Wissenschaftliche Dienstleistung 21303 "Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen"

Bundesinstitut für Berufsbildung

Ziel des Auftrags
1. Zu erbringende Leistungen im Einzelnen
Im Rahmen der BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen (siehe www.qube-projekt.de) soll eine Bevölkerungsprojektion nach Altersgruppen, Geschlecht, Ausbildungsstatus, Qualifikationsniveau, erlerntem Beruf und Regionen bis zum Jahr 2035 bereitgestellt, jährlich aktualisiert und methodisch verfeinert werden. Die Grundlage der Projektion müssen entsprechend Helmrich/Zika (Hrsg., 2010) bzw. Maier/Zika u.a. (2014a) Übergangsmodelle darstellen, nach denen beginnend mit einer Ausgangspopulation zukünftige qualifikationsspezifische Bevölkerungsgruppen über Zu- und Abgänge aus dem Bildungssystem modelliert werden können.
Für den ausgeschriebenen Zeitraum von zwei Jahren und optional drei weiteren Jahren muss die Bevölkerungsprojektion nach Qualifikationsstufen auf der Basis neuer und aktueller Datengrundlagen kontinuierlich aktualisiert werden, so dass der bisherige Veröffentlichungsturnus von ca. zwei Jahren beibehalten werden kann. Der Detailgrad der bisherigen Modellierung, der auch in Zukunft mindestens beibehalten werden muss, wird in den Punkten 1.1.) bis 1.3.) beschrieben.
Neben der jährlichen Aktualisierung der bisherigen Datenbasis muss der Datenstand auch erweitert und die Modellierungsmethodik im Vergleich zum bisherigen Stand verfeinert werden. Die Aktualisierung ist dann entsprechend des erweiterten Models vorzunehmen. Geplante Modellerweiterungen im Rahmen des QuBe-Projektes werden unter Punkt 1.4.) beschrieben. Es besteht kein Anspruch auf die Durchführung von einer der in 1.4.) aufgeführten Punkte. Sie stehen beispielhaft für eine Modellerweiterung und müssen in der Kalkulation des Angebots mit einbezogen werden. Davon abweichend behält sich der Auftraggeber vor zu Beginn des Dienstleistungsvertrages und zu Beginn eines jeden Kalenderjahres mit dem Auftragnehmer über die inhaltlichen Erweiterungen der qualifikationsspezifischen Bevölkerungsprojektion zu verhandeln. Maßstab für die Verhandlungen stellen die durchschnittlichen Kosten je Arbeitseinheit und die jeweils veranschlagte Arbeitszeit für die Punkte 1.1.) bis 1.4.) dar.
1.1.) Gliederungstiefe der Bevölkerungsprojektion
Die Angebotsprojektion der BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen weisen einen hohen Detailgrad auf, der auch künftig beibehalten werden muss. In der Bevölkerungsprojektion ist deshalb auf Bundesebene (Bundesrepublik Deutschland) in Frauen und Männer, Altersgruppen (in 5-Jahres-Gruppen), Qualifikationsstufen nach ISCED (1,2,3a / 3b,4 / 5b / 5a,6 sowie Personen in Ausbildung), derzeitigem Ausbildungsstatus (allgemeinbildende Schule, berufliche Ausbildung, Studium) und erlernten Beruf (54 BIBB-Berufsfelder sowie Personen ohne erlernten Beruf und in Bildung) zu unterscheiden. Zudem muss die Angebotsprojektion disaggregiert nach Regionen, kompatibel zu den Ergebnissen auf Bundesebene, sein. Dies bedeutet dass die Bevölkerungsentwicklung nach Qualifikationen in derselben Gliederungstiefe wie für den Bund auch für die sechs Regionen
— Nord: Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen;
— NW: Nordrhein-Westfalen
— West: Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland
— BW: Baden Württemberg
— BY: Bayern
— Ost: Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen
ausgewiesen werden muss. Eine Ausnahme bildet dabei die Untergliederung nach Berufsfeldern. Hier muss zur Wahrung einer ausreichenden Zellbesetzung lediglich zwischen 20 erweiterten Berufshauptfeldern (sowie Personen ohne Berufsabschluss und Personen in Bildung) unterschieden werden.
1.2.) Datengrundlagen der Angebotsprojektion
Als Grundlage für eine Bevölkerungsprojektion nach Qualifikationsstufen ist die aktuellste koordinierte Bevölkerungsprojektion des Statistischen Bundesamtes zu verwenden (derzeit 12. koordinierte). Zudem sind die aktuellsten Vorausberechnungen der Studienanfängerzahlen und der Schüler- und Absolventenzahlen der Kultusministerkonferenz und entsprechende Fachserien des Statistischen Bundesamtes zu berücksichtigen. Die Unterteilung der Bevölkerung nach Geschlecht, Altersgruppen, Qualifikationsniveau, erlerntem Beruf und Ausbildungsstatus wird für die vergangenen Jahre vom Auftraggeber zur Verfügung gestellt.
1.3.) Anforderung an die Modellierung
Maßgebend für die Leistungsfähigkeit einer Bevölkerungsprojektion nach Qualifikationen ist die detaillierte Darstellung des Bildungsbereiches. Das Modell muss deshalb den Bildungsbereich in Anlehnung an die ehemalige Bildungsgesamtrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in (Status-)Konten für Übergänge und Bestände des allgemeinbildenden Schulwesens und (Status-)Konten für Bestände und Übergänge im beruflichen Bildungswesen darstellen. Im Einzelnen ist eine Differenzierung erforderlich zwischen:
— Absolventen des allgemeinbildenden Sekundarbereichs I mit oder ohne Hauptschulabschluss
— Absolventen des allgemeinbildenden Sekundarbereichs I mit mittlerem Bildungsabschluss (Realschulabschluss),
— Absolventen des allgemeinbildenden Sekundarbereichs II mit Hochschulreife)
sowie:
— Berufsgrundbildungs-, Berufsvorbereitungsjahr in Vollzeitform
— Berufsvorbereitende Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit
— Berufsfachschulen (Voll- und Teilzeit), Berufsaufbauschulen (Vollzeit) und Kollegschulen NW in Teilzeitform
— Duales System (betriebliche Lehre)
— Schulen des Gesundheitswesens
— Fachschulen (einschließlich Meister- und Technikerschulen) in Vollzeitform, Fach- und Berufsakademien
— Fachoberschulen (Voll- und Teilzeit), Kollegschulen NW in Vollzeitform
— Fachgymnasien
— Fachhochschulen
— Universitäten
Zudem müssen auch Kinder im nicht schulpflichtigen Alter sowie Personen „nicht in Ausbildung“ (einschließlich Wehr- und Sozialdienstleistende) berücksichtigt und die Übergänge aus und in das Bildungssystem modelliert werden. Auch Abgänge (Abwanderung, Todesfälle) und Zugänge (Zuwanderung und Geburten) müssen erfasst werden. Die detaillierte Betrachtung der (Status-)Konten muss auch für die sechs Regionen beibehalten werden, so dass auch hier eine Bottom-Up-Modellierung erfolgt.
Durch die Verwendung externer Bildungsprojektionen (siehe auch Punkt 1.2.), die auch der mittelfristigen Finanzplanung in unterschiedlichen Ressorts zugrunde liegen, muss eine weitgehende Kompatibilität zu den Annahmen der Bundesregierung im bildungspolitischen Bereich erzielt werden. Notwendig ist zudem die Modellierung sowohl der Binnen- als auch Außenwanderungsbewegungen zwischen bzw. in den Regionen. Es sind dabei Lösungsansätzeerforderlich, die auch die Qualifikationsstruktur der Binnen- und Außenwanderer erfassen.
1.4.) Erweiterung des Datenbestandes und Verfeinerung der Modellierungsmethodik
Neben den Aktualisierungen der Projektion am aktuellen Rand, muss die Bevölkerungsprojektion nach Qualifikationsstufen auch erweitert und ergänzt werden. Hierzu werden im Folgenden drei mögliche Szenarien vorgestellt, die in der Modellierung denkbar sind. Der Auftragnehmer muss für diese möglichen Szenarien das benötigte Arbeitsvolumen aufführen, das er benötigt, um die Modellierungswünsche durchzuführen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die oben beschriebene Detaillierungstiefe beibehalten werden muss. Die Kalkulation ist inhaltlich zu begründen. Die Aufstellung dient der Kostenabschätzung für die Erstellung zukünftiger möglicher Berechnungen. Diese müssen nicht den aufgeführten möglichen Szenarien entsprechen. Der Auftragnehmer hat deswegen keinen Anspruch auf die Ausführung der im Folgenden aufgeführten Arbeiten. Der Auftraggeber behält sich vor zu Beginn des Dienstleistungsvertrages und zu Beginn eines jeden Kalenderjahres mit dem Auftragnehmer über die inhaltlichen Erweiterungen der qualifikationsspezifischen Bevölkerungsprojektion zu verhandeln. Sollten die Modellerweiterungen den in den Punkten 1.4.1-1.4.3. aufgeführten Szenarien entsprechen, so ist das erstellte Angebot für diese drei Szenarien für den Auftragnehmer bindend.
1.4.1.) Veränderung der Berufsklassifikation
Die Klassifikation der Berufe aus dem Jahre 1992 (KldB92) des Statistischen Bundesamtes sowie die Klassifikation der Berufe 1988 der Bundesagentur für Arbeit (KldB88) sind mittlerweile durch die neue Klassifikation der Beruf 2010 (KldB2010) abgelöst . Die BIBB-Berufsfelder, welche die berufliche Differenzierungseinheit der Bevölkerungsprojektion darstellen, fußen auf der KldB92. Im Mikrozensus des Statistischen 2011 wird jedoch bereits die KldB2010 erfasst, so dass für die Zukunft eine Umbildung der Berufsfelder oder eventuell ein Rückgriff auf die KldB2010 stattfinden müsste. Die Datengrundlage wird hierfür vom BIBB aufbereitet und dem Auftragnehmer zur Verfügung gestellt. Es ist aber damit zu rechnen, dass sich die Anzahl der zu modellierenden Berufe unter Umständen verändert. Der Auftragnehmer hat deshalb auszuführen, welches Arbeitsvolumen er benötigt um ein Modell von 54 Berufsfeldern auf beispielhaft 60 Berufsfelder zu Erweitern. Es muss dabei angenommen werden, dass auch für die Vergangenheitsdaten eine Korrektur der Berufsklassifikation stattfindet, so dass sich beispielsweise auch das formale Qualifikationsniveau innerhalb einiger Berufsfelder verändern könnte.
1.4.2.) Alternative Bevölkerungsprojektion/Verändertes Wanderungssaldo
Die BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen fußen auf der jeweils aktuellsten koordinierten Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Bundesamtes. In der 3. Projektionswelle des Projektes (Maier/Zika u.a. 2014b) wurde dabei auf die Variante 1W2 zurückgegriffen, die von einer Nettowanderung von rund 200 000 Personen ab dem Jahr 2014 ausgeht. Bei einem weiteren Anstieg der Nettozuwanderung nach Deutschland ist aber in Betracht zu ziehen, inwieweit beispielsweise eine höhere Zuwanderungsannahme realistisch wäre. Der Auftragnehmer hat deshalb auszuführen, welchen Arbeitsaufwand er benötigen würde, um neben der Aktualisierung des Modells ein zusätzliches alternatives Zuwanderungssaldo von beispielsweise 300 000 per anum im Modell zu implementieren. Die Gliederungstiefe der koordinierten Bevölkerungsvorausrechnung soll dabei erhalten bleiben, allerdings soll die Anzahl der ab- und zuwandernden Personen in diesem Szenario verändert werden. Die Qualifikationsstruktur des Zuwanderungssaldos muss dabei der des Neuangebotes entsprechen.
1.4.3.) Veränderung von Erfolgsquoten im Beruflichen Ausbildungssystem
In der Angebotsprojektion der BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen werden die Erfolgsquoten im allgemein- und berufsbildenden Bereich für den Projektionszeitraum bislang konstant gehalten. Denkbar ist aber auch, dass diese sich z.B. aufgrund einer vermehrten Unterstützung benachteiligter Jugendlicher verbessert. Der Auftragnehmer muss deshalb ausführen, welchen Arbeitsaufwand er benötigt, um eine Halbierung der Abbrecherquoten im beruflichen Bereich bis zum Jahre 2025 vorzunehmen. Zudem muss er über Literaturrecherchen bzw. eigene kleine Datenauswertungen empirisch untermauern, inwieweit sich die Integration von Studienabbrechern im beruflichen Ausbildungsbereich in den letzten 10 Jahren verändert hat und einen möglicherweise feststellbaren Trend im Modell implementieren.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2014-05-13. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2014-04-01.

Wer?

Wie?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2014-04-01 Auftragsbekanntmachung
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