Beschreibung der Beschaffung
Projektbeschreibung
1. Gebäudebestand:
Denkmalgeschütztes ehem. Amtshaus (1724) auf Grundmauern des Grotenschlosses (1620).
Das ehem. Wilhelmsburger Amtshaus, heute Sitz des Museums Elbinsel Wilhelmsburg, wurde 1724 auf den Grundmauern eines im Jahr 1620 errichteten Schlosses der Groten, dem ehem. „Adeligen- Sitzes Stillhorn“, erbaut. Das Amtshaus steht seit 1949 unter Denkmalschutz und bildet mit der benachbarten Kreuzkirche, dem Dorfkrug sowie weiteren alten Häusern das Milieuschutzgebiet Kirchdorf.
Gebäudenutzung:
- Ab 1724 Amtshaus
- Ab 1859 Schule und Wohnungen (der Kirche)
- Ab 1950 Wohnungen und Museum
- Ab 2014/16 Museum und Wohnungsleerstand
- Planung: Rückbau von mieterseitigen Einbauten und umfangr. Sanierung zur Erweiterung der Museumsflächen
Amtshaus: Baujahr 1724, Kellergewölbe von 1620
- Typ: zweigeschossiges, langrechteckiges Gebäude mit 7 vertikalen Fensterachsen
- Eingangsfassade: rustizierend verputzt
- weitere Fassaden: Backstein in historischen Formaten
- Fenster: Kreuzstockfenster mit mittigem bzw. außermittigem Kämpfer
- Türen: historische Holztüren teilweise mit bauzeitl. Beschlägen
- Walmdach: mit bauzeitl. Dachstuhl inkl. Räucherkammer
- Innenwände: mit Kalk verputzte Fachwerkwände mit histor. Farbfassungen
- Böden/Decken: weitegehend histor. Dielenböden auf Holzbalkendecken mit bauzeitl. Lehmwellereinlagen, unterseitig mit Kalk verputzt; einige Räume mit Naturstein-, Ziegel oder Estrichboden
- Treppe: histor. Holztreppe späteren Baujahrs
Anbau Amtshaus: Baujahr 1835
- Typ: eingeschossig mit Walmdach
- Fassade und Bauart: in Anlehnung an Hautgebäude
Problemstellung Amtshaus:
konstr. und bauphysikal. Mängel:
- Dachdeckung überaltert
- Dachstuhl konstr. großflächig zerstört und mit schädl. Holzschutzmitteln kontaminiert
- fehlende Dämmung krit. Bauteile
- Außenwände durchfeuchtet
- Fenster teils stark beschädigt, z.T. entgegen Denkmalvorgaben ausgetauscht, bauphysik., veraltet
- Deckenbalken tlw. durchfeuchtet, zerstört
- Haustechnikinstallation ins. abgängig
- Mangelhafter Brandschutz
Sonstiges:
- keine Erschließung für Behinderte aller Ebenen vorhanden
- Museumsfläche beengt: Rückbau von mieterseitigen Einbauten der leerstehenden Wohnung und umfangr. Sanierung zur Erweiterung der Museumsflächen erforderl.
2. Sanierungszweck / Nutzungsänderungen
Sanierung / Instandsetzung
Das denkmalgeschützte Gebäude hat diverse konstr. und
bauphysik. Mängel. Ziel der Sanierung: Wiederherstellung des denkmalgeschützten Bestandes und Sicherung des Museumsbetriebs
Aus Budgetgründen ist die Maßn. auf eine Dach- und Fachsanierung des Amtshauses
beschränkt, die den Museumsbetrieb in einem kleineren Umfang ohne Nutzung des Nebengebäudes ermöglicht. Die neuen WC-Anlagen incl. Behinderten-WC sowie sämtliche haustechn. Anschlüsse/ Anlagen werden im Amtshaus untergebracht. Der Nachweis von separaten Flächen für ein Präsenzlager ist nicht mögl..
Ausstellungserweiterung
Erweiterung Ausstellungsfläche: Die freigewordenen Bereiche der im OG ehemals vorhandenen Mietwohnung werden durch Abbruch der nicht bauzeitlichen Bad- und Küchen-einbauten und Sanierung/ Wiederherstellung der ursprünglichen Räume nutzbar gemacht.
Eine Verlegung des Büros inkl. Archiv in das Nebengebäude und Sanierung des Dachgeschosses wird nicht realisiert. Die bisherige Lagerfläche im DG des Haupthauses kann wg. der vorliegenden Schadstoffbelastung nicht genutzt werden. Es wird nur das KG-1.OG dekontaminiert. Die Ausstellungsinhalte und weiteren Angebote des Museums sind der Nutzungsbeschreibung des Museums zu entnehmen.
Erschließung
Das Amtshaus wird durch den Einbau eines barrierefreien, kleinen Aufzugs sowie einer langestreckten Erschließungsrampe und einem Behinderten-WC erweitert. Innerhalb des Gebäudes können die histor. Türschwellen durch einige mobile Rampen soweit mögl. barrierearm überfahren werden. Abweichungen von der DIN können im denkmalgeschützten Bestand nicht ausgeschlossen werden. Einige Rollstuhlnutzer müssen begleitet werden (Rampen umsetzen, etc.). Das Erschließungskonzept für Behinderte wurde mit dem Kompetenzzentrum für ein barrierefreies Hamburg abgestimmt.
Ergänzung notw. Funktionsräume
Wg. gewünschten/ zu erwartenden Anstieg der Besucherzahlen werden im EG drei neue WCs für Damen und Herren (Unisex- Nutzung) und eine Urinalkabine eingebaut. Die beiden bestehenden WCs im EG werden abgebrochen.
3. Maßnahmenbeschreibung Denkmalsubstanz
Fassade:
Die rustizierende Putzfassade wird, wo erforderl., saniert. Das Sichtmauerwerk wird soweit restauriert und ertüchtigt, dass eine fortschreitende Schädigung so weit wie möglich begrenzt wird. Der Umfang der Sanierung wurde mittels Schadenskartierung durch eine Restauratorin ermittelt. Einige Sichtziegel müssen saniert, wenige Ziegel ganz ausgetauscht werden. Die Mauerwerksfugen müssen von nicht bauzeitl., den Ziegel schädigenden Verfugungen schonend befreit werden, um anschl. mit einem geeign. Fugenmörtel nach histor. Rezeptur die Regendichtigkeit wiederherzustellen. Die Fassade muss ebenfalls von Salzauflagen, Rankpflanzen sowie Fremdmaterial befreit und Risse saniert werden. Ein umlaufender Kiesstreifen muss angelegt werden, um die Feuchtebelastung zu reduzieren. Eine Vollsanierung nach heutigen baul. Standards, Regelwerken und Anford. ist, gem. Abstimmung mit Denkmalamt, aufgrund der weitestgehend zu erhaltenden histor. Materialien nicht möglich. Der Ziegel- und Fugenaustausch in geschädigten Bereichen wurden vom Denkmalamt freigegeben mit dem Ziel, die Substanz zu erhalten und zu erwartende negativen Auswirkungen auf die umgebenden Bauteile durch falsch verwendete Produkte zu unterbinden.
Auf eine Bauwerksabdichtung wird verzichtet (Abweichung von anerkannten Regeln der Technik), es werden weder eine Wandabdichtung unter Erdreich, noch Horizontal- und Vertikalsperren eingebaut, der Keller wird weiter Durchfeuchtungen mit den daraus resultierenden Schäden aufweisen, wie dies damals „üblich“ war. Ein äußerer Kiesstreifen und ein regelm. zu erneuernder Opferputz in der Brüstung im EG wurden mit dem Denkmalamt abgestimmt und berücksichtigt.
Bauzeitl. Lehmwellerdecken:
Die histor. Lehmwellerdecken (Lehmwickel) u. die konstr. ablesbaren Holzbalken im EG bleiben erhalten. Die später angebrachten Holzverkleidungen der Holzbalken werden rückgebaut. Eine Brandschutz-Verkleidung ist nicht vorgesehen (Abweichungsantrag).
Die Dämmung, Schüttung sowie der Dielenbelag im DG der schadstoffbelasteten Decke über OG muss abgebrochen werden. Die Decke wird wärmedämmend ertüchtigt. An die Decke wird unterseitig als Gassperre eine aluminiumkaschierte Raufasertapete geklebt. Die schadstoffbelasteten Lehmweller bleiben erhalten, wenn der geplante Testraum mit der unterseitig angebrachten dampfsperrenden Tapete sich nach Messung der Raumluft als unbedenklich nutzbar erweist. Der Einbau einer zusätzlichen Abhangdecke mit Dampfsperre wurde anteilig als Risikokostenberücksichtigt. Die ursprüngl. Gestaltung der histor. Deckenuntersicht mit verputzten Balken und Freilegung der aktuell verdeckten Balken im OG ist nicht vorgesehen.
Bauzeitl. Dachstuhl u. Räucherwand
Der Dachstuhl ist weitgehend erhalten, abgängige Sparrenfüße und fehlende Stiele werden
wiederhergestellt oder statisch ertüchtigt. Die Dachpfannendeckung (Falzziegeldeckung von innen sichtbar ohne Mörtelverstrich) wird nach altem Bild wiederhergestellt und soll ohne Dämmung oder Windfolie ein Bild des histor. Dachstuhls wiederherstellen. Im DG befindet sich die noch erhaltene, teils abgängige Räucherwand. Die ehemals vorhandenen Gauben werden aus Kostengründen nicht wiederhergestellt. Die Erschließung über die Treppe in das DG wird baul. vom Dachstuhl durch einen Trockenbau“aufsatz“ aus F30-Wände mit dichtschließender, gedämmter T30RS- Tür abgegrenzt.
Bauzeitl., verputzte Fachwerkwände:
Die Wände bleiben erhalten und werden nur, wo unerlässlich, saniert, da Kosten für diese
Maßnahmen im Budget des TÜV Stufe 1 nur eng begrenzt enthalten sind.
Bauzeitl. Dielenböden:
Die nachträgl. eingebaute, obere Dielenlage im EG wird weitgehend abgebaut, um die darunter befindl. histor. Dielenböden wieder zugängl. zu machen u. eine annähernd barrierefreie Erschließung zu ermöglichen. Im Zuge der Erneuerung der abgängigen Teile der Unterkonstruktion wird der Boden im EG gedämmt, im gefliesten Bereich (Sanitär, Küche) und im mit Naturstein belegten Foyer sowie unter dem Aufzug wird als Tragschicht eine neue Bodenplatte und Dämmschicht eingebaut.
Histor. Holzfenster u. –türen nach bauzeitl. Vorbild
Teile der Fensterrahmungen gehen vermutl. auf die Bauzeit zurück. Viele Holzfenster sind nach histor. Bild erhalten. Die Türen sind weitgehend bauzeitl. erhalten, einige Beschläge wurden nachträglich angebracht. Die Fenster u. Türen werden soweit nötig saniert, abgängige modernere Fenster in Anlehnung an das alte Bild ergänzt. Hinter den einfachverglasten Fenstern wird ein innenliegendes Isolierfenster eingebaut, die Laibungen u. Brüstungen der Fensternischen werden gedämmt (mineralisch, verputzt). Die Türen, wo erforderlich gem. Anforderungen des Brandschutzgutachtens bedingt brandschutzertüchtigt.
Bauzeitl. Wandmalereien/ Farbgebungen der weiteren Bauteile:
Die ursprüngl. Fassungen der Wände, Decken, Dielen, Fenster, Türen und Treppen wurden durch einen Restaurator erfasst. Es wurden in den Kosten nur einfache, notw. Maler- u. Putzarbeiten berücksichtigt. Eine restaurator. Bearbeitung ist nicht vorgesehen. Ein umfassendes, die historischen Befunde berücksicht. Farbkonzept könnte im Zuge einer Budgeterweiterung abgestimmt werden. Vorgefundene Farbschichten könnten dann, wo techn. erforderlich, abgebeizt werden. Farbgebungen sind durch das Denkmalamt freizugeben.
Gewölbekeller:
Der histor. Gewölbekeller wird nicht saniert (s.o.). Sollte das Budget ausreichen, wird der
ursprüngl. Kellerausgang u. eine Außentreppe wiederhergestellt, so dass der feuchte Keller dann als Ausstellungsbereich nutzbar wäre, allerdings bei hoher Feuchtebelastung.