Ausstellungsplanung und Überwachung der Umsetzung für die Neueinrichtung der Dauerausstellung des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam. Entwurf und Umsetzung eines Gestaltungskonzeptes (inkl. Szenografie, Grafik, und Einrichtung)

Hansestadt Anklam

(1. Anklam, Einführung)
Geschichte und Gegenwart der Hansestadt Anklam sind durch ihre Lage in räumlicher Nähe zur Ostsee maßgeblich geprägt. Am Ufer der Peene auf einer leichten Anhöhe gelegen, bietet die Stadt ideale Verkehrs-Verbindungen vom Hinterland in den gesamten Ostseeraum. Von dem daraus resultierenden Wohlstand als Mitglied des mittelalterlichen Hanse-Verbundes legen noch heute der Stadtgrundriss und einige die Zeiten überdauernde historische Gebäude Zeugnis ab.
Nach der politischen Wende 1989 setzten intensive Vorhaben mit dem Ziel ein, die Identität der gewachsenen Stadt wieder zu stärken. Das hier beschrieben Vorhaben ist als ein wesentlicher Baustein der Stadtreparatur im Zentrum der Stadt zu verstehen.
Neben dem Peenefluss, der Stadtbefestigung mit ihren Toren, dem Markplatz und der Marienkirche spielte die Nikolaikirche (Bauzeit 1280 bis etwa 1498) durch ihre Funktion als Marktkirche eine zentrale Rolle in der Konstitution der bürgerlich/ständisch verfassten Hansestadt Anklam. Sie diente als bauliches Zeichen der Orientierung ihrer Bürger, war geistig/religiöses Zentrum, Versammlungsort, Bühne der Bürger und Stände, und Seezeichen gleichermaßen.
Durch ihre Zerstörung in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges (29. April 1945) ging diese Rolle – scheinbar unwiederbringlich – verloren. Nur Teile der Sakristei, der Turmschafft, die Pfeiler des Kirchenschiffes, sowie die Außenmauern dieses hervorragenden baulichen Zeugnisses der Norddeutschen Backsteingotik überdauerten als Ruine bis in die 1990iger Jahre.
(2. Grundstück)
Die Nikolaikirche ist Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde Anklam in der pommerschen Evangelischen Kirche. Im Oktober 2004 wurde sie als Kirche entwidmet und in Erbpacht an die Hansestadt Anklam übergeben.
Das Bestandgebäude wird als Einzeldenkmal unter der Bezeichnung ‚Kirche St. Nikolai Anklam’ in der Liste der Baudenkmale des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Stadt Anklam unter der Pos.-Nr. 290 geführt. Die bisher durchgeführten Sanierungsarbeiten sowie alle noch ausstehenden Arbeiten am Bestand und für die notwendigen baulichen Ergänzungen sind in enger Abstimmung mit den in einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahre 2006 formulierten denkmalpflegerischen Zielen und Bedingungen durchzuführen. Der Wiederaufbau des Turmhelmes, welcher einstmals das historische Stadtbild Anklams entscheidend prägte, wird aus der Sicht des Denkmalschutzes als sehr wichtiges Anliegen gewertet. Aus denkmalpflegerischer Sicht kann das Spektrum der Formensprache bei einem Wiederaufbau im historischen Bestand von der Rekonstruktion im historischen Erscheinungsbild bis hin zu einer modernen Architekturinterpretation gehen (Stellungnahme des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, März 2010).
(3. Auftragsgegenstand)
Entwurf eines Gestaltungskonzeptes für die Neueinrichtung der Dauerausstellung des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam, Einrichtung der Ausstellung am neuen Standort in der Nikolaikirche unter Einbeziehung der Exponate aus dem bestehenden Museum. Die Leistungen schließen die Abstimmung der Ausstellungsinhalte und des Rundganges mit dem Otto-Lilienthal-Museum als Nutzer im Rahmen von workshops, die räumliche Gestaltung und Szenografie, die Darstellung der Wandabwicklungen, die Vitrinen-Einrichtung und das grafische Konzept (ohne Umsetzung) mit ein.
Die Aufgabenstellung beinhaltet die Entwicklung einer funktional sinnvollen sowie gestalterisch und inhaltlich anspruchsvollen Ausstellung in Turm, Kirchenschiff und Erweiterungsbau mit dem Ziel, die Teile ‚Personalmuseum Otto-Lilienthal’ und ‚bauliches Zeugnis der Norddeutschen Backsteingotik’ zu einem neuen Ganzen zusammenzuführen. Insgesamt beträgt der Flächenbedarf des Museums ca. NF 2.170 qm in Kirchenschiff und Turm, und ca. NF 450 qm für Service- und Funktionsräume im Neubau.
Das Museumskonzept sieht die Umsetzung eines Personalmuseums mit einer musealen und synchronoptischen Präsentation vor. Hierbei sind parallele Erzählstränge mit einem definierten Attraktionsverlauf so zuzuordnen, dass sie sich gegenseitig ergänzen und die Erwartungen der unterschiedlichen Zielgruppen (Kinder, Schulklassen, Flugbegeistere, Fachpublikum, Historiker, Touristen) erfüllt werden. Im Rahmen des Rundgangs ist eine klare Spannungslinie über alle Ausstellungsinhalte so zu entwickeln, dass verschiedene Vertiefungs- und Verknüpfungsebenen angeboten werden. Einzelne pointierte Themenstränge sind z.B.: Die Entwicklung des Menschenfluges, die Physik des Fliegens, Strömungen der zeitgenössischen Technologie-, Kultur- und Industriegeschichte, Lilienthal als Wissenschaftler, die Bedeutung der Fotografie für die Rezeption Lilienthals, die Geschichte der Nikolaikirche.
Zum Thema ‚Leben und Werk’ des Personalmuseums gehören auch die Darstellung der zahlreichen Erfindungen der kreativen Lilienthal-Brüder, darunter die weltweit einzige erhaltende Kleindampfmaschine Lilienthalscher Produktion.
Die physikalisch-technische Leistung Lilienthals soll durch ‚Begreifbares’ in hands-on-Bereichen zu Themen wie ‚Fliegen lernen’, ‚Wunder Luft’ oder ‚Physik des Fliegens’ deutlich werden und erklären, ‚warum es so schwierig ist, das Fliegen zu erfinden’, wie Lilienthal einen seiner Artikel überschrieb. Alle Ausstellungsthemen ordnen sich einer Lilienthalschen Perspektive und Zentrierung (‚Lilienthal und die Fotografie’ usw.) unter. Spezialthemen (Flugphysik, Hängegleiter ...) werden nicht chronologisch erzählt, sondern die Chronologie wird genutzt zur historische Verortung der Lilienthalschen geschichtlichen Episode. Diese Episodenhaftigkeit gestattet eine breite Themenvielfalt und den Einsatz moderner und attraktiver Ausstellungselemente (hands-on-Experimente, Medien, Inszenierungen) bei gewahrter thematischer Geschlossenheit des Museums.
Zu beachten ist, dass das bestehende Gebäude dem Denkmalschutz unterliegt. Auch im Rahmen der Ausstellungsgestaltung ist daher ein besonderer Schwerpunkt auf die Integration und Darstellung der Inhalte des Museums im Kontext einer in Teilen wiederhergestellten Bestandsarchitektur zu legen.
In einem zeitlich parallel stattfindenden VOF-Verhandlungsverfahren werden die Planungsleistungen für die architektonische Gestaltung der Museumsräume im Kirchenschiff mit seinen Galerien, die Wiederherstellung der Turmhaube und die Gestaltung eines Neubaus zur Aufnahme der Funktionsräume ausgeschrieben. Nach Abschluss beider Verfahren ist in enger Abstimmung zwischen Architekt, Ausstellungsgestalter und dem Autor der Ausstellung (Museum als Nutzer), die Gestaltung des Museums in die Nikolaikirche weiter zu entwickeln. Für die Überlegungen zum Gestaltungskonzept innerhalb des VOF-Verhandlungsverfahrens zur Ausstellungsgestaltung bedeutet dies, dass die zu erarbeitenden Entwurfsskizzen grundsätzlicher Natur sein müssen und die gestalterische Grundhaltung unabhängig von der späteren konkreten architektonischen Situation entwickelt werden muss.
(4. Raumprogramm)
Das Raumprogramm beinhaltet alle für einen ordentlichen Museumsbetrieb erforderlichen Nutzflächen. Nicht integriert werden größere Depotflächen, an diesem Standort sind lediglich kleinere Flächen für die Ausstellungsvorbereitung vorgesehen. Eine Besonderheit bildet die integrierte Veranstaltungsfläche für etwa 350 Besucher, die mit den nötigen Nebenräumen und Erschließungsflächen zu berücksichtigen ist. Dieser Bereich ist im Museumsrundgang so zu integrieren, dass er ohne größere Umbauten, und auch parallel zum Museumsbetrieb genutzt werden kann
Der Bereich für den Besucherservice ist auch als Standort der Stadtinformation vorgesehen, der Zugang ist öffentlich und vom Markt aus leicht erreichbar zu gestalten. Die Toilettenanlagen sind so auszulegen, dass auch größere Bustouren ohne lange Wartezeiten diese benutzen können.
Der Museumsrundgang ist in enger Abstimmung mit der Museumsleitung (‚Autor’) und unter Berücksichtigung der architektonischen Vorgaben inhaltlich auszulegen. Dem Turm soll im Museumserlebnis eine zentrale räumliche Erfahrung zukommen, die Aussichtsplattform im Turm jedoch auch unabhängig vom Museumsrundgang erschlossen werden können.
5.) Kosten
Die Kosten für die Realisierung der Neueinrichtung der Dauerausstellung des Otto-Lilienthal-Museums sind mit rund 2,765 Millionen EUR inkl. 19 % MwSt. veranschlagt.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2016-05-17. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2016-04-15.

Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?

Wie?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2016-04-15 Auftragsbekanntmachung
2017-07-04 Bekanntmachung über vergebene Aufträge