Kurze Beschreibung
Der Schulkomplex der Erich Kästner-Schule in Marburg-Cappel besteht derzeit aus mehreren
Gebäuden. Durch die jeweils bauzeittypische Formensprache der einzelnen, teils durch
Verbindungsgänge und -bauten miteinander verschnittenen Baukörper, stellt sich ein amorphes
Gesamtbild dar. Ein gestalterisches Gesamtkonzept ist nicht zu erkennen. Durch das heterogene
Gesamtbild fehlt der Schule ein „Adresse“, ein klar definierter Eingang.
Das Raumangebot deckt den Bedarf nicht mehr. Teile der Nachmittagsbetreuung mussten in das
Bürgerhaus ausgelagert werden. Die Umsetzung zeitgemäßer pädagogischer Konzepte ist in den
bestehenden Grundrissstrukturen nicht möglich. Darüber hinaus haben die Bestandsgebäude B und
K erhebliche Mängel wie fehlende Barrierefreiheit, funktionale und organisatorische Defizite, statische
Mängel, unzureichender Brandschutz und energetischer Sanierungsbedarf.
Aufgrund der o.g. Punkte wurde entschieden, die Gebäude B und K abzubrechen und durch einen
Neubau zu ersetzen, in dem auch die zu ergänzenden Räume für Betreuung und Mensa eingeplant
werden. Neben dem Abstellen der o.g. Defizite soll die Schule durch den Neubau auch eine
erkennbare "Adresse" durch einen gut platzierten Haupteingang erhalten.
Die Gebäude A, G, F, H und I bleiben erhalten. Im Gebäude A sind die Verwaltung, das Lehrerzimmer
und 3 Therapieräume untergebracht. Die Räume im Gebäude G werden als Fachklassen für Musik
und Werken genutzt. Das Gebäude H und I wird durch die Förderschule genutzt. Das Gebäude A
erhält einen kleinen Anbau mit Technikräumen und zusätzlichen Lagerflächen. Das
Bestandsgebäudes G erhält eine Fluchttreppe als 2. Rettungsweg mit Zugang zum derzeit als
Gemeinschaftsraum genutzten Raum im EG.
Projektbeschreibung Anbau
Das derzeit an das Gebäude A angrenzende Gebäude B wird abgebrochen. Dabei bleibt ein Teil des
Kellers des Gebäudes B stehen und dient als Bodenplatte für einen neuen eingeschossigen Anbau
an das Bestandsgebäude A. An den Abbruchkanten des verbleibenden Kellers müssen im Rohbau
statische Ergänzungen vorgenommen werden.
Der neue Anbau ist in Holzbauweise geplant, mit Wänden in Holzständerbauweise (teilweise
gedämmt) und einer Dachkonstruktion mit Dachbalken, Holzschalung und Folienabdichtung. Die
Außenwände erhalten eine vorgehängte, hinterlüftete Holzverkleidung. Im Bereich des Abbruchs des
Gebäudes B muss das bestehende Satteldach des Gebäudes A ergänzt werden, mit Holzsparren und
Ziegeldeckung.
Im neu geplanten Anbau ist ein Technikraum für den neuen Hausanschluss für die Elektroversorgung
des Areals der Erich Kästner-Schule vorgesehen, sowie ein Technikraum für die Wärmeversorgung
des Gebäudes A. Darüber hinaus entsteht ein Lagerraum für die Spielgeräte der Schule.
Projektbeschreibung Neubau
Das neue Schulgebäude besteht aus zwei rechteckigen, leicht zueinander versetzten Baukörpern, die
an der Nahtstelle durch eine zentrale Eingangshalle verbunden sind. Aufgrund der Topographie ist
dabei der südliche Baukörper 3-geschossig, mit ebenerdiger Anbindung an den unteren Schulhof und
der nördliche Baukörper 2-geschossig, mit Anbindung an den oberen Schulhof. Die Eingangshalle ist
das zentrale Erschließungselement des Gebäudes. Die Erschließung erfolgt über die Zugänge vom
unteren und vom oberen Schulhof. Über die offene, großzügige Treppe gelangt man in die jeweiligen
Etagen, wobei mit dem ebenfalls an die Eingangshalle angeschlossenen Aufzug auch eine
barrierefreie Erschließung aller Etagen gewährleistet ist. Die klare Konzeption der offenen
Eingangshalle bietet gute Sichtverbindungen in alle Bereiche und ermöglicht somit eine gute
Orientierung im Gebäude. Die Eingangshalle ist jedoch nicht nur Verkehrsfläche, sondern eine
zentrale Kommunikationszone bzw. Treffpunkt der Schüler, und lädt insbesondere mit der im EG zu
Sitzstufen verbreiterten Treppe zum Verweilen ein.
Die Erdgeschossfläche erstreckt sich lediglich unter dem südlichen Baukörper. Darin liegen im
hangseitigen Bereich ein zentraler WC-Kern sowie Lager- und Technikräume. Zum Schulhof orientiert
befindet sich der große Speiseraum mit angegliederter Küche und den erforderlichen Nebenräumen.
Die Küche hat eine eigene Anlieferung von Süden. Der Speiseraum erhält eine großzügige
Verglasung zum Schulhof und eine große Öffnung zur Eingangshalle. Über eine mobile Trennwand
kann diese Öffnung geschlossen, oder bei Bedarf zur Eingangshalle geöffnet werden, und ermöglicht
so eine vielfältige Bespielbarkeit dieses Bereichs.
Der Speiseraum im EG soll außerhalb der Unterrichtszeiten den Cappeler Bürgern und Vereinen für
Feiern oder andere externe Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden.
In den beiden oberen Geschossen befinden sich die Unterrichtsräume. Dabei ist in jedem Geschoss
je Gebäudekörper ein Cluster, ein sogenanntes „Lernhaus“ untergebracht. Die Unterrichts- und
Differenzierungsräume der Cluster gruppieren sich um eine zentrale Mittelzone, die sowohl der
Erschließung dient, als auch erweiterte Unterrichtsfläche ist. Diese Mittelzone wird so gegliedert und
möbliert, dass sie zu Unterrichtszwecken für Einzel- oder Gruppenarbeit, aber auch für die Betreuung
genutzt werden kann. Angemessene Öffnungen zwischen den Unterrichtsräumen und der Mittelzone
gewähren Durchblicke und gewährleisten so eine gute Beaufsichtigung der Kinder. In jedem Cluster
befindet sich auch ein kleiner Lehrerstützpunkt, so dass die Cluster in sich abgeschlossene „autarke“
Lernhäuser sind, mit denen sich die Schülergemeinschaft identifizieren kann und das Gruppengefühl
gestärkt wird. In jeder Etage befinden sich im Schnittpunkt zwischen den beiden Clustern zentrale
Toiletten, die auf kurzem Weg aus den Lernhäusern erreicht werden können.