Beschreibung der Beschaffung
Die Stadtwerke Kiel (SWK) betreiben in der Landeshauptstadt Kiel ein Fernwärmenetz mit ca. 350 km Trassenlänge und etwa 7.000 Kundenanschlüssen für etwa 70.000 Wohneinheiten.
Als regionaler Wärmeversorger sind die SWK in der Pflicht den Anforderungen einer klimaneutralen Wärmewende nachzukommen. Daher beabsichtigt die SWK als einen Baustein der klimaneutralen Wärmewende eine Wärmepumpenanlage mit Nutzung der Kieler Förde als Umweltwärmequelle zu errichten. Diese besteht aus mindestens einer, ggf. auch zwei Ausbaustufen mit jeweils ca. 50 - 80 MW thermischer Ausspeiseleistung. Dazu gehören neben der eigentlichen Wärmepumpenanlage zusätzlich noch ein, ggf. auch zwei Wärmespeicher mit jeweils ca. 1500 MWh Wärmespeicherkapazität und die erforderliche Infrastruktur, um die erzeugte Wärme in das Fernwärmenetz einspeisen zu können. Der Abschluss der Inbetriebnahme ist für Mitte 2028 festgelegt, wobei die zweite Ausbaustufe der Wärmepumpen und der zweite Wärmespeicher ggf. erst Mitte 2033 in Betrieb genommen werden sollen.
Die Wärmepumpenanlage soll auf dem nördlichen Grundstücksteil des ehemaligen Gemeinschaftskraftwerk Kiel (GKK) errichtet werden. Die Vorhabenfläche grenzt direkt an die südliche Grundstücksgrenze des Gasmotorenkraftwerks der Stadtwerke Kiel an. Dort haben die Stadtwerke Kiel (SWK) in den letzten Jahren bereits ein neues Gasmotorenkraftwerk direkt an der Kieler Förde errichten lassen (Küstenkraftwerk). Das Küstenkraftwerk dient sowohl der Erzeugung von Strom als auch der Versorgung der Stadt Kiel mit Fernwärme.
Die für das Küstenkraftwerk installierten luftgekühlten Rückkühlanlagen liefern aber nur unzuverlässig bis zu ca. 40 % der erforderlichen Rückkühlleistung von ca. 250 MW. Daraus resultieren Einschränkungen, sodass mit dem Küstenkraftwerk derzeit keine ungekoppelte Stromerzeugung möglich ist. Zur Gewährleistung der stromseitigen Versorgungssicherheit und als Reaktion auf die Flexibilisierung der Energiemärkte wird daher von Seiten SWK angestrebt, die überschüssige Prozesswärme des GHKW mittels Seewassers aus der Kieler Förde als Rückkühlmedium abzuführen und einen rein stromgeführten Betrieb zu ermöglichen. Der Abschluss der Inbetriebnahme ist für Mitte 2028 festgelegt.
Zur Nutzung der Kieler Förde als Umweltwärmequelle sowie als Rückkühlmedium sollen die bestehenden Ein- und Auslaufbauwerke des ehemaligen GKK, welches sich aktuell im Rückbau befindet, ertüchtigt und weitergenutzt werden.
Die Errichtungs- und Montageleistungen des Projektvorhabens werden auf der Grundlage des Basic Engineerings bzw. Detail Engineerings und der darauf basierenden Leistungsbeschreibungen der hier ausgeschriebenen übergeordneten Planungs- und Koordinierungsdienstleistungen über europaweite Ausschreibungen an einen oder mehrere Wirtschaftsteilnehmer vergeben.
Dabei ergibt sich die durch den AN zu erbringende Planungs- und Koordinierungstiefe aus dem Los-Vergabe-Konzept. Dieses sieht im Basisszenario eine Aufteilung des gesamten Projektumfangs in mehrere einzelne funktionale Anlagen- und verbindende Infrastruktur-Lose vor. Diese sollen mit Ausnahme der Wärmepumpenanlage vorzugsweise mit funktionalen Ausschreibungen jeweils an einen Generalunternehmer vergeben werden. Die Wärmepumpenanlage ist wiederum in mehrere Lose unterteilt, wobei die Wärmepumpenmodule mit einer funktionalen Ausschreibung an einen Wärmepumpenlieferant vergeben werden sollen und die für die Wärmepumpenanlage zusätzlich erforderliche Infrastruktur mit massenbezogenen Leistungsverzeichnissen für Bau-, Anlagen- und Elektrotechnik entsprechend der Anforderungen der beschafften Wärmepumpenmodule an weitere Los-Auftragnehmer.
Das Basisszenario des Los-Vergabe-Konzepts soll durch den AN im Rahmen der Projektbearbeitung hinsichtlich der Optimierung von Planungs- und Bauzeiten finalisiert werden, so dass sich die erforderliche Tiefe der Planungs- und Koordinierungsdienstleistungen durch den AN im Projektverlauf verändern kann. Das Los-Vergabe-Konzept ist in der Anlage „Los-Vergabe-Konzept“ dargestellt.
Gegenstand dieser Anfrage sind die erforderlichen übergeordneten Planungs- und Koordinierungsdienstleistungen mit
• Projektmanagement
• Definition der Grundlagen
• Genehmigungsplanung und Genehmigungsmanagement
• Basic Engineering
• Detail Engineering (in erforderlichem Umfang je nach Los-Vergabe-Konzept)
• Erarbeiten der funktionalen Leistungsbeschreibungen und massenbezogenen Leistungsverzeichnisse für die verschiedenen Los-Vergaben
• Mitwirkung bei der Ausschreibung und Vergabe von einzelnen Losen, die zusammengefasst vorzugsweise zur Vergabe von in sich geschlossenen, funktionalen Anlagen durch je einen Generalunternehmern (EPC) führen
• Schnittstellenkoordination
• Prüfung des Detailengineerings der Los-Auftragnehmer / Generalunternehmer
• Bauüberwachung
• Bauleitung (in erforderlichem Umfang je nach Los-Vergabe-Konzept)
• Inbetriebnahmeüberwachung
• Inbetriebnahmeleitung (in erforderlichem Umfang je nach Los-Vergabe-Konzept)
• Qualitätssicherung
• Claim Management und Dokumentation
• Gewährleistungsmanagement