GrEEn - Eduardschacht, Ingenieurleistungen

Energeticon gGmbH

Die ENERGETICON gGmbH, Konrad-Adenauer-Allee 7 in 52477 Alsdorf (im Folgenden ENERGETICON genannt), ist eine Gesellschaft zur Entwicklung und zum Betrieb eines Museums und Ausstellungszentrums zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Energie-Erzeugung und Verteilung. Gesellschafter des ENERGETICON sind mit 95 % Gebietskörperschaften. Davon entfallen auf den Landschaftsverband Rheinland 50 %.
Mitten in den Außenanlagen des ENERGETICON (www.energeticon.de) liegt ein Altschacht der ehemaligen Grube Anna II. Seine geothermischen Potenziale sollen zur Raumwärmeversorgung der 3 Gebäude des ENERGETICON genutzt werden.
Der Eduardschacht hat eine Gesamtteufe von 890 m bei einem Durchmesser von 5,4 bis 6,05 m. Die Deckgebirgsmächtigkeit beträgt 74 m. 1994 wurde der Schacht durch den Eschweiler Bergwerksverein mittels kohäsiver Teilverfüllung dauerstandfest gesichert. Dazu wurde im Niveau der 153 m-Sohle eine Stahlbühne eingezogen und der oberhalb gelegene Schachtabschnitt mit Beton verfüllt.
Durch die Füllsäule führen zwei Rohrleitungen mit NW 400 (Entgasungsleitung) bzw. mit NW 125 (Pegelleitung). Der Wasserstand im Schacht liegt aktuell bei 193 m unter Flur, bei einem täglichen Anstieg von etwa 2,5 cm. Die mittlere Temperatur der Wassersäule liegt bei 26,5 Grad Celsius.
Wesentliche Ziele sind die Entwicklung, Erprobung und Optimierung von umweltfreundlicher Erdwärme aus Grubenwasser an einem stillgelegten Bergbauschacht mit Hilfe eines Einfachsondensystems.
Mittels einer Monosonde soll der Wassersäule in einem Umfang Wärme entzogen werden, der nicht zu einer Abkühlung des Wärmespeichers führt. Über nachgeschaltete Wärmeversorgungsanlagen (Wärmetauscher und Wärmepumpe) soll die Wärme der zentralen Heizungsanlage zugeführt werden.
Es handelt sich um ein Pilotprojekt unter den besonderen Bedingungen eines stillgelegten Steinkohlereviers mit ansteigendem Grubenwasser und damit einhergehender Ausgasung. Neben den Betrachtungen zum Eduard-Schacht selbst müssen evtl. Auswirkungen der geplanten Erdwärmegewinnung auf den laufenden Grubenwasseranstieg im Aachener Steinkohlenrevier berücksichtigt werden.
Im Rahmen dieses Verhandlungsverfahrens werden Bewerber gesucht, die zum einen die Wärmegewinnung aus Grubenwasser über den Eduardschacht und zum anderen alle weiteren Prozesse der Wärmegewinnung und Verteilung in den Gebäuden planen, vorbereiten und während der Bauphase und eines Probebetriebs begleiten und dokumentieren. Die Umsetzung der Wärmeversorgung umfasst alle Leistungsphasen gemäß HOAI Teil 9 (Technische Anlagen).
In einer Vorbereitungsphase sollen verfügbare Unterlagen gesichtet, zusammengestellt und ausgewertet werden. Es sollen erste Abstimmungen mit Sondenherstellern und Herstellern von Wärmetauschern paralell erfolgen. Im Anschluss wird die Vorplanung von zwei bis drei Varianten erwartet incl. einer Wirtschaftlichkeits- und Risikobetrachtung.
Während der anschließenden Untersuchungs- und Planungsphase soll eine Bestandsaufnahme durch Messungen (Wasserstand, Temperatur, elektrische Leitfähigkeit, etc.) und deren Auswertung erfolgen. Ein Konzept zur Nutzung des Eduard-Schachtes ist auszuarbeiten.
In der Realisierungsphase sind die Erkundungsarbeiten (hydraulische und thermische Verhältnisse, Entgasungsleitungen, etc.) vorzunehmen sowie der Einbau der Sonde und die Anbindung des Wärmetauschers an den Schacht.
Über einen nachfolgenden Zeitraum von 13 Monaten erfolgt ein Probebetrieb. Weitere Kontrollmessungen und ggf. erforderliche Änderungen bzw. Anpassungen sind vorzunehmen.
Während des gesamten Zeitraumes sind alle Arbeiten mit dem Auftraggeber sowie den zuständigen Behörden abzustimmen und zu dokumentieren.
Der komplexe Sachverhalt des Projektes erfordert die Zusammenarbeit von Bewerbern unterschiedlicher Fachrichtung.
Es werden Kenntnisse der bergbaulichen und geologisch-hydrogeologischen Verhältnisse stillgelegter Steinkohlereviere gefordert. Ebenso sind Erfahrungen im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Betriebsplänen und bergrechtlichen Anforderungen notwendig.
Detailkenntnisse der Wärmegewinnung und Verteilung über alle Leistungsphasen der HOAI Teil 9 (Technische Anlagen) werden ebenfalls erwartet.
Weitere Veröffentlichungen zum Thema ENERGETICON finden sie hier:
— ROSNER, P., EßERS, M., HEITFELD, M. & HOFMANN, T. (2009): CAP und GrEEN - Nutzung von Erdwärme aus stillgelegten Bergwerken des Aachener Reviers im Rahmen der EuRegionale 2008.- Geothermiekongress 2009, 11 S., 7 Abb.; Bochum,
— ROSNER, P., EßERS, M., HEITFELD, M., RICHTER, H. & STRAUCH, P. (2010): Technische Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten zur Realisierung einer Erdwärmenutzung durch Kommunen in stillgelegten Bergwerken des Aachener Reviers.- 12. Aachener Altlasten- und Bergschadenkundliches Kolloquium, 14 S., 5 Abb.; Aachen,
— Schetelig, K. & Richter, H. (2013): Nutzung stillgelegter Bergwerke oder tiefliegender Grundwasservorkommen zur Wärme-/Kältegewinnung und -speicherung.- 13. Internationales Wasserbau-Symposium, S. 36 - 49, 7 Abb.; Aachen,
— Vortrag anlässlich des Geothermietages „NRW - Niederlande - Flandern“, Workshop Grubenwasser, am 14.11.2013 in Essen (unveröffentlicht).

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2014-04-07. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2014-03-07.

Wer?

Wie?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2014-03-07 Auftragsbekanntmachung