Objektplanungen „Gebäude“ und „Innenraum“ für die Sanierung und den Umbau der Nikolaikirche in Anklam, einschließlich der Wiederherstellung der Turmhaube, zur Integration des Otto-Lilienthal-Museums inkl. der Errichtung eines Ergänzungsbaus zur Unterbringung von Funktionsräumen (HOAI § 34 II,III,IV i.V.m. Anlage 10 Nummer 10.1 (Leistungsphasen 1-9)
(1. Anklam, Einführung)
Geschichte und Gegenwart der Hansestadt Anklam sind durch ihre Lage in räumlicher Nähe zur Ostsee maßgeblich geprägt. Am Ufer der Peene auf einer leichten Anhöhe gelegen, bietet die Stadt ideale Verkehrs-Verbindungen vom Hinterland in den gesamten Ostseeraum. Von dem daraus resultierenden Wohlstand als Mitglied des mittelalterlichen Hanse-Verbundes legen noch heute der Stadtgrundriss und einige die Zeiten überdauernde historische Gebäude Zeugnis ab.
Nach der politischen Wende 1989 setzten intensive Vorhaben mit dem Ziel ein, die Identität der gewachsenen Stadt wieder zu stärken. Das hier beschrieben Vorhaben ist als ein wesentlicher Baustein der Stadtreparatur im Zentrum der Stadt zu verstehen.
Neben dem Peenefluss, der Stadtbefestigung mit ihren Toren, dem Markplatz und der Marienkirche spielte die Nikolaikirche (Bauzeit 1280 bis etwa 1498) durch ihre Funktion als Marktkirche eine zentrale Rolle in der Konstitution der bürgerlich/ständisch verfassten Hansestadt Anklam. Sie diente als bauliches Zeichen der Orientierung ihrer Bürger, war geistig/religiöses Zentrum, Versammlungsort, Bühne der Bürger und Stände, und Seezeichen gleichermaßen.
Durch ihre Zerstörung in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges (29. April 1945) ging diese Rolle – scheinbar unwiederbringlich – verloren. Nur Teile der Sakristei, der Turmschaft, die Pfeiler des Kirchenschiffes, sowie die Außenmauern dieses hervorragenden baulichen Zeugnisses der Norddeutschen Backsteingotik überdauerten als Ruine bis in die 1990iger Jahre.
(2.Grundstück)
Das Grundstück umfasst eine Fläche zwischen den Straßen Peenstraße, Brüderstraße, Nikolaikirchstraße und (der heute durch die Neubebauung unterbrochenen) Wollweberstraße. Das Gelände befindet sich topografisch auf einem der höchsten Punkte im Stadtgebiet und fällt Richtung Osten und Norden ab.
Die Nikolaikirche ist Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde Anklam in der pommerschen Evangelischen Kirche. Im Oktober 2004 wurde sie als Kirche entwidmet und in Erbpacht an die Hansestadt Anklam übergeben.
Das Bestandgebäude wird als Einzeldenkmal unter der Bezeichnung ‚Kirche St. Nikolai Anklam’ in der Liste der Baudenkmale des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Stadt Anklam unter der Pos.-Nr. 290 geführt. Die bisher durchgeführten Sanierungsarbeiten sowie alle noch ausstehenden Arbeiten am Bestand und für die notwendigen baulichen Ergänzungen sind in enger Abstimmung mit den in einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahre 2006 formulierten denkmalpflegerischen Zielen und Bedingungen durchzuführen. Dem Wiederaufbau des Turmhelmes, welcher einstmals das historische Stadtbild Anklams entscheidend prägte, wird aus der Sicht des Denkmalschutzes als sehr wichtiges Anliegen gewertet. Aus denkmalpflegerischer Sicht kann das Spektrum der Formensprache bei einem Wiederaufbau im historischen Bestand von der Rekonstruktion im historischen Erscheinungsbild bis hin zu einer modernen Architekturinterpretation gehen (Stellungnahme des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, März 2010).
Die noch ausstehenden Sanierungsarbeiten und die für die Integration der Museums- und Veranstaltungsnutzung baulichen Ergänzungen sind auf die formulierte denkmalpflegerische Zielstellung abzustimmen. Alle neuen Bauteile sind in den Bestand harmonisch einfügen, und sollen gleichzeitig vom Originalbestand deutlich unterscheidbar sein.
(3. Planungsgegenstand und Ziel des Vorhabens)
Die zu vergebende Leistung umfasst: Objektplanungen "Gebäude" und "Innenraum" für die Sanierung und den Umbau der Nikolaikirche in Anklam zur baulichen Integration des Otto-Lilienthal-Museums, inkl. Wiederaufrichtung der Turmhaube und der Errichtung eines Ergänzungsbaus zur Unterbringung von Funktionsräumen.
Ziel des Vorhabens ist es, parallel zur Wiederherstellung der städtebaulichen Fassung des zentralen Markplatzes, das Kirchengebäude einer dauerhaften Nutzung als Otto-Lilienthal-Museum zuzuführen und den Turmhelm in seiner ursprünglichen Höhe von ca. 103 m in Anlehnung an seine bauzeitliche Form wieder aufzurichten. Neben den erforderlichen Umbauten und Ergänzungen im Inneren des Kirchschiffes und des Turmes ist beabsichtigt, einen Ergänzungsbau – Anbau oder freistehend – für die Unterbringung der Funktionsräume des Museums zu errichten. Im Rahmen der Platzierung dieses Baus auf dem ausgewiesenen Baufeld sowie zur Gestaltung der Eingangszone der Kirche sind grundsätzliche städtebauliche Überlegungen zum Verhältnis der Kirche zu den sie umgebenden Stadträumen anzustellen.
Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Die Wiedererrichtung der Turmhaube ist von zentraler Bedeutung für die Wiederherstellung der Stadt-Silhouette und soll in Anlehnung an den bauzeitlichen, zerstörten Bestand erfolgen. Der Turmschafft inkl. der neu zu errichtenden Turmhaube sollen als bedeutender Teil der Museumserfahrung erlebbar gemacht werden.
Die Aufgabenstellung beinhaltet die Entwicklung von funktional sinnvollen und gestalterisch anspruchsvollen Museumsräumen in Turm, Kirchenschiff und Neubau mit dem Ziel, die Teile ‚Personalmuseum Otto-Lilienthal’ und ‚bauliches Zeugnis der Norddeutschen Backsteingotik’ zu einem neuen Ganzen zusammenzuführen. Anforderungen des Brandschutzes und der Tragwerksplanung, zum Raumklima, zur Raum-Akustik und zur Integration eines Versammlungsbereiches sind zu berücksichtigen. Insgesamt beträgt der Flächenbedarf des Museums ca. NF 2.170 qm in Kirchenschiff und Turm, und ca. NF 450 qm für die Service- und Funktionsräume im Ergänzungsbau. Die Architektenleistungen für die noch ausstehenden Sanierungsarbeiten am baulichen Bestand sind Teil dieses Verfahrens.
Zeitlich parallel wird die Gestaltung der Ausstellung in Kirchenschiff und Galerien und der wieder zu errichtenden Turmhaube entwickelt. Im Anschluss ist in enger Abstimmung zwischen Architekt, Ausstellungsgestalter und dem Autor der Ausstellung (dem Museum als Nutzer) die Gestaltung des Museums in die Nikolaikirche weiter zu entwickeln. Für die Überlegungen innerhalb des VOF-Verhandlungsverfahrens zur Architektur bedeutet dies, dass die zu erarbeitenden Lösungsvorschläge grundsätzlicher Natur sein müssen und die Grundhaltung unabhängig von der späteren Erarbeitung der Ausstellungsszenografie entwickelt werden muss.
(4. Raumprogramm)
Das Raumprogramm beinhaltet alle für einen ordentlichen Museumsbetrieb erforderlichen Nutzflächen. Nicht integriert werden größere Depotflächen, an diesem Standort sind lediglich kleinere Flächen für die Ausstellungsvorbereitung vorgesehen. Eine Besonderheit bildet die vorgesehene Veranstaltungsfläche im Kirchenschiff für etwa 350 Besucher, die mit den nötigen Nebenräumen und Erschließungsflächen zu berücksichtigen ist. Dieser Bereich ist in den Museumsrundgang so zu integrieren dass er ohne größere Umbauten, und auch parallel zum Museumsbetrieb, genutzt werden kann.
Der Bereich für den Besucherservice ist auch als Standort der Stadtinformation vorgesehen, der Zugang ist öffentlich und vom Markt aus leicht erreichbar zu gestalten. Die Toilettenanlagen sind so auszulegen, dass auch größere Bustouren ohne lange Wartezeiten diese benutzen können.
Eine kleine Cafeteria und ein Museumsshop sind in den Servicebereich zu integrieren, um diese mit mögl. geringem Personaleinsatz betreiben zu können.
(5. Kosten)
Die Kosten für den Umbau, Sanierung einschließlich Wiederaufrichtung der Turmhaube und Errichtung eines Ergänzungsbaus sind mit rund 16.000.000,00 EUR inkl. 19 % MwSt veranschlagt (Kostengruppen 300 und 400 DIN 276).
(Auftragsgegenstand)
Gegenstand dieses Auftrages ist zum Einen die Objektplanung "Gebäude" nach § 34 III,IV i.V.m. Anlage 10 Nr. 10.1 HOAI und zum Anderen die Objektplanung "Innenraum" nach § 34 III,IV i.V.m. Anlage 10 Nr. 10.1 HOAI.
Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2016-05-17.
Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2016-04-15.
Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?
Wie?
Geschichte der Beschaffung
Datum |
Dokument |
2016-04-15
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Auftragsbekanntmachung
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2016-05-06
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Ergänzende Angaben
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2016-10-20
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Bekanntmachung über vergebene Aufträge
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