Beschreibung der Beschaffung
Die Auftraggeberin ist Eigentümerin des historischen Gebäudekomplexes Wiesendamm 30 mit einer Grundstücksgröße von rund 7 400 m. Das Projekt liegt im Stadtteil Barmbek-Nord in etwa 6 km Entfernung von der Hamburger Innenstadt. Im Norden bildet die parallel zum Wiesendamm verlaufende Hochbahntrasse eine ebenso klare räumliche Begrenzung wie der Barmbeker Stichkanal im Westen. Südlich an den Wiesendamm grenzt eine vier- bis fünfgeschossige Wohnbebauung an. Nach Osten finden die historische Gewerbehallenstruktur sowie der straßenbegleitende Verwaltungstrakt Fortsetzung zum Areal. Der Bereich des Bahn-hofs Barmbek wird aktuell als Einzelhandels- und Wohnstandort gestärkt, wobei in diesem Zuge auch kulturelle Einrichtungen und Angebote ausgebaut werden sollen. Die Sprinkenhof GmbH realisiert aktuell auf dem Nachbargrundstück eine neue Spielstätte Hamburger Theater.
Vor dem Hintergrund der langjährigen schwierigen Vermarktung des Objektes mit langanhaltendem Leerstand ist eine neue Nutzungsperspektive erforderlich geworden. Der Gebäudezustand und die zu erwartenden Kontaminationen auf Grund der Nutzung einer ehemaligen Maschinenproduktion führen dazu, dass die Bestandsgebäude abgerissen werden und der Standort durch die besondere Lagequalität mit attraktiven Außenräumen am Kanal aufgewertet und verbessert werden.
Daher wurde eine städtebauliche Massenstudie als Mehrfachbeauftragung im Jahr 2019 ausgelobt. Als Siegesentwurf wurde der Beitrag des Büros Störmer Murphy and Partners GbR beschlossen. Es ist beabsichtigt, einen Bürokomplex mit ergänzenden gastronomischen oder öffentlichkeitswirksamen Nutzungen zu errichten. Alle beigefügten Pläne und Unterlagen sind Ergebnis der Massenstudie und Grundlage für die weiteren Planungsleistungen.
Mit dem städtebaulichen Entwurf werden die besonderen Lagequalitäten des Grundstücks aufgegriffen und durch eine zweiteilige Bebauungslösung mit einem zum Wasser großzügig geöffneten Quartiersplatz entstehen. Auf der östlichen Grundstücksseite wird die bestehende Hallenstruktur durch eine dreiseitig umgreifende 3- bis 4-geschossige Randbebauung in Weiterführung der Blockrandtypologie am Wiesendamm gefasst und zum Abschluss gebracht. Westlich davon markiert ein freistehendes 12-geschossiges Gebäude als Hochpunkt den für das neu entstehende Quartier übergeordneten öffentlichen Raum. Er nimmt die unterschiedlichen Bewegungen von U-Bahntrasse, verschwenkender Wasserkanalführung und der historischen Nord-Süd Achse gelenkartig auf und fasst den neuen Platz an der nördlichen Grundstücksseite. Im Hinblick auf Maßstäblichkeit, Geschossigkeit und stadträumlicher Wirkung in einem größeren städtebaulichen Kontext wird mit diesem Hochpunkt ein Bezug zu den Hochpunkten im neuen Quartier nördlich der Hellbrookstraße und am U-Bahnhof Barmbek hergestellt.
Der Entwurf geht von einer geplanten Bruttogeschossfläche von ca. 22 680 m aus. Davon sind ca. 1 980 m Parken im Erdgeschoss und ca. 4 863 m im Sockelgeschoss.
Nutzungen:
— Sockelgeschoss: Stellplätze und Haustechnik, Nebennutzungen der Obergeschosse,
— Erdgeschoss: Gewerbe wie Geschäfte und Gastronomie, Stellplätze,
— alle folgenden Obergeschosse: Büros,
— zu realisierende Stellplätze ca. 286 Stk.
Durch die Komposition der Baukörper wird ein attraktiver Freiraum gefasst, der als städtischer Platz auch von der Öffentlichkeit und den Theaterbesuchern genutzt werden kann. Die Einbindung der Bahnunterführung in das städtebauliche Konzept ermöglicht langfristig bei Bedarf die Erreichbarkeit der nördlichen Flächen.
Das Bezirksamt Hamburg-Nord steht den derzeitigen Planungen positiv gegenüber. Der B-Plan Barmbek Nord 41 wird momentan nach § 13a BauGB als (projektbezogener) B Plan der Innenentwicklung im beschleunigten Verfahren aufgestellt werden, dessen Feststellungsbeschluss im Mai 2021 erwartet wird. Basis ist das Entwurfsergebnis von Störmer Murphy and Partners GbR, vorbehaltlich, dass der B-Plan Rechtskraft erhält.
Besondere Hinweise:
— Anschluss der Neubebauung an die Altbauten, in denen die Theaternutzungen statt-finden werden (inkl. der brandschutztechnisch erforderlichen Durchfahrt),
— Die Zufahrt bzw. Erschließung zu den rückwärtigen Stellplätzen der Bebauung Wiesendamm 26-28 ist während der gesamten Bauzeit zu gewährleisten (Feuerwehrzufahrt),
— Wegen der unmittelbaren Nähe zum Bahndamm der HHAG ist zwingend zu klären, welche Anforderungen der Hochbahn zu berücksichtigen sind,
— Mögliche Altlasten sind im späteren Verfahren zu bearbeiten,
— Es ist vorgesehen, dass die Neubebauung nach der anzuwendenden EnEV zu realisieren ist,
— Eine Variantenbetrachtung hinsichtlich unterschiedlicher einzuhaltender erhöhter Energiestandards ist vorgesehen,
— Die Anwendung der Arbeitsmethode BIM ist zu berücksichtigen,
— Geeignete Methoden des Lean-Management werden durch externe Unterstützung implementiert und sollen im Projektverlauf angewendet werden.