Beschreibung der Beschaffung
Leistungsgegenstand dieser Ausschreibung ist ein Dienstleistungskontingent in Höhe von bis zu 2.075 Personentagen zur Unterstützung des Kompetenz Center Cans (KCC), über das es möglich ist, einen deutschsprachigen externen Dienstleister ("CANS-Spezialisten Barrierefreiheit") nach Bedarf zu beauftragen (Mindestabnahmemenge: 250PT).
Um kosten- und aufwandsintensive Nachbesserungen hinsichtlich der Barrierefreiheit von Oberflächen nach einer Barrierefreiheits-Begutachtung zu vermeiden, sollen die in dieser Leistungsbeschreibung ausgeschriebenen "Agilen Entwicklungsbegleiter" den Softwareentwicklern von Projektstart an Umsetzungsmöglichkeiten darstellen / anbieten.
Die unterstützenden Leistungen eines agilen Entwicklungsbegleiters sind insbesondere in folgendem Kontext zu erbringen:
- Unterstützung zu jeder Phase des Entwicklungsprozesses einer Anwendung
- Testung, Bewertung und Dokumentierung hinsichtlich der Qualität der Barrierefreiheit
- Einbringung von Lösungsvorschlägen oder Empfehlungen (Dokumentierung in geeigneter Form; diese wird mit dem Entwicklungsteam vor Beginn abgestimmt)
- anhand des aktuellen Standes und der Lösungsempfehlungen kann eine Aussage zum Handlungsbedarf für die jeweilige IT-Oberfläche wie folgt erfolgen:
o Gesamtergebnis mit Konformitätsbewertung nach aktueller BITV sowie Benutzbarkeitsbewertung (bei Bedarf)
o Übersicht über erfüllte, nicht erfüllte und nicht anwendbare Konformitätskriterien (es sollen Gründe für die Nichtanwendbarkeit von Kriterien angegeben werden); falls nicht erfüllte Kriterien vorliegen ist zu dokumentieren wie durch das Team damit umgegangen wird bzw. bis zu welchen Zeitpunkt die konforme Umsetzung stattfindet
- Auf Anfrage finden Vortests zu Fachverfahren statt, um einzuschätzen ob eine Begutachtung nach Los 1 sinnvoll ist. Dazu werden automatisierte Testwerkzeuge (z. B. PDF Accessibility Checker, Axe-Core) sowie manuelle Tests (mit Color Contrast Analyser oder die Hilfsmittel Jaws oder SuperNova) genutzt
- Kennen, Verstehen und Anwenden relevanter Normen, Richtlinien und Gesetze der Barrierefreiheit, wie EN 301 549, BITV 2.0, WCAG 2.1, DIN EN ISO 9241-171 in ihrer jeweils aktuell gültigen Fassung
- Analysekompetenz: Identifizieren und Beschreiben des Nutzungskontextes für Menschen mit Beeinträchtigungen sowie Ableiten von Nutzungsanforderungen in Abhängigkeit vom Nutzungskontext im Sinne eines Design-für-Alle-Ansatzes
o Speziell für sehbeeinträchtigte Benutzer
o Speziell für blinde Benutzer
o Speziell für motorisch beeinträchtigte Benutzer
o Speziell für hörgeschädigte und gehörlose Benutzer
o Speziell für kognitiv beeinträchtigte Benutzer
- Designkompetenz: Erstellen von Konzepten zur Umsetzung der Barrierefreiheit in digitalen Anwendungen basierend auf dem Nutzungskontext und den relevanten Benutzergruppen (z. B. Tastaturbedienungskonzept, Konzept zur Textstruktur, etc...)
- Prüfungskompetenz
o Planen und Durchführen von Barrierefreiheitstests digitaler Anwendungen (z. B. Web, Mobile, Software, Nicht-Web-Dokumente) in verschiedenen Umsetzungsphasen als kontext-spezifische Inspektion
o Identifizieren von Barrierefreiheitsproblemen aus Sicht der oben aufgeführten Nutzergruppen
o Sicherer Umgang mit der für die Prüfung der aktuellen Lösung notwendigen assistiven Technologien (wie z. B. Screenreadern, Bildschirmlupen oder Sprachassistenten)
- Bewertungskompetenz: Erkennen und Bewerten der Auswirkung von erkannten Abweichungen von Prüfkriterien sowie Klassifizieren von Barrierefreiheitsproblemen in Hinblick auf ihre Bedeutsamkeit