Generalplanerleistungen im Zuge der HOAI-Leistungsphasen (Lph.) 5 bis 9 für das Eisenbahn-Infrastrukturvorhaben „Reaktivierung und Ausbau der Württembergischen Schwarzwaldbahn Weil der Stadt – Calw (Hermann-Hesse-Bahn)

Landratsamt Calw

Der Landkreis Calw möchte Angebote zur Generalplanung für das Projekt: „Reaktivierung und Ausbau der Württembergischen Schwarzwaldbahn Weil der Stadt – Calw“ einholen. Das Projekt firmiert zwischenzeitlich unter dem Namen „Hermann-Hesse-Bahn“.
Ausgeschriebene Leistung
Grundlagen
Um den Landkreis per Schiene besser an die Landeshauptstadt Stuttgart und an den Wirtschaftsraum Sindelfingen/Böblingen anzubinden, ist vom Landkreis eine Reaktivierung der Bahnstrecke Weil der Stadt – Calw geplant. Hierzu muss die Strecke in ihrem Bestand saniert und technisch modernisiert werden. Die Strecke ist eisenbahnrechtlich gewidmet und bis auf zwei Bahndammdurchbrüche, die im Zuge von Straßenbaumaßnahmen entstanden sind, baulich noch vorhanden. Der Landkreis Calw verfolgt mit der Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke das Ziel, die Attraktivität des östlichen Landkreises als Wirtschafts- und Wohnstandort sowie als Naherholungsziel zu steigern.
Die Umsetzung des zukünftigen Fahrplan- und Betriebsprogramms der „Hermann-Hesse-Bahn“ macht im Bereich Ostelsheim einen zweigleisigen Ausbau der Strecke zum Zwecke der Zugbegegnung erforderlich. Innerhalb des zweigleisigen Ausbauabschnitts liegt in Mittellage auch der Haltepunkt Ostelsheim. Zur Reduktion von Streckenlänge und Fahrzeit ist der Neubau eines Tunnels zwischen Weil der Stadt und Ostelsheim geplant. Des Weiteren ist wegen der Verknüpfung mit der Nagoldtalbahn der Neubau eines Haltepunkts (Calw ZOB) und zwecks Verbesserung der Erschließungswirkung die Verschiebung zweier Haltepunkte (Althengstett, Calw-Heumaden) vorgesehen. Außerdem ist zum Lückenschluss der erwähnten Bahndammdurchbrüche der Bau zweier Eisenbahnüberführungen notwendig, hiervon eine über die sogenannte „Südumfahrung“ in Weil der Stadt, die weitere über die B295 bei Calw-Heumaden.
Das geplante Verkehrsangebot der „Hermann-Hesse-Bahn“ erstreckt sich über den Streckenabschnitt Weil der Stadt – Calw hinaus bis zum Bahnhof Renningen, wobei zwischen Renningen und Weil der Stadt die bestehende Infrastruktur der Deutschen Bahn genutzt werden soll.
Der Bahnhof Renningen muss aus Kapazitätsgründen um ein Anschlussgleis und einen Bahnsteig erweitert werden. In der Diskussion ist außerdem, ob im Bahnhof Weil der Stadt der baulich noch vorhandene Hausbahnsteig am Gleis 141 modernisiert und wieder in Betrieb genommen werden soll. Eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus.
Für die zuvor genannten Infrastrukturen in den Bahnhöfen Renningen und Weil der Stadt möchte der Landkreis Eigentümer und verantwortliches Eisenbahninfrastrukturunternehmen werden.
Für das geplante SPNV-Angebot der Hermann-Hesse-Bahn ist der früher vorhandene Anschluss an die Nagoldtalbahn Pforzheim – Hochdorf (Strecke 4850) in Calw nicht erforderlich. Lediglich aus (bau-) logistischen Gründen kann die Verknüpfung der Hermann-Hesse-Bahn und der Nagoldtalbahn in Form einer Ausweichanschlussstelle (Awanst) notwendig sein. In diesem Fall wäre zwischen Calw ZOB und einer einzubauenden Anschlussweiche im Bereich des ehemaligen Bahnhofs Calw von der Einrichtung eines Baugleises auszugehen.
Der Landkreis plant, für die Realisierung der Hermann-Hesse-Bahn beim Land Baden-Württemberg Zuschüsse nach dem Landesgemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz (LGVFG) zu beantragen. Eine für die Zuschussgewährung zwingend erforderliche Standardisierte Bewertung konnte mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von 1,2 abgeschlossen werden. Die Höhe der in der Standardisierten Bewertung hinterlegten Gesamtbaukosten beträgt ca. 48 Mio. EUR (Preisstand 2015). Da nur bis Ende 2019 Finanzmittel im Rahmen des LGVFG zur Verfügung stehen, ist es zwingend erforderlich, sämtliche Maßnahmen bis 31.12.2019 mit dem Land als Zuschussgeber abzurechnen.
Zur Koordination der weiteren Planungen wurde die Firma ZWICKER Bauconsult als Projektsteuerer beauftragt. Die Auftragsvergabe erfolgte im März 2014.
Gegenstand der Ausschreibung
Ziel der Ausschreibung ist es, einen Generalplaner zu finden, der die bereits erstellten Planungen der HOAI-Leistungsphasen 1 bis 4 in den HOAI-Leistungsphasen 5 bis 7 sowie 9 fortführt. Die Lph. 8 ist ausgenommen, da sie durch den künftigen Betriebsführer übernommen wird. Der Generalplaner hat im Leistungsbild Tragwerksplanung des § 51 der HOAI 2013 davon abweichend die Leistungsphasen 4 bis 6 zu erbringen.
Der Generalplaner soll, sofern er die Leistungen nicht selbst erbringen kann, diese eigenständig bei Subunternehmern beauftragen und ihre sach- und termingerechte Abwicklung sicherstellen.
Der weitere Projektverlauf wird in zwei Projektphasen unterteilt:
Projektphase I beinhaltet die Erstellung der Ausführungsplanung, Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe der Bauleistungen, Lph 5 – 7 HOAI 2013, sowie die Erstellung der Lph 4 bis 6 im Leistungsbild Tragwerksplanung (Oktober 2015 – 2017).
Projektphase II beinhaltet die Dokumentation gemäß der Leistungsphase 9 HOAI 2013 (ca. Juni 2016 – Ende 2019).
Es ist eine phasenweise Beauftragung der Generalplanerleistungen vorgesehen. Mit den Leistungen der Projektphase I ist unmittelbar nach Zuschlagserteilung zu beginnen. Die Beauftragung der Leistungen der Projektphase II erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt nach Vorliegen eines erneuten Beschlusses der zuständigen politischen Gremien des Landkreises Calw.
Die genannten Zeiträume sind Zielvorstellungen auf Basis des heutigen Verfahrens- und Projektstandes.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2015-06-19. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2015-05-13.

Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?

Wie?

Wo?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2015-05-13 Auftragsbekanntmachung
2016-02-17 Bekanntmachung über vergebene Aufträge
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