Schaugewächshaus mit Orangerie im Botanischen Garten (Flora), Erbringung von Leistungen der Tragwerksplanung

Stadt Köln – Zentrales Vergabeamt

Auftrag: Leistungen der Tragwerksplanung gemäß §§ 49 ff HOAI 2013, für den Ersatzneubau des Schaugewächshauses mit Orangerie, im Botanischen Garten (Flora) Köln-Riehl, Amsterdamer Straße.
Maßnahme/Entwurfskonzept:
Das neue Schaugewächshaus soll an gleicher Stelle um den als Ensemble denkmalgeschützten Tropischen Hof der Flora erstellt werden. Die Anordnung der drei Flügel und die Grundflächen bleiben daher nahezu unverändert, jedoch mit einer neuen proportionalen Höhenentwicklung. Die Fläche der bisherigen, rückwärtig gelegenen Garagen am Betriebshof wird für notwendige Technikräume überbaut.
Der neue Besuchereingang der Schaugewächshäuser ist im nördlichen Flügel angeordnet. Ein Vordach markiert den Eingang in das gläserne Foyer, es enthält eine Informationstheke und bietet ausreichend Raum als Sammelpunkt für Gruppenführungen, sowie Schautafeln/Schaufächer-Service. Der Besucher wird über eine barrierefreie Wegeführung durch die Schaugewächshäuser geführt.
Die neuen Schaugewächshäuser werden zukünftig auf rund 2 000 Quadratmeter eine faszinierende Pflanzenwelt präsentieren können, ohne dabei die bestehenden Gartenanlagen zu beeinträchtigen oder gar zu reduzieren.
Die drei Teile des Glashauses entsprechen den drei Schaubereichen: Nutzpflanzenhaus, Tropenhaus und Wüstenhaus. Unter dem als Hügel angelegten Tropenbereich werden Betriebsräume, die vom Betriebshof aus zugänglich sind eingeschoben.
Orangerie: Mit einem Verbindungsbau, einer „Orangerie“ anstelle des bisherigen bruchstückhaften offenen Wandelganges zwischen großem Tropenhaus und dem Subtropenhaus soll das Subtropenhaus mit seiner wertvollen Kamelienausstellung an den Rundgang angebunden werden. Im Verlauf der Orangerie werden zusätzlich zur geschützten attraktiven Verbindung circa 500 Quadratmeter Ausstellungs- und Überwinterungsflächen für Topfpflanzen geschaffen.
Gebäudegestaltung/Gebäudehülle:
Die gewählte und nachfolgend beschriebene Konstruktionsart soll eine optimierte Umsetzung von möglichst geringem Materialeinsatz und maximalem Sonnenlichtgewinn garantieren.
Die gewählte Geometrie folgt der Stützlinie in parabelförmigen Bögen. Dadurch kann der Stahleinsatz in der Primärkonstruktion minimiert werden – bei absoluter Stützenfreiheit im Innenraum- mit einer Spannweite von bis zu 21 Metern. Die geringen Stahlquerschnitte bei einer Scheitelhöhe von bis zu 16,70 Metern minimieren gleichzeitig den Schattenwurf auf die Tropenpflanzen.
Eine Isolierverglasung mit Verbundsicherheitsglas aus speziellem Weißglas und einer integrierten UV-transparenten Folie, erweist sich als die optimale Ausführungsform, welche in anderen Schaugewächshäusern bereits erfolgreich zum Einsatz gekommen ist. Das außen liegende Glas bietet die optimale Widerstandfähigkeit gegen äußere Witterungseinflüsse, während die innen liegenden Verbundglasscheiben die Sicherheitsanforderungen für Publikumsverkehr einhalten. Gleichzeitig kann mit dieser Isolierglas-Konstruktion eine erhebliche Energieeinsparung im Vergleich zur bisherigen Hülle erzielt werden. Die Krümmung der Hüllfläche führt dazu, dass zu jeder Tageszeit der Sonneneinstrahlwinkel zur Hüllfläche senkrecht erfolgen kann. Dadurch lassen sich die passiven solaren Energiegewinne optimieren.
Objektbeschreibung Tragwerk:
Die annähernd parabolisch gekrümmten Dachflächen gliedern sich in Gebäudehülle und Haupttragwerk als Stahlkonstruktion mit Glasfassade. Sie sind an den Stirnseiten sowie im Übergangsbereich zwischen den Gebäudetrakten gewalmt. Die Bogenkonstruktionen weisen eine Scheitelhöhe von 16,70 Meter im Haupthaus beziehungsweise circa 9,30 Meter in den Seitenflügeln auf. Sie überspannen die komplette Grundfläche ohne zusätzliche Zwischenstützen.
Die Grundrissabmessungen des Hauptgebäudes, welches das große Tropenhaus beherbergt, betragen circa 54,00 Meter x 21,00 Meter, die der Flügelgebäude (Nutzpflanzen und Wüstenhaus) 39,00 Meter x 12,00 Meter.
Die Gebäudehülle des nördlichen Seitenflügels wird auf halber Höhe von einer punktgestützten Stahlbetonrampe durchbrochen, die das Gebäude hier in zwei Geschosse teilt. Unterhalb dieser Rampe erfolgt ebenerdig die Erschließung des Gebäudes, oberhalb ist eine Terrasse vorgesehen. Die Stahlbetonrampe ist gleichzeitig Auflagerpunkt für eine Fußgängerbrückenkonstruktion, den sogenannten Baumwipfelweg, der das restliche Gebäude erschließt und somit einen Rundgang oberhalb der geplanten Ausstellungsflächen ermöglicht.
An der Westseite des Hauptflügels befindet sich ein eingeschossiger Trakt in Stahlbetonbauweise, der Betriebs- und Haustechnikräume beherbergt. Der Techniktrakt wird von außen erschlossen, innerhalb des Gebäudes ist er mit Erde der Ausstellungsflächen überschüttet.
Kellergeschosse sind nicht vorgesehen.
Das Haupttragwerk wird als Stahlkonstruktion errichtet. Der Bereich der Haustechnik sowie die Anrampung im Nordflügel werden in Stahlbetonbauweise erstellt.
Die genannten Bogenkonstruktionen, welche den gesamten Grundriss überspannen, sollen als Zweigelenkbogen ausgeführt werden. Sie sind im Achsabstand von 3 Metern angeordnet und sollen in Querrichtung von gelenkig angeschlossenen Riegeln im Abstand von circa 3 Metern gehalten werden. Die Aussteifung erfolgt über Windverbände.
Zwischen den geplanten Schaugewächshäusern und dem bestehenden Subtropenhaus erstreckt sich, über eine Länge von circa 100 Metern, die Orangerie, welche als Verbindung beider Häuser dient.
Wie bei den übrigen Gewächshäusern soll eine Stahl-Glas-Konstruktion zum Einsatz kommen, bei der Stahlrahmen im Abstand von circa 3,50 Meter über Querriegel miteinander verbunden sind. Der typische Rahmen hat eine Traufhöhe von circa 4,80 Meter, die zu einer rückwärtigen Wand (Westseite) abfällt.
Die Rückwand der Orangerie zum Betriebshof soll bis circa 2,0 Meter Höhe als gedämmtes Betonsandwichelement, die übrigen Glasdach-und Glaswandflächen in Pfosten-Riegel-Konstruktion auf Stahlrahmen wie vor beschrieben erstellt werden.
Gründung:
Schaugewächshaus: Primärtragwerk auf Einzelfundamenten, Betriebsräume: Tragende Bodenplatte, Stahlbetonwände werden auf Streifenfundamente gegründet, tragfähige Bodenschicht circa 1,50 Meter unter Gelände.
Tragende Außenwände:
Schaugewächshaus: Die gewählte Geometrie folgt der Stützlinie in parabelförmigen Bögen. Dadurch kann der Stahleinsatz in der Primärkonstruktion minimiert werden – bei absoluter Stützenfreiheit im Innenraum. Untere Spannweite bis zu 21 Meter. Scheitelhöhe bis zu 16,70 Meter.
Betriebshof: Wände als gedämmtes Betonsandwichelement.
Fassade Schaugewächshaus: Siehe Gebäudehülle.
Außenfenster: Siehe Fassade/Gebäudehülle, Sonnenschutz Orangerie: Sonnenschutz- und Energieschirm als Gegenzuganlage.
Dächer: Siehe Fassade Schaugewächshaus/Gebäudehülle. Decken: Stahlbetondecken auf den Betriebsräumen.
Tragende Innenwände: Betriebsräume, Nutzpflanzenhügel: Stahlbeton Schaugewächshaus, Orangerie: Verglaste Pfosten- Riegel Konstruktion (Gewächshausprofilsystem).
Innenstützen: Stahlbetonstützen /Stahlstützen. Treppen/Rampen: Innenstege aus verzinktem Stahl,
Für das Bauvorhaben wurden Kosten für die Kostengruppe 300 (Bauwerk-Baukonstruktionen) nach DIN 276-1 in Höhe von circa 5 544 500 EUR (netto) (Anteil Schaugewächshaus 4 210 500 EUR (netto), Orangerie 1 334 000 EUR (netto), ermittelt. Die Kosten der Kostengruppe 400 (Bauwerk-Technische Anlagen) betragen circa 1 711 600 EUR (netto), davon beträgt der Anteil für das Schaugewächshaus 1 386 850 EUR (netto), und 324 750 EUR (netto) für die Orangerie.
Die BGF für das Schaugewächshaus beträgt circa 2 540 Quadratmeter mit einem BRI von 19 409 Kubikmeter. Für die Orangerie beträgt die BGF circa 717 Quadratmeter mit einem BRI von 3 053 Kubikmeter.
Auftragsgegenstand und Verfahren:
Gegenstand dieses Verhandlungsverfahrens sind die Leistungen der Leistungsphase 3 bis 6 nach § 51 HOAI 2013
(Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung, Vorbereitung der Vergabe), sowie Objektüberwachung in tragwerksplanerischer Hinsicht gemäß Anlage 14.1 HOAI 2013 (Leistungsphase 8) für den Neubau des Schaugewächshauses und der Orangerie.
Weitere Besondere Leistungen sind der Konstruktive Brandschutz und der Nachweis der Erdbebensicherheit für Köln, sowie Nachweis von Bauzuständen.
Die Vergütung der Leistungen erfolgt nach § 50 Absatz 1.
Der Honorarvertragsentwurf wird vor der Verhandlung den jeweiligen ausgewählten Bietern zur Verfügung gestellt.
Vertragslaufzeit: circa 45 Monate.
Beginn: sofort nach Vertragsabschluss.
Abschluss/Termin für die Inbetriebnahme voraussichtlich Ende 2019.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2016-01-12. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2015-12-04.

Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?

Wie?

Wo?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2015-12-04 Auftragsbekanntmachung
2017-04-18 Bekanntmachung über vergebene Aufträge