Technologische Fortentwicklung Integrationsverfahren Polizei (IGVP-FE)
Für die Bearbeitung und Verwaltung der polizeilichen Vorgänge wird in Bayern und Thüringen flächendeckend das selbstentwickelte Vorgangsbearbeitungssystem (VBS) „Integrationsverfahren Polizei (IGVP)“ eingesetzt. Das Verfahren verfügt über einen sehr weiten Funktionsumfang und ist bei den Anwendern fachlich akzeptiert.
Die polizeilichen Prozesse, wie etwa die Erfassung und Speicherung von Vorgängen, die Erzeugung des benötigten Schriftguts, die Beteiligung unterschiedlicher Dienststellen und der damit verbundenen Zusammenarbeit nach dem Prinzip der Einmalerfassung / Mehrfachnutzung werden derzeit durch IGVP realisiert. Darüber hinaus dient dieses System zur Recherche über diverse Arten von Informationen bezüglich Personen, Sachen oder Ereignissen, die in polizeilichen Vorgängen aufgetreten sind. Hinzu kommen Funktionalitäten der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und die Anbindung an diverse Drittsysteme, wie das Fahndungssystem INPOL (Informationssystem Polizei), der Datenaustausch mit der Staatsanwaltschaft (DASTA), der Übergang zum Verfahren VOWI (Verkehrsordnungswidrigkeiten), dem Erkennungsdienst digital (ED-Di), der Spuren- und Asservatenverwaltung, das EASy-System (Ermittlungs- und Analyseunterstützendes IuK-System), Gladis (Geografisches Lage-/Auswertung-/Darstellungs- und Informationssystem), VULKAN (Verkehrs-Unfall-Lage-Karten und Analyse-Netzwerk), DiFo (digitale Fotographie), EKAA (elektronischer KAN-Aktennachweis), sowie weitere von IGVP bereitgestellte Webservices. Die vorgenannten Systeme in der Bayerischen und Thüringer Polizei unterscheiden sich.
Das Verfahren IGVP stellt für die polizeiliche Sachbearbeitung somit die zentrale Datenbasis in Bayern und Thüringen dar. Große Teile der Funktionalität der Drittsysteme können ohne die Basis IGVP nicht sinnvoll eingesetzt werden. Die permanente Verfügbarkeit (24*7) von IGVP ist von enormer Bedeutung, um die reibungslose Polizeiarbeit sicherzustellen. Das System wurde durch die Bayerische Polizei in Kooperation mit den Polizeien der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Thüringen entwickelt (teilweise extern beauftragt) und hat in Bayern ca. 35.000 Anwender.
Ausgehend vom ca. 20 Jahre zurückliegenden Entwicklungsbeginn von IGVP bedarf es wegen struktureller Defizite, die den vielen Anpassungen der letzten Jahre geschuldet sind und der in wesentlichen Teilen veralteten und heterogenen Technik einer technologischen Fortentwicklung von IGVP unter Beibehaltung des aktuellen fachlichen Umfangs des Verfahrens. IGVP wird also aus technischen und betrieblichen Gründen fortentwickelt.
Der Auftraggeber beabsichtigt daher, ein Grundsystem, dessen Wartung und Pflege und IT-Leistungen für die technologische Fortentwicklung des Integrationsverfahrens Polizei zu beschaffen.
Aufgrund der Komplexität der Aufgabe, den vielfältigen Rahmenbedingungen und den unterschiedlichen Umsetzungsmöglichkeiten wurde vor der eigentlichen Beauftragung zur technologischen Fortentwicklung ein Vorprojekt beauftragt. Das Vorprojekt hatte die Aufgabe, die unterschiedlichen Möglichkeiten der Fortentwicklung auf ihre Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu prüfen, sowie die sich daraus ergebenden Folgen zu erheben. Im Ergebnis wurde dabei festgestellt, dass die Fortentwicklung auf Basis eines Grundsystems machbar ist und die wirtschaftlichste Lösung darstellt.
Das Grundsystem kann auch aus mehreren Einzelprodukten bestehen, die aber durch den Anbieter zu einem lauffähigen Gesamtsystem integriert werden, wobei der Anbieter die alleinige und umfassende Verantwortung für das Zusammenspiel der Einzelprodukte trägt. Dieses integrierte Gesamtsystem wird vom Auftraggeber als Standardsoftware (gem. EVB-IT) betrachtet und ist dann Gegenstand der Beschaffung, nicht die einzelnen Systemkomponenten. Die Zusage für Wartung und Pflege durch den Anbieter gilt ebenfalls für das Gesamtsystem und nicht für die Einzelkomponenten.
Da das Grundsystem nur einen Teil der Funktionen des gesamten Fachsystems IGVP-FE abdeckt, werden die fehlenden Funktionen im Rahmen eines Software-Entwicklungsprojektes erstellt. Nach den Erkenntnissen des Vorprojektes sind das mindestens ca. 70% der Funktionalität von IGVP-FE.
Die Erstellung von IGVP-FE kann durch Konfiguration des Grundsystems, durch Modifikation über Werkzeuge des Grundsystems (z.B. Erweiterung der Bedienoberfläche) oder durch Erstellung von Individualsoftware unter Verwendung von Programmbibliotheken des Grundsystems erfolgen.
Die Verantwortung für die Entwicklung, Einführung und Betrieb von IGVP-FE liegt beim Auftraggeber. Der Auftraggeber baut auch eine Projektorganisation zur Realisierung von IGVP-FE auf. Vom Bieter wird eine Bereitstellung von Fachpersonal für die einzelnen Projektphasen und für verschiedene typische Rollen erwartet, das in diese Organisation integriert wird.
Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2013-05-03.
Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2013-03-20.
Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?
Wie?
Wo?
Geschichte der Beschaffung
Datum |
Dokument |
2013-03-20
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Auftragsbekanntmachung
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2014-08-01
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Bekanntmachung über vergebene Aufträge
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