Planungsleistungen für Generalsanierung Max-Joseph-Straße 2

Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern

Die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) hat ihr Stammhaus in München im Gebäudekomplex an der Max-Joseph-Straße 2 im zentrumsnahen Stadtteil Maxvorstadt direkt am Altstadtring. Bei der Liegenschaft handelt es sich um ein in die bayerische Denkmalliste eingetragenes Baudenkmal nach Art.1 Abs.1 und 2 bzw. Art.2 BayDSchG. Es besteht Erhaltungspflicht nach Art.4 BayDSchG.
Die Liegenschaft besteht aus 2 repräsentativen Gebäuden, die einen mit einem Glasdach überdachten Innenhof umschließen:
— Haus A - Max-Joseph-Straße 2, erbaut 1911/12 nach den Plänen des Architekten Gabriel von Seidl: Büro- und Verwaltungsgebäude.
— Haus B - Maximiliansplatz 8, erbaut 1901 nach den Plänen des Architekten Friederich von Thiersch, erstes Börsengebäude von München: Büro- und Verwaltungsgebäude, historische Versammlungsstätten nach VStättV, 3 Hausmeisterwohnungen.
In der Historie wurden beide Gebäude mehrfach überformt, umgebaut, saniert und baulich im jeweiligen Zeitgeist den jeweiligen Nutzungsschwerpunkten angepasst. Die Liegenschaft liegt an 3 von 4 Seiten unmittelbar auf der Grundstücksgrenze. Einziger Nachbar im Sinne des Baurechts ist die Landeshauptstadt München. Die Liegenschaft unterliegt den Richtlinien über die bauaufsichtliche Behandlung von Hochhäusern des Freistaates Bayern (MABl 1983, S. 495).
Bauvorhaben „IHK Generalsanierung Stammhaus"
Die Liegenschaft weist im derzeitigen Bestand teils erhebliche Schäden und Mängel im Bereich Tragfähigkeit, Brandschutz, Baurecht und Bauphysik auf, die im Zuge von baulichen Maßnahmen zu beseitigen und zu beheben sind. Gleichzeitig sind die vorhandenen historischen Besprechungs- und Konferenzzonen nicht als Versammlungsstätte gemäß aktuellem Baurecht angemeldet.
Im Rahmen einer Generalsanierung der Liegenschaft wird angestrebt, die bestehenden baulichen Defizite zu beseitigen und die Liegenschaft auf einen üblichen modernen Bürostandard zu ertüchtigen. Die derzeit baulich durch eine Brandwand getrennten Bauteile Haus A und Haus B werden in ihrer horizontalen Erschließung in jedem Geschoss über Flure räumlich miteinander verbunden. Es erfolgt eine Anmeldung der Liegenschaft als Versammlungsstätte.
Folgende Maßnahmen sind unter Beachtung der denkmalpflegerischen Belange u. a. geplant:
— Ertüchtigung und teilweise Austausch tragender Bauteile, insbes. Decken,
— Änderung der horizontalen Erschließung je Geschoss,
— Änderung der vertikalen Erschließung je Geschoss durch neue Aufzugsschächte,
— Sanierung der Besprechungsräume und Versammlungsstätten,
— Kompletterneuerung der Haustechnik unter Anschluss an das Fernwärme- und Fernkältenetz der Stadtwerke München,
— Zertifizierung der Liegenschaft nach DGNB, Status „bronze",
— Erstellung eines Küchenbereiches im EG/UG,
— Sanierung der Bürobereiche,
— Sanierung und Restaurierung von denkmalpflegerisch wertvollen Bauteilen und Gebäudebereichen,
— Sanierung und Restaurierung des denkmalgeschützten Daches,
— Sanierung und Restaurierung der denkmalgeschützten Fassade.
Gebäudebeschreibung:
Der Gebäudekomplex hat die Außenmaße ca. 47 m x 46 m mit einem glasüberdachten Innenhof. Die Grundfläche GF beträgt insgesamt ca. 15 500 m². Es handelt sich um einen Massivbau. Außen- und Innenwände wurden als Mauerwerksbau in traditioneller Ausführung errichtet. Eine Konstruktion aus Stahlträgern mit Stahlbetonausfachungen oder Ziegelsteinausfachungen bilden die historischen Deckenkonstruktionen. Die Gebäude wurden als Einzelgebäude errichtet und besitzen in Folge dessen keine „statische Kopplung“. Die Dachkonstruktion besteht aus Holz und wurde als Sparrendach bzw. Kehlbalkendach errichtet. Dachformen sind Mansarddach und Satteldach. Haus B besitzt ein höher liegendes Mittelresalith.
In den Geschossen ist folgende Nutzung vorgesehen:
— UG 2: Technikzentralen (GF ca. 200 m²),
— UG 1: Technikzentralen, Lager, Archive, Küchen-Nebenräume (GF ca. 2 300 m²),
— EG: Eingangsbereich, Beratungscenter, Küche, Betriebsrestaurant, Veranstaltungs-/Versammlungsräume, Funktionsräume (GF ca. 2 400 m²),
— ZG 1: Medienebene (GF ca. 370 m²),
— OG 1: Büros, Nebenräume, Veranstaltungs-/Versammlungsräume, Funktionsräume (GF 2 000 m²),
— OG 2: Büros, Nebenräume (GF 1 800 m²),
— OG 3: Büros, Nebenräume, Sitzungssaal (GF ca. 1 800 m²),
— OG 4: Büros, Nebenräume (GF 1 900 m²),
— OG 5: Büros, Nebenräume, Hausmeisterwohnungen (GF ca. 1 900 m²),
— DG: Technikzentralen (GF ca. 750 m²).
Aktueller Planungs-Status/erforderliche Planungsleistungen
Die HOAI-Leistungsphasen 1-4 sind zum Teil erbracht. Es liegt eine durch die IHK freigegebene Entwurfsplanung vor. Für das Bauvorhaben liegt eine Baugenehmigung vor. Ein Tekturantrag wurde eingereicht und wird derzeit behördlich geprüft.
Die HOAI-Leistungsphasen 1-4 sind inhaltlich zu prüfen sowie durch diverse Leistungen – insbesondere im Hinblick auf noch erforderliche Bestandsaufnahmen, Sondierungen und denkmalpflegerische Belange – zu ergänzen. Die Auswirkungen dieses Ergänzungs- und Prüfdurchlaufes auf die bereits vorliegende Planung ist aufzuzeigen. Ggf. erforderliche Freigaben der IHK abweichend zu bisherigen Freigaben sind zu erwirken. Erforderliche Genehmigungsbescheide abweichend zu bereits vorliegenden Genehmigungen sind im Rahmen von Tekturgenehmigungen zu erwirken. Aus heutiger Sicht handelt es sich hierbei insbesondere um erforderliche Abstimmungen mit dem Prüfstatiker, erforderliche Abstimmungen mit der Unteren und Obersten Denkmalschutzbehörde, Spartenerinnerungsverfahren sowie ggf. erforderliche Tekturanpassungen zur Grundleitungsführung.
Die HOAI-Leistungsphasen 5-9 sind komplett zu erbringen.
Folgende Planungssparten sind im Zuge der Beauftragung zu besetzen:
— Objektplanung einschließlich Innenraumgestaltung/Außenanlagen/DGNB/Baulogistik,
— Tragwerksplanung (mit Schwerpunkt Sanierung historischer Baukonstruktionen, insbesondere Massivbau/Mauerwerksbau, sowie alternative Nachweisverfahren),
— Technische Gebäudeausrüstung, Mechanische TGA (HLSK/MSR),
— Technische Gebäudeausrüstung, Stark-/Schwachstrom,
— Technische Gebäudeausrüstung, Fördertechnikplanung,
— Brandschutzplanung,
— Thermische Bauphysik,
— Schallschutz/Raum-/Bauakustik.
Für folgende Planungssparten wurden Planungsbeteiligte bereits vertraglich gebunden:
— Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordination,
— Küchenplanung,
— Medientechnikplanung,
— Vermessung,
— Baugrundgutachter,
— Schadstoffsanierung.
Es erfolgen wöchentlich regelmäßige Planer- und Baubesprechungen Vorort, z. B. im Baubüro der IHK.
Aktueller baulicher Zustand
Das Gebäude wurde im Zuge einer genehmigungsfreien „Softabbruch“-Maßnahme bereits baulich behandelt. Dabei wurden die komplette Haustechnik sowie Beläge und Bekleidungen tragender Bauteile zum Großteil entfernt. Die historische Tragstruktur der Decken, Wände, Fassaden-Innenseiten, Fundamente und Dächer liegt größtenteils frei. Denkmalpflegerisch relevante Bauteile wurden geschützt oder durch Ausbau gesichert und eingelagert. Denkmalpflegerisch relevante Bereiche sind zutrittsgesichert.
Hinweise für den Teilnahmewettbewerb:
Bei der Beurteilung der anzugebenden Referenzen (siehe unten, III.2.3) haben im Hinblick auf die Vergleichbarkeit mit dem zu vergebenden Auftrag Erfahrungen in den Bereichen Bauen im Bestand, Sanierung denkmalgeschützer Gebäude, Versammlungsstätten nach Maßgabe der einschlägigen rechtlichen Vorschriften und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit öffentlichen Auftraggebern eine besondere Bedeutung.
Detaillierte Informationen zu den zu erbringenden Leistungen, insbesondere zu den bereits vorliegenden Planungen werden die Vergabeunterlagen enthalten, die die im Rahmen dieses Teilnahmewettbewerbs ausgewählten Unternehmen mit der Aufforderung zur Abgabe eines Angebots erhalten werden. Alle Bewerber werden schon jetzt darum gebeten, sich für den Fall einer Aufforderung zur Angebotsabgabe auf eine Besichtigung der Baustelle einzurichten. Hierfür ist der Zeitraum vom 9. bis zum 13.12.2013 vorgesehen. Es wird darum gebeten, sich diesen Zeitraum vorsorglich freizuhalten. Nähere Hinweise zum Ablauf dieser bieterindividuellen Termine enthalten die Vergabeunterlagen. Außerdem wird bereits jetzt wird darauf hingewiesen, dass eine dauerhafte Vor-Ort-Präsenz für die Erbringung der zu beauftragenden Leistungen erforderlich sein wird.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2013-11-25. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2013-10-24.

Wer?

Wie?

Wo?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2013-10-24 Auftragsbekanntmachung
2013-10-30 Ergänzende Angaben