CATI-Erhebung zur Rekrutierung von Auszubildenden

Bundesinstitut für Berufsbildung

Die duale Berufsausbildung nach Berufsbildungsgesetz/Handwerksordnung (BBiG/HwO) hat in Deutschland traditionell einen hohen Stellenwert. Sie eröffnet einem Großteil der Jugendlichen einen qualifizierten Einstieg in das Beschäftigungssystem und bietet Betrieben die Möglichkeit, ihren Fachkräftebedarf zu sichern und damit ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten.
Allerdings sehen sich Betriebe, die diese Möglichkeit der Bedarfsdeckung nutzen wollen, seit einiger Zeit mit vermehrten Schwierigkeiten konfrontiert, die von ihnen angebotenen Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Die Problematik ist allerdings je nach Region sowie Ausbildungsberuf sehr unterschiedlich ausgeprägt.
In diesem Zusammenhang hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Anfang 2012 das Projekt „Rekrutierung von Auszubildenden – Betriebliches Rekrutierungsverhalten im Kontext des demografischen Wandels“ gestartet. Dem Projekt liegt ein breites Verständnis von Rekrutierung zugrunde; Rekrutierung wird als ein übergeordnetes Konzept verstanden, das alle Aktivitäten im Zusammenhang mit der Besetzung einer Ausbildungsstelle – von der Entscheidung, eine Stelle anzubieten, über die Suche und Auswahl von Bewerbern und Bewerberinnen bis hin zum Vertragsabschluss und Antritt der Stelle – umfasst. Ziele des Forschungsprojektes bestehen u.a. darin, das derzeitige Vorgehen von Betrieben mit Ausbildungsplatzangeboten bei der Rekrutierung von Auszubildenden zu ermitteln, berufs- und regionalspezifische Unterschiede und Besonderheiten im Rekrutierungsverhalten aufzudecken und die jeweiligen Vorgehensweisen mit dem Auftreten oder Ausbleiben von Schwierigkeiten und Vakanzen bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen in Beziehung zu setzen.
In der ersten, bereits abgeschlossenen Erhebungsphase wurden qualitative Interviews mit Personalverantwortlichen aus Betrieben geführt, die Ausbildungsplätze in einem von vier ausgewählten dualen Ausbildungsberufen anboten. In der zweiten Erhebungsphase sollen die über die qualitative Studie gewonnenen Erkenntnisse und hieraus abgeleiteten Hypothesen statistisch überprüft werden. Für eine breitere Absicherung der Befunde wird zudem das Spektrum der Ausbildungsberufe auf insgesamt zehn Ausbildungsberufe nach BBiG/HwO ausgeweitet. Zu diesem Zweck soll eine standardisierte Telefonbefragung von 2.200 Ausbildungsbetrieben (Nettofallzahl) durch qualifizierte Interviewer mit computertechnischer Unterstützung (CATI) erfolgen (Haupterhebung). Konkret sind die Telefoninterviews mit Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe zu führen, die für das aktuelle oder vorherige Ausbildungsjahr mindestens eine Ausbildungsstelle in einem der zehn für die Erhebung ausgewählten Ausbildungsberufe angeboten und den zur Besetzung der angebotenen Ausbildungsstellen erfolgten Rekrutierungsprozess selbst durchgeführt haben (Zielgruppe). Um die regionalspezifischen Unterschiede ermitteln zu können, ist eine Zuordnung der Betriebe zu Arbeitsagenturbezirken und auf dieser Basis zu den vier vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gebildeten Ausbildungsmarkttypen erforderlich.
Für die Berechnung von Gewichtungsfaktoren ist es erforderlich, im Rahmen des für die Haupterhebung notwendigen Screeningprozesses bei allen kontaktierten Betrieben zu erfassen, in welchen Ausbildungsberufen nach BBiG/HwO sie aktuell ausbilden, und zwar unabhängig davon, ob die Betriebe zur Zielgruppe gehören oder nicht.
Einen gesonderten Bestandteil der Haupterhebung stellen Betriebe dar, die nicht zur Zielgruppe gehören, weil sie den Rekrutierungsprozess zur Besetzung der in den interessierenden Ausbildungsberufen angebotenen Ausbildungsstellen nicht selbst durchführen. Für diese ist zusätzlich zu den 2.200 Interviews mit der Zielgruppe zu ermitteln, wer die Rekrutierung an ihrer Stelle durchführt.
Das bei der Telefonbefragung für die Haupterhebung einzusetzende Instrument wird inhaltlich vom Auftraggeber vorgegeben. Der Fragebogenentwurf kann beim Auftraggeber angefordert werden. Er ist Bestandteil der Leistungsbeschreibung. Der vom Auftraggeber vorgegebene Fragebogen soll in ein CATI-Programm umgesetzt und in dieser Umsetzung einem Pretest unterzogen werden. Im Rahmen des Pretests ist auch zu überprüfen, welches die geeignetste Form der ersten Kontaktaufnahme mit den Betrieben ist. Vorschläge für die Ausgestaltung der Kontaktaufnahme sind im Angebot darzulegen.
Nach Abschluss des Pretests wird das Instrument vom Auftragnehmer in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber überarbeitet. Mit dem überarbeiteten Instrument ist vom Auftragnehmer die Haupterhebung durchzuführen. Die Haupterhebung bezieht sich auf das Verhalten von Kleinst-, Klein- und Mittelbetrieben bei der Rekrutierung von Auszubildenden für insgesamt zehn ausgewählte Ausbildungsberufe nach BBiG/HwO. Eine Übersicht über die zehn ausgewählten Ausbildungsberufe nach BBiG/HwO kann Anlage A entnommen werden. Die für die Telefoninterviews zu gewinnenden Adressaten in den Betrieben sind die für die Rekrutierung von Auszubildenden Verantwortlichen. Insbesondere in kleineren Betriebe dürfte dies der Geschäft-/Betriebsinhaber sein, in Betrieben, in denen die Rekrutierung von Auszubildenden nicht dem Geschäfts-/Betriebsinhaber obliegt, dürften Personalleiter und/oder Ausbildungsverantwortliche die gewünschten Gesprächspartner sein.
Für die Realisierung der Haupterhebung werden dem Auftragnehmer von der Bundesagentur für Arbeit (BA) Adressen von ca. 30.000 Betrieben (Bruttostichprobe) zur Verfügung gestellt. Die Bruttostichprobe wird nach Vorgaben des Auftraggebers aus der Betriebsdatei der BA zufällig gezogen. Es ist einerseits davon auszugehen, dass ein Teil der in der Brutto-Stichprobe enthaltenen Betriebe in keinem der zehn ausgewählten Berufe ausbildet und auch keine entsprechenden Ausbildungsplätze angeboten hat. Andererseits können aber auch Betriebe enthalten sein, die Stellenangebote in mehreren der ausgewählten Berufe hatten. In diesen Betrieben darf die Erhebung zum betrieblichen Rekrutierungsverhalten jeweils nur für einen der ausgewählten Ausbildungsberufe erfolgen. Vom Auftragnehmer ist ein Konzept zu erstellen, wie in diesen Fällen festgelegt werden soll, für welchen Ausbildungsberuf die Erhebung stattfindet. Hierbei ist auch die vom Auftraggeber vorgegebene Verteilung der Nettostichprobe von 2.200 Fällen auf die zehn einzubeziehenden Ausbildungsberufe (vgl. Anlage A) zu berücksichtigen.
Der Auftragnehmer hat die erhobenen Daten mit Hilfe geeigneter Programme und Routinen auf Plausibilität zu überprüfen. Die Routinen sind mit dem Auftraggeber abzustimmen. Zur Anpassung der Struktur der realisierten Stichprobe an die Grundgesamtheit sind vom Auftragnehmer geeignete Gewichtungsfaktoren zu berechnen und dem Datensatz zuzufügen. Über die Durchführung des Auftrages fertigt der Auftragnehmer einen Abschlussbericht an. Der Schwerpunkt des Abschlussberichtes liegt dabei auf dem methodischen Vorgehen. Eine Grundauswertung der erhobenen Daten ist dem Abschlussbericht als Anhang beizufügen.
Näheres hierzu: siehe Leistungsbeschreibung.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2014-03-07. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2014-01-21.

Wer?

Wie?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2014-01-21 Auftragsbekanntmachung
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