Beschreibung der Beschaffung
Die Gemeinde Frauenau wird oft als gläsernes Herz des Bayerischen Waldes bezeichnet, da dort das Glashandwerk seinen Ursprung hat.
Isidor Gistl ist ein bekannter Glaspionier und prägte die Gemeinde Frauenau.
Er erlernte das Glasgewerbe und die Betriebsleitung in Oberfrauenau und wurde 1894 Direktor in der Glashütte Steigerwald in Regenhütte.
Später pachtete er die Moosauhütte in Frauenau und errichtete die sog. "Krystallglasfabrik Frauenau I. Gistl", welche damals als eine der modernsten Einrichtungen Europas galt.
Er führte technische Neuerungen wie den ersten Generator ein und konnte damit das gesammte Dorf mit Strom versorgen.
Später kaufte Isidor Gistl drei Hektar Land und ließ dort 27 Wohnhäuser für seine Arbeiter bauen.
Zusätzlich entstanden dort neben den Werkswohnungen auch das heutige Gitsl-Wirtshaus mit angrenzenden Saal, welcher damals als der Größte des Bayerischen Waldes galt.
Die Hüttenarbeiter feierten dort Feste und Veranstaltungen. Der Saal war ausgestattet mit einer versenkbaren Bühne, einer Kegelbahn, einer Zentralheizung, einer Kinoanlage, einem Orchestergraben und einer Loge für den damaligen Hüttenherren Isidior Gistl.
Rasch entwickelte sich der Gistl-Saal zum kulturellen Zentrum des Bayerischen Waldes und war aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken.
Der Saal bot Platz für 600 Personen und ab dem Jahr 1925 fanden darin wöchentlich Theateraufführungen der "Rieschbühne Lengries" statt.
Bälle und andere öffentliche Tanzveranstaltungen gehörten zum Programm.
Mit dem Stummfilm "Die weiße Frau" und "Buster Keaton" entstand das erste Kino in Frauenau.
Neben dem Gistl-Saal befand sich im Hauptgebäude noch eine Hüttenkantine, einige Gästezimmer in den Obergeschossen und im östlichen Anbau war eine Metzgerei untergebracht.
In den 30er Jahren wurde der Saal von verschiedenen NS-Organisationen genutzt.
Nach Kriegsende wurde er zu einer Herberge für Flüchtlinge, aber auch zum Schauplatz improvisierter Jazz-Abende und Tanzveranstaltungen amerikanischer Soldaten.
Nachdem Isidor Gistl am 25. März 1950 starb und neun Jahre später seine Frau Pauline, ging der gesamte Besitz des Ehepaares, darunter das Gistl-Wirtshaus an eine 48-köpfige Erbengemeinschaft.
In den darauffolgenden Jahren verfiel der Saal zunehmend und 1973 folgte dann letztendlich die Schließung.
Zehn Jahre später wurde das Anwesen von der Gemeinde Frauenau erworben und seit 1990 ist Dietmar "Stan" Dengler der Wirt und Betreiber des Gistl-Gasthauses, welches für Veranstaltungen und Anlässe öffnet.
Das Gistl-Wirtshaus mit Saal ist ein Baudenkmal wie folgt in die Denkmalschutzliste eingetragen:
Gasthaus, zweigeschossiger Walmdachbau mit Putzgliederungen, zweigeschossiger Anbau nach Südwesten um 1920
Festsaal, sog. Gistl-Saal, eingeschossiger Walmdachbau mit Putzgliederungen, Dachlaterne mit Zwiebelhaube, 1925
Gegenstand des Auftrages sind Planungsleistungen nach HOAI 2021, Teil 4 Fachplanung, Abschnitt 2 Technische Ausrüstung - HLS, § 55 Leistungsbild Technische Ausrüstung, Leistungsphase 1 bis 9.
Die Beauftragung erfolgt stufenweise, zunächst für die Leistungsphasen 1 bis 3.