Beschreibung der Beschaffung
Allgemein:
Bei dem im Folgenden beschriebenen Vorhaben handelt es sich um ein gemeinsames Ausschreibungsverfahren der Ruhrbahn GmbH und der Stadt Essen, vertreten durch die Grüne Hauptstadt Agentur (GHA). Der Inhalt der Ausschreibung ist Bestandteil verschiedener Förderprogramme – dementsprechend sind unterschiedliche Ausgangslagen bezüglich der Abrechnungsmodalitäten, zu berücksichtigen.
Die Ausschreibung wird federführend durch die Ruhrbahn GmbH durchgeführt. Die Ruhrbahn GmbH wird nach Abschluss des Ausschreibungsverfahrens einen Zuschlag erteilen.
Einzelne Leistungsteile sind durch den AN direkt an die Ruhrbahn GmbH abzurechnen, andere Leistungsteile sind direkt an die GHA (Stadt Essen) abzurechnen (unterschiedliche Rechnungsempfänger). Die jeweiligen Leistungsteile/Leistungsbestandteile sind im Leistungsverzeichnis entsprechend gekennzeichnet.
Im Zuge des umweltpolitischen Diskurses wird dem Verkehrssektor aufgrund seines hohen Energieverbrauchs eine entscheidende Rolle beigemessen. Auch die Städte Essen und Mülheim stehen in Anbetracht eines vergleichsweise hohen Anteils des motorisierten Individualverkehrs vor der großen Herausforderung, das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung langfristig zu verändern. Der Schlüssel hierfür liegt unter anderem in der Schaffung eines leistungsfähigen und nachhaltigen ÖPNVs, der aufgrund seiner Systemvorteile einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung der Umwelt sowie der Reduktion klimarelevanter Emissionen leisten kann.
Die Ruhrbahn GmbH plant im Zuge eines Förderantrags aus dem Förderprogramm „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ des BMVI zur Weiterentwicklung des Mobilitätsassistenten ZÄPP die Einführung eines App-basierten Bonusprogramms für das Smartphone. Mit dessen Hilfe sollen den Bürger*innen Anreize geliefert werden, mehr Wege mit dem Rad, zu Fuß und dem ÖPNV zurückzulegen. Der Fokus richtet sich hierbei darauf, umweltgerechtes Mobilitätsverhalten mit Bonuspunkten zu belohnen. Diese sollen gegen Gutscheine eingetauscht werden, die unter anderem bei lokalen Kooperationspartnern eingelöst werden können.
Die Stadt Essen, vertreten durch die Grüne Hauptstadt Agentur, nimmt seit 01.01.2020 erfolgreich am Förderprogramm „MobilitätsWerkStadt 2025“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung teil. Mit „Be-MoVe – Beteiligungsbasierte Transformation aktiver Mobilität für gesundheitsfördernde Stadt- und Verkehrsinfrastrukturen“ (kurz: Be-MoVe) hat die GHA die zweite von insgesamt drei Phasen erreicht, welche vom 01.07.2021 bis 30.06.2024 läuft. Das Forschungsvorhaben Be-MoVe bringt die Grundlagen, anwendungsorientierte und transformative Forschung in Verbindung und integriert Methoden aus den Bereichen Verkehr und Mobilität sowie Stadtgesundheit miteinander.
Kernelement ist die Entwicklung von großflächigen, physischen und virtuellen Reallaboren, in denen stadträumliche Veränderungen sowie zukünftige Mobilitätsangebote simuliert werden, um gemeinsam mit der Bevölkerung und zivilgesellschaftlicher Gruppen die Vision einer weniger autozentrierten Mobilitätskultur zu entwickeln. Bürger*innen erhalten im Rahmen von Reallaboren die Möglichkeit den Beteiligungsprozess und den Transformationsprozess zur nachhaltigen Mobilität der Zukunft aktiv mitzugestalten. Die vorhandene Infrastruktur und das Angebot in Essen müssen angepasst werden, denn das Verhalten der Menschen hängt signifikant von der Gestaltung des Raums ab.
Mit Hilfe eines App-basierten virtuellen Anreizsystems sollen die physischen Realexperimente zu einem gesünderen und nachhaltigeren Fortbewegen unterstützt werden. Mobilitätsdaten, die durch das System gewonnen werden, sollen im Rahmen der Begleitforschung ausgewertet werden können.
Beschreibung des Vorhabens:
Den Kern des Bonusprogramms soll die Bewertung und schlussendliche Bepunktung umweltfreundlichen Mobilitätsverhaltens bilden. Hierfür soll die persönliche Mobilität des Nutzenden aufgezeichnet, analysiert und ausgewertet werden. Dem Bonusprogramm soll daher ein Mechanismus zu Grunde liegen, welcher einem digitalen Mobilitätstagebuch entspricht. Hierbei soll in den Grenzen des Bediengebiets der Ruhrbahn GmbH erfasst werden, wie die Nutzer*innen sich fortbewegen. Dies soll mit Hilfe der Standortdaten sowie der Aktivitäts- und Bewegungsdaten des eigenen Smartphones erfolgen.
Auf Grundlage der aufgezeichneten Wege und Verkehrsmodi sollen Bonuspunkte vergeben werden, die der Teilnehmer gegen Prämien und Gutscheine einlösen kann. Die Bepunktung soll auf Grundlage der zurückgelegten Kilometer und des Verkehrsmittels bzw. der Fortbewegungsart vorgenommen werden, wobei diese zu unterschiedlichen Gruppen zusammengefasst und gewichtet werden sollen. Die Mobilitätsdaten stehen zur Auswertung zur Verfügung.
Die Ruhrbahn GmbH und GHA möchten zu diesem Zweck eine White-Label-App beschaffen. Diese soll zunächst im Rahmen einer Testphase erprobt werden und im Anschluss für die flächendeckende Umsetzung vorbereitet werden. Die Umsetzung dieses Gesamtziels soll bis Anfang des Jahres 2022 erfolgen.
Die White-Label-App soll im Wesentlichen die folgenden Funktionen beinhalten:
- Aufzeichnung des Mobilitätsverhaltens auf Basis der Standort- und Bewegungsdaten des Smartphones
- Automatische Zuordnung der zurückgelegten Wege zu einem konkreten Verkehrsmittel/ Modalität
- Vergabe von Bonuspunkten auf Basis der zurückgelegten Wege und Modalität
- Bonuspunkte können in der App in Gutscheine der Kooperationspartner umgewandelt und eingelöst werden
- In der App müssen die Prämien- und Gutscheinangebote der Kooperationspartner in Form eines virtuellen Marktplatzes dargestellt werden
- Berechnung der Emissionseinsparungen als Verhaltensfeedback
- Gamification Elemente, wie z.B. Ranglisten und Challenges sollen zur Verfügung stehen
- Bereitstellung der Mobilitätsdaten für weitere Auswertungen, bereinigt um personenbezogene Daten