Restauratorische Fachplanung / Begleitung der Sanierungsarbeiten im Neues Palais in Potsdam Sanssouci, Restaurierung der Decke zwischen Marmor- und Grottensaal im Zeitraum 2011-2017

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Vergabestelle

Die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg beabsichtigt in der Zeit von 2011 bis 2017 eine Gesamtsanierung des Neuen Palais in Potsdam Sanssouci. Das Bauensemble Neues Palais zählt zu den größten historischen Schlossanlagen Europas. Es ist als Denkmal in der UNESCO Welterbeliste im Komplex der Gebäude und Anlagen der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), Potsdamer Kulturlandschaft eingetragen.
Nach der Zerstörung der Residenzschlösser in Berlin und Potsdam ist das Neue Palais in der Pracht und Vielfalt seiner erhaltenen originalen Ausstattung die bedeutendste Schlossanlage der Hohenzollern. Das Neue Palais wurde zwischen 1763-69 im Auftrag Friedrich II. unter Leitung der Architekten Bühring, Manger und Gontard als Sommerresidenz und Gästehaus errichtet. Die Dreiflügelanlage, mit Ehrenhof und kleinen Seitenflügeln, ist ein unterkellerter, dreigeschossiger Bau in Kolossalgliederung mit skulpturengeschmückter Attika. Das Neue Palais ist ein verputzter Ziegelbau mit aufgemaltem Sichtmauerwerk und materialsichtigen Natursteinelementen. Neben den prächtigen Festsälen, dem integrierten Theater und den etwa 200 aufwendig dekorierten historischen Wohnräumen besitzt Schlossgebäude vom unterirdischen Speisetunnel bis zum wilhelminischen Badezimmer eine Vielzahl von historischen Funktionsräumen. Seit 1926 wird das Neue Palais als Museum genutzt.
Das Neue Palais wurde in seiner weit über 200-jährigen Geschichte bisher keiner grundlegenden Instandsetzung unterzogen. Die kaiserliche Nutzung veranlasste um die Wende zum 20. Jahrhundert lediglich partielle Veränderungen und Reparaturen. Heute sind schwerwiegende Schäden der Bausubstanz und der künstlerischen Ausstattung bekannt. Im Februar 2008 musste der Marmorsaal für die Besucher gesperrt werden, da bei Untersuchungen der Konstruktion der darunter liegenden Holzbalkendecke Schädigungen der Holzkonstruktion festgestellt wurden.
Die Baumaßnahmen Sanierung und Restaurierung des Neuen Palais soll in Teilbauabschnitten bis 2017 durchgeführt werden. Zunächst ist die Sanierung des Sockel- und Dachgeschosses sowie die Decke zwischen Marmor- und Grottensaal geplant. Besondere Bedeutung kommt dabei der Erstellung umfassender Sanierungs- und Restaurierungskonzepte zu, die die unterschiedlichen Anforderungen und Materialien des Bauwerkes sowie dessen Zeitschichten berücksichtigen und der restauratorischen Begleitung der Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen.
Der Marmorsaal (18,4m x 30,60 m) nimmt als Hauptfestsaal die gesamte Breite des Mittelrisalites und die Höhe von zwei Stockwerken ein. Von Carl von Gontard, Entstehungszeit 1763 ? 1769, nach dem Vorbild des Marmorsaals im Potsdamer Stadtschloss gestaltet, wurde er mit verschiedenen farbigen polierfähigen Gesteinen ausgestaltet. Der inkrustierte Fußboden ist eine Arbeit von Melchior Kambly. Der darunter, im Erdgeschoss befindliche Grottensaal ist ein dreischiffiger, querrechteckiger Raum mit längs gewölbten Seitenschiffen und viertelgewölbten Voutenbereichen. Fußboden und Wandbereiche sind in variantenreichen Werktechniken mit Natursteinen bekleidet. Die Decke des Saals weist aufwändige Grottierungen und auf Putz gemalte Deckengemälde auf.
Restaurierungsfachgebiete für die Maßnahme sind insbesondere:
— Restaurierung für Architekturfassung/Wandbild mit unterschiedlichen Fassungen (inkl. Polimentvergoldungen oder Grottierungen) auf sämlichen Trägermaterialien, wie Putz, Stuck, Stein, Holz, Metall etc., sowie Restaurierung von Natursteinen, als Skulpturen, als Inkrustation und deren Unterlage, als Baumaterial etc.,
— Im Rahmen der Maßnahmen werden ggf. Kenntnisse zu anderen Restaurierungsfachgebieten erwartet, wie Metall-, Holz-, Gemälde- und Papierrestaurierung, sowie Kenntnisse zu keramischen Arbeiten, Glasmaterialien etc. ? insbesondere durch die erforderliche Bestandsaufnahme, Sicherung und ggf. Verlagerung deponierter Kunstgüter und Spolien.
Folgende Grundlagen zur Sanierung und Restaurierung liegen bereits vor:
— Grundlagenermittlung und Restaurierungskonzepte für die Decke im Grottensaal (Grottensaalbekleidung und Malerei mit Maßnahme- und Arbeitsprobenkatalog, Leistungskatalog und Kostenkalkulation nach DIN 276),
— Restaurierungskonzept inkrustierter Fußboden Marmorsaal.
Umfang der zu vergebenden restauratorischen Planungsleistungen.
— Analyse der Grundlagen:
Sichtung und Analyse der vorhandenen Bestandsuntersuchungen und Schadenskartierungen;
Ermitteln des Bedarfs weiterer, ergänzender Untersuchungen;
— Projekt- und Planungsvorbereitung (Vorplanung):
Erarbeitung der Aufgabenstellung einschließlich der Untersuchung von Varianten und Alternativen;
Abstimmung mit den Fachabteilungen der SPSG und den weiteren Planungsbeteiligten;
Aufstellen eines Zeit- und Organisationsplans;
Kostenschätzung.
— Entwurfsplanung:
Ausarbeitung eines Restaurierungskonzeptes unter Berücksichtigung aller fachspezifischen Anforderungen;
Beschreibung und Darstellung der fachspezifischen Leistungsbilder; Erstellung von Fachplanungsunterlagen;
Kostenberechnung.
— Genehmigungsplanung:
Zuarbeit und Mitwirkung bei der Aufstellung einer Haushaltsunterlage.
— Ausführungsplanung:
Erarbeitung von ausführungsreifen Fachplanungen für Restaurierungsleistungen;
— Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe:
Aufstellen von Leistungsverzeichnissen für Restaurierungsleistungen;
Zusammenstellung der Verdingungsunterlagen;
Prüfung und Wertung der Angebote.
— Objektüberwachung:
Überwachen und Koordinieren der Fachplanung;
Fortschreiben und Aktualisierung der Zeitpläne;
Kostenkontrolle.
— Dokumentation:
Zusammenstellen der Fachplanungs- und Ausführungsergebnissen (Dokumentationen).
Die restauratorische Fachplanung und Betreuung der Ausführung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem beauftragten Objektplaner sowie in enger Abstimmung mit den Fachbereichen Restaurierung der SPSG und allen weiteren Planungsbeteiligten.
Die Vergabe erfolgt in Analogie zu § 33 der HOAI stufenweise, ohne Rechtsanspruch auf die Beauftragung aller Leistungsphasen. Die Bildung von Arbeitsgemeinschaften ist möglich.
Der Auftraggeber behält sich vor, für zusätzliche Leistungen einen gesonderten Preiswettbewerb durchzuführen.
Die Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahme der Decke zwischen Marmor- und Grottensaal zeichnet sich wie folgt aus:
1. Typologie: Kulturbauten
2. Art der Maßnahme: Restaurierung von denkmalgeschützter Bausubstanz; Ausführung in Denkmalen der UNESCO Welterbeliste
3. Größenordnung Decken-/Bodenfläche: gesamt rd. 550 m²
4. Fertigstellung Maßnahme 2015
5. Gesamtbaukosten (Kgr. 200-700 nach DIN 276 neu) für die Sanierung und Restaurierung des Neuen Palais: rd. 26 000 000 ? brutto, davon für die Decke zwischen Marmor- und Grottensaal: rd. 4 500 000 ? brutto

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2011-08-11. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2011-07-11.

Wer?

Wie?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2011-07-11 Auftragsbekanntmachung