Beschreibung der Beschaffung
Die Klassik Stiftung Weimar beabsichtigt, über einen Zeitraum bis etwa 2030 das ehemalige Weimarer Residenzschloss umfassend instand zu setzen. Ziel der Maßnahme ist es, das Schloss als neue impulsgebende Mitte der Klassik Stiftung zu profilieren.
Im Zusammenhang mit der Gesamtinstandsetzung des ehemaligen Residenzschlosses ist für das Schlossumfeld eine Gestaltung zu entwickeln, die sowohl den gartendenkmalpflegerischen Belangen des Parks an der Ilm, dessen Bestandteil das Schlossumfeld ist, als auch den im Hinblick auf die Besucherführung funktionalen Anforderungen sowie städtebaulichen Aspekten Rechnung trägt.
Durch die Eigenschaften des ehemaligen Residenzschlosses und des Ilmparks als Bestandteil des Weltkulturerbes "Klassisches Weimar", als Einzeldenkmale und als Bestandteil der Denkmalzone "Altstadt Weimar" sowie der unmittelbaren Nachbarschaft zu weiteren Kulturdenkmalen wie der Anna-Amalia-Bibliothek, dem Roten Schloss und dem Marstall ergeben sich besondere Anforderungen im Umgang mit dem historisch bedeutenden Ort. Der einladende Gestus und der stadträumliche Zusammenhang der ehemaligen U-förmigen Schlossanlage wurde durch den Bau des Südflügels 1913/14 stark verändert. Die Passage der Durchfahrt im Südflügel stellt für die Besucher eine Hürde dar. Der Schlosshof soll zukünftig für Veranstaltungen genutzt und ertüchtigt werden. Die Zugangsbereiche zum Schloss sind zum Teil nicht barrierefrei gestaltet.
Die Geländemodellierung und damit die unmittelbare Einbindung in die Umgebung insbesondere auf der östlichen und südlichen Schlossseite wurde durch Trümmerschuttablagerungen und -auffüllungen nach 1945 stark verändert. Die z.B. auf Plänen von 1818 und 1841 erkennbare intensive Ausschmückung der schlossnahen Gartenflächen mit Schmuckbeeten und besonderen Baum- und Strauchgruppen im Sinne eines zonierten, späten Landschaftsgartens ist nur noch rudimentär vorhanden.
Der ruhende Verkehr vor dem Südflügel und im Schlosshof ist gestalterisch unbefriedigend und soll neu geordnet werden.
Die Baumaßnahme "Denkmalgerechte Herrichtung Stadtschloss Weimar" wird in Teilbauabschnitten durchgeführt. Bereits in Umsetzung befindet sich das Teilprojekt Schloss 40 (S40), welches baulich Teilbereiche des Ost- und Nordflügels betrifft. In Bezug auf die Freianlagen werden in diesem ersten Umsetzungsschritt die barrierefreie Erschließung der Zugänge im Bereich S40 im Schlosshof sowie eine Terrasse im Nordostbereich ('Ilmterrasse') mit unmittelbarem Bezug zur Passage geplant und umgesetzt.
Inhalt der nun zu vergebenden Planungsleistungen ist die Umsetzung des zweiten und abschließenden Teilprojektes Schloss 100, welches alle nicht im Teilprojekt Schloss 40 (S40) enthaltene Bereiche umfasst.
Die Abgrenzung der zu betrachtenden Flächen ist der Anlage B.2 zu entnehmen. Die Umsetzung des Projektes gliedert sich in mehrere Abschnitte/Bereiche. Eine Teilfläche auf der Nordost-/Ostseite des Schlosses wurde im Teilprojekt Schloss 40 bis Leistungsphase 3 geplant und soll nun in den folgenden Leistungsphasen (ab LP 4) mitbearbeitet werden.
Es wurden bereits umfangreiche Grundlagen geschaffen, so liegt u.a. eine Gartenhistorische Analyse des Schlossumfeldes vom Oktober 2020 vor, die in gartendenkmalpflegerischen Empfehlungen und einem Zielplan mündet (Anlage C.1). Diese sind zu berücksichtigen.
Das Schloss hat eine Gesamtabmessung von ca. 103m x 87m.
Die zu betrachtende Fläche des Schlossumfeldes hat eine Größe von ca. 19.100m². Dies betrifft:
Gemarkung Weimar, Flur 37, Flurstücke 152/2, 149/2, 153, Teilbereiche 148/2 sowie östlich der Ilm Teilbereiche 207/2 und Teilbereiche Flur 40 Flurstück 3:
- Grün-/Platz-/Wegefläche außerhalb des Schlosses ca. 10.500m²
- Innenhof Schloss abzügl. Flächen S40 ca. 3.000m³
- Parkfläche nördlich des Reithauses mit verringerter Beplanungstiefe: ca. 4.200m²
- Bereich Leutraquelle auf der östlichen Ilmseite: ca. 1.400m²
Einige Bereiche des Stadtschlosses Weimar werden sich während der Bauphase Teilprojekt Schloss 100 im laufenden Betrieb befinden. Dies betrifft u.a. den 2025 wieder eröffneten Museumsbereich im Ostflügel sowie Verwaltungsbereiche im Ost- und Südflügel. Der laufende Betrieb darf durch die Baumaßnahme nicht gefährdet werden. Beeinträchtigungen sind zu reduzieren.
Die Planung und Ausführung der Freianlagen muss in Abschnitten erfolgen. Die notwendigen Flächen der Baustelleneinrichtung, die Baustellenlogistik und die zeitlichen Verläufe (Bauphasen) sind zu berücksichtigen.
Vom zukünftigen Aufragnehmer wird erwartet, dass sowohl im Rahmen der Planung als auch in der Ausführungsvorbereitung und Baubegleitung ein sehr enges Planungs- und Kooperationsverhalten zu allen Planungsgewerken eingegangen und in hoher Qualität gepflegt wird.
Der Kostenrahmen für die Baumaßnahme Teilprojekt Schloss 100, gem. beschlossenem Investitionsprogramm, beläuft sich für die KG 300 bis 600 (DIN 276) auf 48.680.000,00 EUR (brutto), für die Baukosten der KG 500 (DIN 276) wird von einem anteiligen Budget von ca. 3.600.000,00 € (brutto) ausgegangen. Dieser Budgetrahmen dient als Zielvorgabe für die Einhaltung des zur Verfügung stehenden Kostenrahmens, auf welchen die jeweiligen Planungsleistungen im beauftragten Leistungsbild auszurichten ist.
Es besteht die Option einer zusätzlichen Beauftragung des in diesem Verfahren ausgewählten Büros/Planers hinsichtlich der unter Punkt A.4 beschriebenen Planungsoptionen mit jeweils unterschiedlichen Bearbeitungstiefe (Konzept/Planung/Realisierung).
Option 1 -
Untersuchung/ggf. Beplanung und Umsetzung Flurstück 141/1 (ca. 1.300m²) hinsichtlich der Realisierung eines qualitätsvollen Zugangs zum Park und Nutzung als Wirtschaftsfläche für Nebenfunktionen Nutzung als Wirtschaftsfläche für Nebenfunktionen. Dabei ist der qualitätsvolle Zugang zum Park zwingend sicher zu stellen. Das Grundstück befindet sich derzeit nicht im Eigentum der Klassik Stiftung. Über eine optional zu beauftragende Machbarkeitsstudie soll die Sinnhaftigkeit der Nutzung dieser Fläche für die Belange der Klassik Stiftung geprüft und anschließend ggf. auch umgesetzt werden.
Option 2 -
Konzeptionelle Betrachtung der Freiflächen um die Bastille (Flurstücke 149/1, 150, 151, 152/2, ca. 700m²). Diese befinden sich nicht im Eigentum der Klassik Stiftung Weimar, sondern der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Aufgrund des starken Bezuges des Gebäudeensembles zum Schloss sind die Freiflächen gemeinsam zu betrachten.
Option 3 -
Erweiterung des Bearbeitungsbereiches um weitere Teile des Flurstückes 148/2 - Reithauswiese (abzüglich der Baumstandorte ca. 4.800 m²). Hierbei geht es vorrangig um die in den gartendenkmalpflegerischen Empfehlungen beschriebene Geländemodulation.
Das Bauvorhaben wird von der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Thüringen über ein gemeinsames Sonderinvestitionsprogramm finanziert.
Im Rahmen der Entwurfsplanung ist eine Antragsunterlage gem. RZ-Bau zu erstellen. Verbindliche terminliche Vorgabe für die Vorlage der abgestimmten Antragsunterlage an den Auftraggeber ist Ende März 2024. Die in Pkt. II.2.7. angegebene Laufzeit bezieht sich auf diesen Termin. Als Ziel der baulichen Fertigstellung ist Ende 2030 geplant.
Gegenstand dieser Ausschreibung ist die Vergabe der Planungsleistungen im Leistungsbereich § 39 HOAI. Die Beauftragung der hier ausgeschriebenen Leistungen erfolgt stufenweise, hierzu wird auf Pkt. II.2.11 dieses Dokuments verwiesen.
Im Falle einer Beauftragung muss das angebotene Projektteam sofort und vollumfänglich zur Verfügung stehen. Im Bedarfsfall ist zur Sicherstellung der Termineinhaltung eine Aufstockung der Teamstärke zu sichern/ zu ermöglichen.