museum Deutschlands. Als wissenschaftliche Institution gesamtstaatlicher Bedeutung beherbergt es eine Sammlung von über 107.000 Objekten in über 50 Fachgebieten. Die Dauerausstellungen präsentieren ein breites thematisches Spektrum in Geschichte,
Gegenwart und Zukunft. In seinen Sonderausstellungen beschäftigt sich das Deutsche Museum mit aktuellen Themen an der Schnittstelle von Naturwissenschaft, Technik und Gesellschaft und bietet ein Forum zur Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen und ihren Folgen, Potenzialen und Risiken.
Die Sonderausstellung „Anthropozän. Natur und Technik im Menschenzeitalter“ (Arbeitstitel) ist für Oktober 2014 (bis Juli 2015) geplant. Sie beschäftigt sich mit dem „Anthropozän“ als aktuell diskutierter wissenschaftlicher Hypothese und neuem Wahrnehmungsrahmen von der menschlichen Rolle auf dem Planeten Erde. Geprägt wurde der Begriff vom Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul J. Crutzen, der im Jahr 2000 die Idee einer neuen Erdepoche beschrieb, die auf das Holozän folgt und durch tiefe Eingriffe des Menschen in die Natur gekennzeichnet ist. Die vom Menschen initiierten Veränderungen schlagen sich demnach in geologischer Form nieder und werden auf der Skala der Erdgeschichte verzeichnet. Die Sonderausstellung nimmt diese wissenschaftliche Debatte zum Ausgangspunkt, um auf ihrer Basis die vielschichtigen Einflüsse des Menschen auf seine Umwelt darzustellen und seine Rolle in der Erdgeschichte zu diskutieren. Mit der Sonderausstellung greift das Deutsche Museum als erste museale Institution dieses hochaktuelle Thema auf und übersetzt es in eine dreidimensionale Erfahrungswelt.
Ziel der Ausstellung ist es, 1.) die BesucherInnen über das Anthropozän als wissenschaftliche Hypothese und neue Sichtweise auf die Rolle des Menschen auf der Erde zu informieren; 2.) das Bewusstsein für Zeitskalen und globale Dimensionen menschlichen Handelns zu stärken; 3.) die ambivalente Rolle von Technik zu beleuchten und 4.) einen Horizont für persönliche Verantwortung, Mitbestimmung und Partizipation an der Gestaltung des Anthropozäns zu eröffnen.
Die Sonderausstellung wendet sich an das breite Publikum des Deutschen Museums, d.h. sowohl Familien und andere Gruppen (höhere Schulklassen) als auch erwachsene Einzelpersonen (ab ca. 14 Jahren).
Die Ausstellung will ihre Inhalte sowohl über (historische) Objekte aus den Sammlungen des Deutschen Museums und den Laboratorien von Wissenschaft und Industrie als auch über interaktive Demonstrationen und Medienstationen unterschiedlichen Zuschnitts vermitteln. Die Objekte dienen als Kristallisations- und Ausgangspunkt für die erweiterte Darstellung von Themen. Sie werden punktuell ergänzt durch Filme, Fotografien, Interviews, Medienstationen und in einigen Bereichen inszenatorische Installationen. Es wird angestrebt, neben der Information auch partizipative Elemente einzubauen, um dem offenen Charakter der Anthropozän-Diskussion gerecht zu werden. Durch eine Mischung von klassischer musealer Vermittlung und innovativen, intermedialen, ggf. künstlerischen Herangehensweisen soll sowohl der Wissensvermittlung als auch der Reflexion, Interaktion und Diskussion Raum gegeben werden.
Die Ausstellung gliedert sich in vier Ausstellungsbereiche. Da die Ausstellung nur über einen Ein- und Ausgang verfügt, wird die Ausstellung als Rundweg konzipiert.
Die Themenbereiche der Sonderausstellung sind:
Einführung:
Der Einführungsteil führt in die Thematik ein, indem er folgende Unterthemen behandelt: geologischer Inhalt der Anthropozän-These inklusive der langen Zeitskalen, Bedeutung der Industrialisierung für die Entwicklung des Anthropozäns, Verhältnis von Mensch und Natur und Rolle von Technik und Wissenschaft für die Entwicklung und Beschreibung des Anthropozäns.
Themenfelder:
Sieben „Felder“ behandeln aus einem spezifisch „anthropozänen“ Blickwinkel ausgewähnte Thematiken:
1) Ernährung
2) Urbanität
3) Mobilität
4) Evolution
5) Mensch-Maschine
6) Natur
7) Kommunikation/Bewusstsein
Vergangene Zukünfte:
Der dritte Ausstellungsteil präsentiert historische Visionen der Zukunft und behandelt vergangene museale Darstellungsformen der (technisierten) Zukunft.
Zukunftsszenarien:
Der letzte Ausstellungsteil beschäftigt sich mit heutigen Zukunftsszenarien. Hier soll der offene Charakter des Anthropozäns im Vordergrund stehen. Die BesucherInnen werden aufgefordert am Beispiel von dargestellten Szenarien, über ihre eigenen Zukunftserwartungen und -wünsche nachzudenken. Ergänzt werden diese Ausstellungsbereiche durch eine Kunstinstallation. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Museums und des Rachel Carson Center for Environment and Society. Das Rachel Carson Center ist ein internationales und interdisziplinäres Zentrum für Geisteswissenschaftliche Forschung in München, das gemeinsam vom Deutschen Museum und der Ludwig- Maximilians-Universität betrieben und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird. Es betreibt und fördert Forschung zur Interaktion zwischen Mensch und Natur und hat sich zum Ziel gesetzt, die Rolle der Geisteswissenschaften in gegenwärtigen politischen und wissenschaftlichen Umweltdebatten zu stärken.
Die Gestaltung der Sonderausstellung „Anthropozän. Natur und Technik im Menschenzeitalter“ erfolgt auf der für Sonderausstellungen vorgesehenen Fläche im 1.OG des Deutschen Museums oberhalb des Zentrums für neue Technologien auf der Museumsinsel in München. Der Sonderausstellungsraum wurde 2009 vollständig renoviert. Die Grundfläche des gesamten Raumes beträgt ca. 1450 m2. Durch einzuhaltende Mindestabstände von Fenstern, Fluchttreppenhäusern und Lift sowie den Abzug von Flächen für einen Informationsstand bzw. eine Multifunktionsfläche und einen Vorraum verringert sich die tatsächlich zu bespielende Fläche auf ca. 1000 m2.
Das Gesamtbudget für den Ausstellungsbau (KGR 300-700) beträgt 1.024.170,00 EUR inkl. MwSt. Die Entwurfsplanung beinhaltet die Entwicklung eines gestalterischen Konzeptes, welches auf der Grundlage des durch die Kuratoren erstellten Ausstellungskonzeptes und deren Objektrecherchen zu erstellen ist. Es wird eine verschränkte Entwicklung im Dialog vor Ort erwartet, da es Teil des Grundverständnisses des Kuratorenteams ist, dass Inhalte und gestalterische Umsetzung nicht getrennt aufzufassen sind, sondern sich gegenseitig durchdringen. Von daher wird eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Ausstellungsteam sowie weiteren Fachbeteiligten vorausgesetzt.
Weitere Bestandteile der Entwurfsplanung sind die Medienplanung, die Gestaltung und Entwicklung von Demonstrationen, die Erstellung eines Licht- und Graphikkonzeptes und die Szenographie. Die folgenden Realisierungsphasen sollen neben den Ausstellungsbauten u.a. auch die Realisierung der Medien, die Realisierung der Demonstrationen, die Realisierung der Ausstellungsgraphik, den Auf- und Abbau, das Einleuchten, die Bauleitung und Bauabnahme und die Erstellung aller erforderlichen Ausschreibungen umfassen.
Da die Ausstellungsgestaltung unter hohem Termindruck bei begrenztem Kostenrahmen erfolgen soll, werden neben einer hohen gestalterisch-kreativen Kompetenz auf hohes Koordinationsvermögen sowie straffe Kostenkontrolle Wert gelegt. Gute Kenntnisse im Qualitäts- und Sicherheitsmanagement werden erwartet. Zu den Leistungen der ersten Phase gehört auch die Vorlage eines belastbaren Zeitplans für Entwurfsplanung und Realisierung bis zur Eröffnung am 15.10.2014. Der Abschluss der Vorentwurfsplanung ist für September 2013 (ca. 2 Monate nach Beauftragung) vorgesehen. Der Abschluss der Entwurfsplanung ist für November 2013 (ca. 4 Monate nach Beauftragung) vorgesehen. Die detaillierte Aufgabenbeschreibung erhalten die ausgewählten Bieter des Verhandlungsverfahrens mit der Aufforderung zur Angebotsabgabe.
Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2013-02-13.
Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2013-01-11.
Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?
Wie?
Wo?
Geschichte der Beschaffung
Datum |
Dokument |
2013-01-11
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Auftragsbekanntmachung
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2013-01-17
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Ergänzende Angaben
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2013-07-15
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Bekanntmachung über vergebene Aufträge
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