Raumzelle zur Bereitstellung einer universellen Infrastruktur für chemische Prozesse

Fraunhofer Gesellschaft e. V.

Das Fraunhofer ICT-IMM in Mainz forscht und entwickelt in den Geschäftsfeldern Energie und Umwelt, Chemie, Verfahrenstechnik, Luft- und Raumfahrt, Biomedizinische Analytik und Diagnostik, Sicherheit sowie Industrielle Analytik. Dabei schlagen wir die Brücke von der Grundlagenforschung zur Anwendung. Unsere Expertise reicht von der Konzeption und Auslegung von Prozessen, über Materialentwicklung, -charakteri¬sierung und -verarbeitung, bis hin zu Konzeption, Aufbau und Betrieb von Pilotanlagen.
Das Fraunhofer ICT-IMM in Mainz schreibt ein Stück einer komplexen Raumzelle in Großcontainerlänge (Länge einer ISO-Container Forty-foot Equivalent Unit) in einer speziellen konstruktiven Ausgestaltung zur Bereitstellung einer universellen mechanisch-funktionalen Infrastruktur für die spätere Aufnahme kompakter chemischer Anlagen zur Durchführung chemischer Prozesse in der Raumzelle aus. Die Raumzelle gemäß dieser Ausschreibung dient dazu, kompakte chemische Anlagen für die Herstellung von Chemikalien von einigen Kilogramm bis zu mehreren hundert Tonnen Produkt im Jahr aufzunehmen. Kompakt bezieht sich vor allem auf die Anlagengröße. Gegenstand dieser Ausschreibung ist der gesamte mechanisch-funktionale Grundaufbau der Raumzelle. Der Ausbau der Raumzelle mit einer kompakten chemischen Anlage ist nicht Gegenstand dieser Ausschreibung.
Herausforderung beim Erstellen der Raumzelle sind insbesondere die besonderen statischen und dynamischen Festigkeitsanforderungen sowie Sicherheitsanforderungen, die aus dem vorgesehenen Betrieb der Raumzelle in einem potenziell explosionsgefährdeten Umfeld sowie von potenziell explosionsgefährlichen Prozessen innerhalb der Raumzelle und der Einhaltung anzuwendender Schutzvorschriften aus dem Betrieb von Chemieanlagen in der Raumzelle ergeben. Insbesondere an die Ausführungsqualität, u.a. hinsichtlich der Schweißtechnik, bestehen hohe Anforderungen.
Die Raumzelle muss aufgrund ihrer Konstruktion und Ausführung für eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren ab Fertigstellung unter den geforderten Betriebsbedingungen geeignet sein. Die Außenabmessungen (L x B x H) der Raumzelle betragen ca. 12,192m x 3,000 m x 3,160 m. Das Leergewicht beträgt bis zu 21.000 kg, das Transportgewicht bis zu 32.000 kg. 2 Stück der Raumzelle sollen übereinander gestapelt betrieben werden können. Zusätzlich ist als dritter Aufbau ein Container-Modul zu Klimatisierung auf dem Dach anzunehmen mit einer Dachbelastung von bis zu 10.000 kg. Der beabsichtigte Aufstellort und damit der Außenbereich der Raumzelle wird als Ex-Zone eingestuft. Durch die vorgesehenen Einbauten ist auch der Innenbereich der Raumzelle überwiegend als Ex-Zone einzustufen. Boden, Seitenwände, Dach und die Zwischenwände der Raumzelle sind in einer mehrschichtigen Bauweise auszuführen. Alle tragenden Teile der Raumzelle sind aus Stahl zu fertigen. Die Außenhaut der Raumzelle ist in Stahlkassettenbauweise auszuführen. Die Außenhaut muss glatt sein. Die gesamte Raumzelle ist umlaufend komplett gasdicht zu verschweißen, so dass dadurch ein Eindringen einer Ex-Atmosphäre in die Wände der Raumzelle oder in den Innenraum der Raumzelle verhindert wird. Die Anwendung von Karosseriedichtmassen anstelle einer komplett verschweißten Außenhaut ist nicht zulässig. Bestandteil der Leistung sind Zu- und Abluftkanäle zur Kühlung, Heizung und Belüftung der Raumzelle. Die Raumzelle muss unter folgenden Umgebungsbedingungen gelagert, transportiert, umge¬schlagen und betrieben werden können: Einsatztemperaturen: –20 °C bis +45 °C; Lagertemperaturen: –30 °C bis +55 °C; Relative Luftfeuchte: bis 100 % im Temperaturbereich bis +35 °C bzw. bis 30 % im Temperaturbereich zwischen +35 °C und +45 °C; Starker Sturm und Orkan mit Windstärke 16 und Windgeschwindigkeiten bis 200 km/h; Schneelastzone 3 bei einer Geländehöhe von 1.000 m über N.N.
Erdbeben mit einer max. horizontalen seismischen Beschleunigung von 0,4 g und einem max. vertikalen Belastungsfaktor von 0,1. Materialanforderungen sind mindestens Baustoffklasse B1 nach DIN 4102-1; beim Brand/Schwelbrand dürfen keine toxischen Dämpfe/Gase entstehen; wiederverwendbare Materialien sind zu bevorzugen; keine Verwendungsverbotsstoffe (z.Bsp. FCKW, Halon- und PCB-haltige Stoffe). Auf dem Dach der Raumzelle ist im Außenbereich der Dachrinne eine demontierbare Sprinklerleitung aus Edelstahl zu installieren. Die Leitung ist als Trockenleitung vorzusehen. Das Verlegen von Leitungen und Kabeln gehört nicht zum Leistungsumfang; der Einbau von Leergehäusen gehört zum Leistungsumfang; die gesamte elektrotechnische Ausrüstung bzw. Vorrüstung der Raumzelle ist in ex-geschützter Bauweise auszuführen.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2016-05-17. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2016-04-15.

Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?

Wie?

Wo?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2016-04-15 Auftragsbekanntmachung
2016-08-29 Bekanntmachung über vergebene Aufträge