15-0045 Integrierte Planung und Umsetzung der öffentlichen Räume (Frei- & Verkehrsanlagenplanung, Regenwassermanagement, Ingenieurbauwerke) im Rahmen der Quartiersentwicklung Hellwinkel in Wolfsburg

Stadt Wolfsburg – Ausschreibungsstelle

Die Stadt Wolfsburg, vertreten durch den Geschäftsbereich Grundstücks- und Gebäudemanagement, beabsichtigt für die Quartiersentwicklung Hellwinkel die Leistungen zur integrierten Planung und Umsetzung der öffentlichen Räume über ein VOF-Verfahren zu vergeben:
LEISTUNGEN. Die zu erbringenden Leistungen umfassen die Projektplanung Verkehrsanlagen, Freianlagen
und Entwässerungsanlagen (Retentionsanlagen), ausgenommen sind die leitungsgebundenen Entwässerungsanlagen. Hier wird auf eine zukunftsweisende, interdisziplinär arbeitende, denkende und entwerfende Planung besonderer Wert gelegt. Insbesondere beinhaltet dies
- die Umsetzung eines in die Stadtraumgestaltung integrierten oberirdischen Regenwassermanagements,
- eine hohe Qualität der Freianlagen im öffentlichen Raum,
- die Beförderung von Biodiversität durch Maßnahmen im öffentlichen Raum und
- Maßnahmen zur vorausschauenden Anpassung des städtischen Lebens an sich ändernde (mikro-)klimatische Verhältnisse, sowie
- eine entsprechende interdisziplinäre Darstellung und Vermittlung der Projektarbeit gegenüber dem Auftraggeber und Bürgern.
RAHMENBEDINGUNGEN. Die Entwicklung des neuen innenstadtnahen Stadtquartiers Hellwinkel überdeckt
die Fläche von zwei Kleingartenvereinsanlagen, die in 2 Bauabschnitten zu Beginn 2016, bzw. zu
Beginn 2019 beräumt werden. Das Plangebiet stellt die letzte große Verfügungsfläche für Wohnungsbau
in zentraler Stadtlage dar und fügt sich sinnvoll in den vorhandenen Stadtteil Hellwinkel ein. Gut angebunden für alle Verkehrsarten, liegt es zudem nahe des Reislinger Markts und ist zugleich attraktiv eingebettet in das grüne Umfeld. Raumprägend ist die imposante Waldkante im Süden.
Zwischen dem Wald und der Reislinger Straße (einer der 3 wichtigen Stadteingangsstraßen aus Osten)
erstreckt sich in Ost-West-Ausdehnung das etwa 11 ha große Areal, das durch eine spürbare Hanglage geprägt ist. Die Topographie steigt etwa 6 m von Nord nach Süd an, so dass nach Norden der Blick über die Häuser Richtung Allerpark mit seinem großen Freizeitangebot schweifen kann.
STÄDTEBAULICHES KONZEPT
Im politisch abgestimmten städtebaulichen Quartierskonzept wird die Topografie des Areals zum zentralen Thema der städtebaulichen Struktur und der daraus resultierenden Reaktionen der Baustruktur (Baublöcke/ Gebäude) auf die vorhandene Hanglage gemacht. Kennzeichnendes Merkmal ist die Ausbildung von 4 Terrassenstreifen, die sich vom Wald zur Reislinger Straße hin abtreppen. Wesentliches Gliederungselement der mosaikartigen Baublockstruktur (mit einem Wechselspiel von 6 unterschiedlichen Gebäudetypologien) des Quartiers ist die grüne Fuge zwischen den beiden BA's, die in Form von Wiesenterrassen (Retention und Aufenthalt) eine vorhandene Nord-Süd-Wegeverbindung aufnehmen. Parallel zu den Terrassen zieht sich mittig zwischen Wald und Reislinger Straße linear die autofreie Quartierspromenade, die das „Wohnzimmer“ des Quartiers darstellt.
Im Rahmen dieser städtebaulichen Qualitäten und Setzungen ist besonders zu beachten:
- Aus der Terrassenbildung resultiert ein enges Wechselspiel zwischen der Nutzung und Gestaltung der Sockelgeschosse der einzelnen Baublöcke und der Gestaltung und Anordnung der öffentlichen Räume (Straßen, Wege, Plätze, grüne Freiräume).
- Dieses Aufeinander-Reagieren von gebauten Volumina und städtischen Freiräumen ergibt sich zudem aus der Entwicklung einer künstlichen Entwässerungstopographie, basierend auf der städtebaulichen Grundstruktur.
Zweck dieser Entwässerungstopographie ist es, einerseits den Versickerungsverhältnissen des Areals
und den vorgegebenen begrenzten Abflussmengen aus dem Gebiet heraus Rechnung zu trage. Andererseits
soll im Sinne einer Klimaanpassungsstrategie Überflutungsszenarien bei Extremwetterereignissen
weitestgehend vorgebeugt werden.
- Der Begleiteffekt, dass durch eine Integration regenrückhaltender Gestaltungselemente in die Struktur der öffentlichen Räume (straßenbegleitend, auf Plätzen) auch mikroklimatische Effekte und unterschiedliche Angebote zur Erhöhung und Sicherung der Biodiversität im Quartier umgesetzt werden, ist gewollt – ebenso, dass hierbei die Anlage einer unsichtbaren unterirdischen Kanalentwässerung mit einer sichtbaren überirdischen, das Regenwasser managenden Planung und Gestaltung der öffentlichen Straßen, Wege und Plätze kombiniert wird. Der sinnlich positiv im Alltag wahrnehmbare Umgang mit Regenwasser ist ein wichtiger Schritt, um Ansätze nachhaltiger Ressourcenbewirtschaftung auch langfristig im Bewusstsein von Stadtbewohnern zu verankern.
- Entscheidend für das spätere Erscheinungsbild des Quartiers und seine Imagebildung sind die öffentlichen Grünanteile (Wiesenterrassen, straßen- und wegebegleitende Baum-, Strauch- und Staudenpflanzungen, Mietergärten, etc.) sowie hochwertige Straßenausbauten mit einer hohen Gebrauchsfähigkeit, wertigen Materialien und Mobiliar und angenehmen Aufenthaltsqualitäten.
Insbesondere die autofreie Mittelachse wird sich dadurch für die zukünftigen Bewohner zu einem Herzstück ihrer Identifikation mit dem neuen Quartier entwickeln.
- Wesentliches Ziel ist, funktionale Effekte (sichere Regenwasserentsorgung, Sicherung der Mobilitätserfordernisse aller Verkehrsteilnehmer im Quartier, Sicherung der Artenvielfalt, mikroklimatische Positiveffekte erzeugen etc.) im städtischen Raum nicht nebeneinander, sondern ineinander verschränkt in eine einheitliche, harmonische Gestaltung und eine das Zusammenleben der Quartiersbewohner befördernde Atmosphäre der öffentlichen Räume zu übersetzen.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2015-05-08. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2015-04-07.

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Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2015-04-07 Auftragsbekanntmachung