Baumaßnahme im Bereich des Saarlandmuseums in Saarbrücken, Architektenleistungen nach HOAI Neubau / Weiterbau

Stiftung Saarländischer Kulturbesitz

Die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz vereint mehrere renommierte Museen und Ausstellungshäuser des Saarlandes. 1980 als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet, umfasst die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz heute drei Museumskomplexe an drei Standorten: das Saarland.Museum mit seiner Modernen Galerie und seiner Alten Sammlung, das Museum für Vor- und Frühgeschichte und das Deutsche Zeitungsmuseum Wadgassen. Die Bestände des Saarland. Museums verteilen sich auf die Alte Sammlung, die mit der Schlosskirche und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte am Schlossplatz liegt, und die Moderne Galerie mit ihrem Skulpturengarten in der Bismarckstraße.
Das Saarland. Museum bewahrt in seiner Modernen Galerie eine der bedeutendsten Sammlungen der Moderne in der Bundesrepublik Deutschland. Sie bietet anhand herausragender Werke des 19. und 20. Jahrhunderts eine beeindruckende Übersicht über die Entwicklung der modernen Kunst. Die Anfänge der Sammlung moderner Kunst nehmen ihren Anfang in der Gründungszeit des Saarlandes am Ende der 40er und 50er Jahre. Die Wurzeln der Moderne reichen zurück bis in die 30er Jahre, als damals das Staatliche Museum moderne Kunst sammelte. Dieses wurde in den 40er Jahren mit dem Heimatmuseum der Stadt Saarbrücken zum Saarland.Museum verbunden. Der Direktor des Saarland.Museums, Prof. Dr. Rudolf Bornschein (1912–1988), war in der 50er Jahren einer der ersten, der nach dem 2. Weltkrieg bedeutende Kunstwerke, die einmal von den Nazis als entartet aus deutschen Museen entfernt wurden, mit Devisenmitteln für das Saarland erwerben konnte. Zwischen 1951 und 1976 gelang ihm der Aufbau dieser beispielgebenden hochrangigen Sammlung moderner Kunst. Insgesamt konnte er rund 2 150 Gemälde, Plastiken und Arbeiten auf Papier für die Moderne Galerie und rund 600 Werke für die Alte Sammlung ankaufen. Dem großen Engagement Rudolf Bornschein ist es zu verdanken, dass die stetig anwachsende Sammlung moderner Kunst ein eigenes adäquates Gebäude erhielt. Ab 1962 wurde die Moderne Galerie am Saarufer in der Bismarckstraße als einer der ersten Museumsneubauten der Nachkriegszeit in Deutschland errichtet. Zusammen mit dem Architekten Hanns Schönecker (* 1928 St. Wendel 2005) entwickelte Bornschein ein Museumsgebäude, das internationale Beachtung fand und dessen Konzept bis heute seine Gültigkeit behalten hat. Die Moderne Galerie befindet sich in einem 1979 fertiggestellten denkmalgeschützten Bau, der aus drei miteinander verbundenen Pavillons besteht, am Ufer der Saar neben dem Saarländischen Staatstheater. Die Räume der Modernen Galerie von Hanns Schönecker zeichnen sich durch Klarheit und Lichtfülle aus, sie bieten den Gemälden und Skulpturen auf circa 2 500 qm Ausstellungsfläche einen angemessenen Rahmen. Der Bezug zur Natur, ein Hauptanliegen der impressionistischen und expressionistischen Künstler, kann durch die vielfältigen Ausblicke vom Innern der Moderne Galerie auf den Skulpturenpark und das Saarufer unmittelbar erlebt werden. Im Skulpturenpark mit seinen 2 500 qm findet sich ein Ensemble von Monumentalplastiken, dessen Spannweite von Aristide Maillols Vénus sans bras, 1920, über Anthony Caros Panama, 1976/80, bis zu Katja Strunz‘ Einfalt und Ort, 2010, reicht.
Heute umfasst die international hoch beachtete Sammlung der Moderne Galerie etwa 1 300 Gemälde und Plastiken, rund 12 000 Blätter der Grafische Sammlung und 16 000 Fotografien. Zu den bedeutendsten Werkgruppen zählen Gemälde, Handzeichnungen und Druckgrafiken der Berliner Secession, des Expressionismus und der informellen Kunst. Markante Werkkomplexe sind die Gemälde der Berliner Secession mit Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth, aber auch von Albert Weisgerber und Hans Purrmann. Daneben prägen hochrangige Werke des deutschen Expressionismus und des Blauen Reiters von Franz Marc, August Macke, Heinrich Campendonk sowie von Erich Heckel, Emil Nolde, Ludwig Meidner und Otto Mueller, aber auch von Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Max Beckmann das Profil des Saarland. Museums. Die Bauhauskünstler Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger, Paul Klee und Wassiliy Kandinsky und die Kubisten Pablo Picasso, Georges Braques und Fernand Léger sind mit bedeutenden Werken vertreten. Diese Werkgruppen verleihen dem Museum sein einzigartiges Gesicht. Hinzu treten die facettenreichen Nachlässe der Bildhauer Alexander Archipenko und Rudolph Belling. Mit der prominent vertretenen Werkgruppe der Malerei des Informel beherbergt das Saarland. Museum eine deutschlandund europaweit einzigartige Werkgruppen. Die Meister des Informel K.O. Götz, Bernhard Schulze, K.R.H. Sonderborg, Hann Trier und Emil Schumacher gehören mit Initialwerken informeller Kunst zur Sammlung. Besonders der Ätnazyklus von Gerhard Hoehme, als das Monumentalwerk des Informel, ist zu nennen. Hinzu kommt eine ebenso hochkarätige wie umfangreiche fotografische Sammlung, die insbesondere durch die Fotoarbeiten Otto Steinerts und seiner Schüler sowie den Nachlass seiner Schülerin Monika von Boch ihr Profil erhält. Damit wird die Weiterentwicklung der in den 1950erJahren in Saarbrücken ins Leben gerufenen „Subjektiven Fotografie“ an einem der maßgeblichen Orte ihrer Entstehung umfassend dokumentiert.
Nach einer Schließung von 18 Monaten präsentiert die „historische“ Moderne Galerie seit Juni 2012 in seine Räumen Wechselausstellungen zur modernen und zeitgenössischen Kunst. Bis 4. November 2012 präsentierte das Saarland. Museum im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts „MONO 2012“ die Ausstellung Roland Fischer, New Photography 1984-2012 in den wahrscheinlich schönsten Ausstellungsräumen der Bundesrepublik Deutschland. Ausstellungen wie „Saarland – Kunst der 50er Jahre“ und Eberhard Bosslet – Dingsda“ schließen sich an.
2007 erfolgte ein Architektenwettbewerb zur Erweiterung der Modernen Galerie um den sog. „Vierten Pavillon“. Beauftragt wurde 2008 das Büro Twoo Architekten, Köln, mit den Leistungen der LP1-5 zur Planung des Neubaus. 2012 wurde das Projekt aus verschiedenen Gründen unterbrochen. Seit diesem Zeitpunkt stehen die die Rohbauarbeiten still. Diese sind fast abgeschlossen, aber nicht vollständig beendet.
Die planerische Aufgabe an das zu ermittelnde Architekturbüro besteht darin, dieses Erweiterungsprojekt auf der Basis eines aktualisierten Raumprogramms kostensicher und anspruchsvoll zu beenden. Es handelt sich um einen mehrgeschossigen Erweiterungsbau in der Größenordnung von ca. 5.300 qm BGF.
Gegenstand der Ausschreibung sind Architektenleistungen nach HOAI § 33 in den Leistungsphasen 1-9, welche stufenweise vergeben werden. Eine Neuausschreibung der Fachplanungen erfolgt in separaten Verfahren. Die ausgeschriebene Planungsaufgabe wird – neben den Leistungen nach HOAI §33 Objektplanung und Planung raumbildender Ausbau – auch auf folgenden Fragen Antworten formulieren müssen:
— masterplan-ähnliche Untersuchung des gesamten Museumsbereiches (Pavillon 1-3, Moderne Galerie, Wechselausstellungen und Neubau);
— Ausformulierung einer wirtschaftlichen und anspruchsvollen Fassade (denkmalverträglich) für den Neubau
— Überprüfung des Anschlusses Neubau an den Bestandsbau Moderne Galerie.
— Konzept zur Gestaltung aller umgebenden Freiflächen. Gesucht wird ein Architekturbüro bzw. eine Arbeitsgemeinschaft von Planern, welche Erfahrung in der Planung und Überwachung von Museumsbauten und im Bauen im denkmalgeschützten Bestand hat. Es wird an dieser Stelle die Kompetenz zur Realisierung in Anbetracht eines begrenzten Budgets erwartet.
Der unter II.3. genannte Abschlusstermin berücksichtigt alle Leistungsphasen inklusive der Leistungsphase 9.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2013-04-02. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2013-02-21.

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Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2013-02-21 Auftragsbekanntmachung