Beschreibung der Beschaffung
Die Ammerland-Klinik hat sich im Jahr 2018 auf den Weg gemacht, eine Neustrukturierung des medizinischen
Konzeptes und der räumlichen Weiterentwicklung auf den Weg zu bringen. Im Vordergrund stehen dabei die
Förderung der Interdisziplinarität sowie eine sinnvolle Zentralisation von Einheiten und Funktionen.
Die aktuelle bauliche Struktur im Gebäudebestand aus den 70er und 80er Jahren erschwert durch überholte
und unflexible Grundrisse die interdisziplinäre Nutzung. Dezentrale Strukturen sorgen für unwirtschaftliche
Abläufe und Personaleinsätze. Hinzu weist die Ammerland-Klinik erhebliche Flächendefizite auf, die dem
aktuellen Leistungsgeschehen nicht mehr gerecht werden. Besondere Problembereich sind hier der OP inkl.
Nebenräume, die AEMP, die Notaufnahme und die konservative Intensivstation. Im Bereich der Allgemeinpflege
sind ca. 50% der Betten in 3- und 4-Bett-Zimmern verortet, welche perspektivisch aufgelöst werden sollen, sodass zukünftig flexibel belegbare 1- und 2-Bett-Zimmer auf den Stationen vorgehalten werden. Alle Stationen im Altbestand haben einen Sanierungsbedarf und benötigen zusätzliches Nebenraumprogramm.
Es wurde in vielen Gesprächen und Workshops ein Raum- und Funktionsprogramm und darauf basierend ein Masterplan Bau für einen Neubau aber auch für die Nachnutzung des Altbestands erarbeitet, der die Basis für die weitere Planung bildet.
Leitmotiv der baulichen, wie organisatorischen Neuausrichtung ist eine konsequente Ressourcen- und Flächenbewirtschaftung, die nach funktionellen sowie prozessoptimierten und nicht nach rein aufbauorganisatorischen Grundsätzen ausgerichtet wird. Ziel dieses Entwicklungskonzepts ist die Optimierung der Leistungsfähigkeit, Ergebnisqualität und Wirtschaftlichkeit sowie die Verbesserung der Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit. Mit der weiteren künftigen Planung inklusive der hier ausgeschriebenen Planungsleistung, siehe Ziffer II.1.4, soll insbesondere erreicht werden:
1. Versorgungssicherheit
Als einziges Akut-Krankenhaus im Landkreis Ammerland und mit der einzigartigen Kooperation mit dem Bundeswehrkrankenhaus Westerstede hat das Klinikzentrum Westerstede eine gewichtige Aufgabe bei der Sicherstellung des Versorgungsauftrages des Landkreises Ammerland und darüber hinaus im gesamten Nordwesten. Hierbei sind insbesondere die Geburtshilfe, die überregional zertifizierte Stroke-Unit, die Gefäß- und Thoraxchirurgie, das Notfallzentrum der höchsten Versorgungsstufe und das Brustzentrum zu nennen, die weit über die Landkreisgrenzen hinaus die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Dieses gilt es in dem künftigen Gesundheitsquartier Ammerland abzubilden und langfristig abzusichern.
Dabei sollen die Ammerland-Klinik und das Bundeswehrkrankenhaus Westerstede den Mittelpunkt einer Gesundheitsversorgung mit benachbarten und künftigen Kooperationspartnern an einem Ort im Herzen von Westerstede bilden.
Dieser Zentrumsgedanke findet sich auch in der Masterplanung und dem medizinischen Konzept wieder. Bisher dezentrale Strukturen sollen aufgelöst werden und medizinisch sinnvolle Zentren gebildet werden. Als Beispiel soll hier der Zentral-OP oder aber die Gründung eines interventionellen Zentrums genannt werden.
2. Bauliche Qualität und Nachhaltigkeit
Die Themen Umwelt und Zukunft spielen bei der baulichen Qualität und Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Ziel des Hauses ist es, nachhaltig und energieoptimiert voraus zu denken und zu bauen. Die Ammerland Klinik orientiert sich bei der Gebäude- und Anlagenplanung am Nds. Klimagesetz. Die wesentlichen Ziele des Gesetzes, die Senkung des Ausstoßes von klimaschädlichen Treibhausgasen und die Erreichung der Klimaneutralität, sollen mit einem ganzheitlichen Energiekonzept für den Standort der Ammerland Klinik unterstützt werden.
Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, um dessen Folgen zu mindern, sind ebenfalls eine Forderung des Klimagesetzes. Gerade im Hinblick auf die Anwesenheit gesundheitlich beeinträchtigter Menschen sollen im Gebäude die Auswirkung von Hitzeereignissen baulich und technisch abgemildert werden. Der Hochwasserschutz hat am Standort durch den Bachlauf der kleinen Norderbäke auf dem Grundstück hohe Relevanz und muss insbesondere in Bereichen mit versorgungsrelevanter Infrastruktur berücksichtigt werden.
Der Einsatz regenerativer Energien zur Energieversorgung, eine klimaneutrale Mobilität und die besondere Bedeutung von Holz als Kohlenstoffspeicher sind weitere wesentliche Inhalte des Gesetzes und sollen Eckpfeiler des Projekts sein. Eine ressourcenschonende Bauweise soll angestrebt und umgesetzt werden.
Dabei geht es nicht um die Möglichkeiten von heute, sondern darum, innovative Lösungen für morgen zu denken und diese sinnvoll hier umzusetzen. Wesentlich ist dabei das Prinzip des Low-Tech-Bauens. Die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung muss auch bei diesen Planungen jederzeit im Vordergrund stehen. Dieses sind Grundvoraussetzungen für das künftige Gesundheitsquartier.
3. Patientenzufriedenheit
Die künftige Architektur des Neubaus und Altbestands soll sich durch eine gesundheitsfördernde Architektur auszeichnen. Die Aufenthaltsqualität soll dabei zum einen die Patientenzufriedenheit aber auch die Patientensicherheit steigern. Dieses zeigt sich auch in einer Architektur, die alle Sinne berücksichtigt - von der Geburtshilfe über demenzsensible Strukturen bis hin zur Palliativversorgung.
4. Mitarbeiterwohlbefinden
Ein weiterer wesentlicher Aspekt der künftigen Bauplanung liegt in der Steigerung der Arbeitsplatzqualität. Die Ausgestaltung und Lage der künftigen Räume und Funktionen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Zentralisierung und Digitalisierung. Ziel ist es moderne und attraktive Arbeitsplätze zu gestalten die dazu dienen Mitarbeiter zu gewinnen, zu halten und gesund zu halten. Darauf abgestimmt werden soll die Betriebsorganisation und damit verbunden die künftige räumliche Gestaltung dieser.