Beschreibung der Beschaffung
Die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung entwickelt in Berlin ein Dokumentationszentrum zum Thema Flucht und Vertreibung weltweit. Dazu zählt die Geschichte von Millionen Deutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs. Heimatverlust ist eine universelle Erfahrung, auch heute sind unzählige Menschen davon betroffen. In diesem Kontext bietet die Stiftung künftig mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Recherchemöglichkeiten ein Forum für historisches Lernen.
Die Dauerausstellung im künftigen Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung wird auf einer Fläche von 1 500 Quadratmetern im ersten und zweiten Obergeschoss zu sehen sein. Sie erklärt Ursachen, Verlauf und Folgen von ethnisch und religiös motivierten Zwangsmigrationen des 20. und 21. Jahrhunderts in Europa und darüber hinaus. Flucht, Vertreibung und Ankunftserfahrungen der Deutschen im und nach dem Zweiten Weltkrieg bilden dabei den Schwerpunkt der musealen Erzählung.
Eine abwechslungsreiche Präsentation aussagekräftiger Originalexponate, Schlüsseldokumente und Fotografien sowie eine zeitgemäße Gestaltung machen das Schicksal von Millionen Menschen für ein breites Publikum anschaulich Besucher aus dem In- und Ausland, Schulklassen, Bildungsreisende sowie Vertriebene und ihre Nachfahren sind gleichermaßen angesprochen. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, die Ausstellung selbstgeleitet oder in geführten Rundgängen zu erleben.
Die Ausstellungsgestaltung erfolgt durch das Atelier Brückner aus Stuttgart. In enger Zusammenarbeit mit den Kuratorinnen und Kuratoren entwickelte das Atelier Brückner eine narrative Architektur für die Dauerausstellung.
Dem ersten Obergeschoss sind mehrere Nutzungen zugeschrieben: Neben der Dauerausstellung (Ausstellungsteil 1) befinden sich hier auch die Bereiche für Bildung und Vermittlung sowie im Wandelgang eine Sitzlandschaft mit Recherchestationen als Schnittstelle der Ausstellung zum Dokumentationszentrum.
Der Ausstellungsteil 1 erstreckt sich über die Fläche zwischen der großen Freitreppe und dem nordöstlichen Panoramafenster. Dabei werden die 6 Themen-komplexe jeweils als Themeninseln frei stehend im Raum präsentiert, so dass sich für die Besucher ein freier Rundgang ergibt.
Die Themeninseln folgen einem einheitlichen Gestaltungsprinzip: Ein Rahmenelement zeichnet die Außenmaße der jeweiligen Themeninsel ab und markiert die einzelnen Kapitel innerhalb der Themeninseln. Dabei bilden i. d. R eine Exponatinstallation (Leitexponate) sowie der Einführungstext mit Erklärfilm den Auftakt zu einer Themeninsel. Die Kapitel und Unterkapitel fügen sich mit Vitrinen, Wandelementen, Infotafeln oder anderen Elementen in diese Struktur ein und bilden so für jede Themeninsel eine eigene, aussagekräftige Exponatpräsentation. Die Platzierung der Themeninseln im Raum erlaubt es auch Beziehungen zwischen Themen herzustellen.
Die Flächen für „Bildung und Vermittlung“ sind in zwei Bereiche unterteilt:
1. das so genannte „Forum“ zwischen Wendeltreppe und Treppenhaus 1 bildet eine Kontaktzone für Gruppen und Individualbesucher zum thematischen Austausch.
2. der Bereich „Partizipation“ erlaubt es den Besuchern, sich mit den Inhalten der Ausstellung auseinander zu setzen und Meinungen abzugeben.
Im zweiten Obergeschoss bilden „Katalysatoren“ und „Effekte“ das raumbildende Prinzip. Die Ausstellungsteile 2 und 3 folgen einem klar strukturierten chronologischen Rundgang, der an der Wendeltreppe beginnt und auch dort wieder endet. Der Besucher erfährt in 3 aufeinander folgenden Bedeutungsräumen, welche Voraussetzungen und Ausgangslagen als Katalysatoren wirkten und welche Effekte in den jeweiligen Kontexten hieraus resultierten.
Die 3 „Katalysatoren“ sind als begehbare Räume konzipiert und machen sich im Ausstellungsraum über ihre Kubatur bemerkbar. Die Bauform der Katalysatoren ist grundsätzlich ähnlich. Die Kapitel der „Effekte“ werden auf Vitrinentischen thematisiert. Diese ordnen sich frei um die Katalysatoren des jeweiligen Bedeutungsraumes herum an. Einzelne Unterkapitel werden dabei unterschiedlich inszeniert. Originalexponate werden in Vitrinen, die in die Tische integriert sind, präsentiert. Spezielle Inszenierungen, Medienstationen, grafische Elemente, Schubfächer etc. vermitteln die Inhalte auf abwechslungsreiche Art.
Um die 3 Bedeutungsräume im zweiten Obergeschoss jeweils gestalterisch zu fassen werden die Raumwände bespielt. Dazu ist eine Mischung aus grafischen Elementen, die auf die Wände aufgebracht sind, und einer stellenweise ergänzenden medialen, dynamischen Bespielung geplant. Diese Bespielung (Klammer) wird mit einzelnen Themen aus den jeweiligen Bedeutungsräumen verknüpft und stellt so bestimmte Inhalte auch im Raum dar.