Beschreibung der Beschaffung
Die Stadt Stadtallendorf beabsichtigt, im Bereich des Rüstungsaltstandortes der Dynamit-Aktien-Gesellschaft (DAG), ein Grundstück zu erwerben und hierauf ein Familienbildungszentrum mit integrierter Kindertagesstätte zu errichten und zu betreiben. Das Grundstück grenzt an ein Areal, auf dem seinerzeit TNT produziert wurde, die geplante, zu bebauende Fläche selbst liegt im Bereich der ehemaligen "Allendorfer Lackfabrik". In den Jahren 1990/91 bis 2005 wurde auf dem gesamten DAG-Gebiet eine Bodensanierung durchgeführt. Das von der Stadt Stadtallendorf noch zu erwerbende Grundstück "Müllerwegstannen 13" wird eine Größe von ca. 10.000 qm haben und liegt im Geltungsbereich des Bebauungsplans Nr. 96 "Westliche DAG" in einer leichten Hanglage.
Ziel ist der Aufbau eines zentralen Ortes für familienorientierte Beratungs- und Bildungsangebote, insbesondere zur Integrationsförderung für die Kernstadt Stadtallendorfs, das Bereitstellen von Angeboten für Familien am Ort der Kinderbetreuung und die Bereitstellung dringend benötigter Kinderbetreuungsplätze mit dem besonderen Schwerpunkt Sprach- und Integrationsförderung.
Im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK wird bezüglich der infrastrukturellen Ausstattung der DAG wie folgt ausgeführt:
Auffallend ist die geringe Versorgung der Wohngebiete auf dem DAG-Gelände mit Infrastruktureinrichtungen. Im gesamten Bereich gibt es keinen Kindergarten, keine Kindertagesstätte, keine Einrichtungen für Senioren und keine Sportstätten. Die im Gebiet liegende Bildungseinrichtung ist eine Außenstelle des Berufsbildungswerkes Marburg und für die Kinder und Jugendlichen im Gebiet in der Regel ohne Bedeutung. Die im Gebiet liegende Fatih-Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde (DITIB) ist eine Einrichtung von gesamtstädtischer und regionaler Bedeutung, liegt aber wie viele in Gewerbegebiete "verdrängte" Moscheen in einem relativ unattraktiven Umfeld und kann keine Synergien mit angrenzenden Nutzungen bilden (wie es z.B. bei einer Lage im Nebenzentrum Niederkleiner Straße der Falle wäre). Die sogenannte Opera Sociale stellt eine Begegnungsstätte für ehemalige und aktive Mitarbeiter der Firma Ferrero dar und bietet in Kooperation mit anderen Veranstaltern in geringem Umfang auch öffentliche Angebote in ihrem Programm an.
Im Rahmen der Kita-Bedarfsplanung wurde ermittelt, dass durch die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ein Mehrbedarf im U3 und Ü3-Bereich besteht. Darüber hinaus werden Baugebiete vorbereitet, die in den kommenden Jahren veräußert werden. Hier entstehen 220 - 250 zusätzliche Wohneinheiten. Erfahrungsgemäß werden sich hier viele junge Familien unter den Käufern wiederfinden, die eine bislang unbekannte Anzahl an Kindern mit sich bringen werden.
U.a. durch den Neubau einer erweiterbaren dreigruppigen Kita mit altersgemischten Gruppen im Rahmen des Familienbildungszentrums in der DAG soll der Nachfrage gefolgt und der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung sichergestellt werden.
Durch eine geplante Erdauffüllung ist ein ebenerdiges Gebäude mit zwei Gebäudeteilen getrennt nach Familienbildungszentrum und Kindertagesstätte vorgesehen. Alternativ würde das Gebäude ohne Erdauffüllung aus Erd- und Obergeschoss bestehen. Die Unterbringung der Kindertagesstätte wäre dabei im Erdgeschoss angedacht und die Räumlichkeiten des Familienbildungszentrums würden sich im Obergeschoss befinden .
Die Kindertagesstätte wird für altersgemischte Gruppen mit Ü3 und U3 Kinder ausgelegt. Es entstehen drei Gruppenräume mit je einem zugehörigen Schlafraum. Die Toiletten und Waschräume werden dem vorgeschriebenen Bedarf angepasst. Weitere geplante Räumlichkeiten beherbergen folgende Nutzungen: Büro Leitung, Personalraum, Personal-WC, Küche, Vorrat, Raum für Einzeltherapie oder Elterngespräche, Vorschul-Raum, Kinderküche und Hauswirtschaftsraum.
Der erforderliche Bewegungsraum ist in Form eines Mehrzweckraums geplant, um einen Synergieeffekt für das Familienbildungszentrum als Schulungs- oder Versammlungsraum zu erzeugen und befindet sich je nach Bauweise ebenerdig oder im Obergeschoss. Der Raum wird vormittags durch die Kindertagestätte genutzt und steht am Nachmittag und Abend bzw. an den Wochenenden dem Familienbildungszentrum zur Verfügung. Für beide Nutzungen ist jeweils ein separater Abstellraum (Stuhllager oder Lager Turngeräte) geplant, um die Zuordnung und die Nutzung zu erleichtern. Des Weiteren ist die Unterbringung der erforderlichen Büroräume für die Sprachbildung einschließlich der zugehörigen Personalräume, eine Cafeteria mit Teeküche und Abstellraum, Toiletten, Behinderten-WC, Putzmittel, Abstellraum und die Haustechnik im Bereich des Familienbildungszentrums vorgesehen.
Durch die unterschiedlichen Flächenbedarfe könnte im Obergeschoss eine Dachterrasse entstehen, die begehbar gestaltet und begrünt werden soll. Sie soll teilweise als Gartenfläche mit Hochbeeten angelegt und teilweise als Platz für Wetterbeobachtungen und -experimente genutzt werden. Bei einer 1-geschossigen Bauweise könnte ein Dachgarten ähnlicher Struktur realisiert werden.
Folgendes Raumprogramm schwebt der Auftraggeberin vor:
1. Kindertagesstätte ebenerdig oder im Erdgeschoss 575 qm
- Büro Leitung (2 Fachkräfte) 30 qm
- 3 Gruppenräume á ca. 60 qm 180 qm
(jeweils zugehöriger, separater Schlaf- und Abstellraum möglich)
- 2 Waschräume mit Toiletten á ca. 25 qm 50 qm
- Personalraum 25 qm
- Küche und Lager 40 qm
- Räume für Elterngespräche und Einzeltherapie á ca. 15 qm 30 qm
- Werk-/Kreativraum, Kinderküche, Rollenspielraum, Konstruktionsraum,
Experimentier-/Vorschulraum á ca. 20 qm 100 qm
- Nebenräume: Pers.-Toiletten, Lager, Abstellräume, etc. 45 qm
- Flure, Verkehrswege, etc. 75 qm
- Mehrzweckraum in Doppelnutzung mit FBZ inkl.
Stuhllager und Abstellraum für Turngeräte
Nutzung als Bewegungsraum (120 qm)
2. Familienbildungszentrum ebenerdig oder im Obergeschoss 465 qm
- Mehrzweckraum in Doppelnutzung mit KiTa inkl.
Stuhllager und Abstellraum für Turngeräte
Nutzung für Schulungen (FBZ)
Nutzung für externe Feiern/Veranstaltungen 120 qm
- Büro FBZ bzw. Büro Sprachförderkraft (SKF) 18 qm
- Beratungsraum (auch externe Beratung) 20 qm
- Arbeitsraum Sprachförderung 16 qm
- Arbeitsraum Sprachförderung mit Videounterstützung 16 qm
- Treffpunkt Sprach Café 50 qm
- Küche (auch für kleinere Kochkurse) 40 qm
- Toiletten, Beh.-WC, Personal-WC 45 qm
- Nebenräume: Putzmittel, Abstellräume, Technik, etc. 90 qm
- Foyer und Flure 50 qm
3. Freianlagen
Die Gliederung der Freianlagen sowie die Einordnung von Verkehrs-, Andienungs- und Feuerwehrflächen sind zu planen. Fußgänger- und PKW/Andienungsverkehr sind klar voneinander zu trennen. Parkplätze sind so anzulegen, dass Kinder nicht gefährdet werden. Weiterhin sind Wege im Freien und Eingänge barrierefrei zu gestalten. Es sind Bereiche mit natürlicher und künstlicher Ausstattung sowie Bereiche für Spielgeräte vorzusehen.
Zur Realisierung des FBZ hat die Stadt Stadtallendorf im Jahr 2020 in dem städtebaulichen Förderprogramm "Investitionspakt Soziale Integration im Quartier" des Landes Hessen Fördermittel bewilligt bekommen. Es steht ein Budget von insgesamt 3.766.000.- € (KG 200-700), ausgenommen der Grundstücksankauf, zur Verfügung, das unbedingt eingehalten werden muss.
Die Auftraggeberin beabsichtigt, die Objektplanung Gebäude, Leistungsphasen 1-9 des § 34 HOAI und die Objektplanung Freianlagen, Leistungsphasen 1-9 des § 39 HOAI zu vergeben. Es werden dabei die jeweiligen Grundleistungen aus dem Katalog der Anlagen 10 und 11 der HOAI vergeben. Darüber hinaus wird als Besondere Leistung die "Dokumentation und Erstellen des Verwendungsnachweises im Rahmen der Förderung" vergeben.