Erstellung von Filmen zur interkulturellen Sensibilisierung des Berufsbildungspersonals

Bundesinstitut für Berufsbildung

3. Umfang des Auftrags und Angebotserstellung.
3.1. Umsetzung der Filme.
Aufbau und Struktur.
Die Erstellung der Filme soll wie folgt beauftragt werden:. Innerhalb von 9 Monaten sollen in drei Blöcken insgesamt sechs Handlungssituationen umgesetzt werden, d. h. in jedem Block sollen jeweils 2 Handlungssituationen filmisch umgesetzt sein, so dass diese nach und nach über das Internetportal qualiboXX veröffentlicht werden können.
Jede dieser 6 Handlungssituationen besteht aus 3 Sequenzen, die insgesamt ca. 6 Minuten umfassen. Dies ist ein Richtwert, der sowohl nach oben wie nach unten variieren kann, je nach inhaltlicher Ausarbeitung. Die Aufteilung der verfügbaren Zeit auf die einzelnen Sequenzen ergibt sich ebenfalls aus der inhaltlichen Ausarbeitung jeder Situation. Diese umfasst
— die Einführungssequenz: Hier soll die Situation dargestellt und der mögliche Konflikt, das Missverständnis bzw. die Problemlage eingeführt werden (ca. 2 min).
— die Analysesequenz: Nach Beenden der Einführungssequenz wird der Zuschauer unmittelbar angesprochen und zur Selbstreflektion angeregt, indem z. B. Fachleute die dargestellte Szene analysieren und aus fachlicher Sicht bewerten. Möglich ist auch, dass aufgrund der einführend gespielten Situation schriftlich eingeblendete Fragen im Video aufgeworfen werden (ca. 1 min).
— die Auflösungssequenz: Der Zuschauer hat die Möglichkeit, aus drei Vorschlägen auszuwählen, wie die Handlung weitergeht, es müssen also jeweils drei Varianten der Auflösung einer Situation gedreht werden (je ca. 1 min). Sollte es inhaltlich sinnvoll sein, kann auch ein alternatives Vorgehen gewählt werden. Dies ist mit dem Auftraggeber zu besprechen.
Der Aufbau der Sequenzen kann von Situation zu Situation sehr unterschiedlich gestaltet sein und nach Abstimmung mit dem Auftraggeber variieren. Inwieweit die Darstellungen atmosphärisch eher ernsthaft, humorvoll, nachdenklich, ironisch o. ä. umgesetzt werden, ist in Bezug auf den Inhalt der jeweiligen Situation zu entscheiden. Der Auftragnehmer setzt die Sequenzen nach den inhaltlichen Vorgaben des Auftraggebers um.
Von Situation zu Situation sollen Schauspieler, Orte und Setting wechseln. Jede der 6 Situationen wird in einem eigenen Kontext stattfinden und bedarf eines eigenen Settings, sowohl hinsichtlich der Auswahl der handelnden Personen, als auch im Hinblick auf den beruflichen und betrieblichen Hintergrund. Die Situationen werden fiktiv mit Realpersonen umgesetzt und die Schauspieler müssen professionell ausgebildet sein. Die Filme können auch durch grafische Elemente (textlicher, comic- oder bildhafter Natur) ergänzt werden.
Auswahl der Situationen.
Um zu gewährleisten, dass die Situationen, die im Film aufbereitet werden, für die Praxis bedeutsam und wirklichen Erfahrungen aus der betrieblichen Ausbildung entnommen sind, wird auf empirische Forschungsarbeiten des BIBB zurückgegriffen (BIBB FP 2.4.201; BIBB EP 4.1.500). Es handelt sich um Ergebnisse von leitfadengestützten Interviews mit betrieblichen Ausbilderinnen und Ausbildern, in denen diese ihre persönliche Sicht auf als schwierig empfundene Ausbildungssituationen schildern. Gegebenenfalls wird diese Perspektive durch Beispiele aus dem Berufsschulkontext ergänzt. Bei der filmischen Aufbereitung und Kommentierung ist grundsätzlich zu beachten, dass sich unterschiedliche Ursachen der zu bearbeitenden Schwierigkeiten in beruflichen Handlungssituationen nicht immer analytisch klar voneinander trennen lassen. Auch dies ist ein Thema der Sensibilisierung.
Zwei mögliche Themen und dazugehörige Situationen sollen hier vorab exemplarisch skizziert werden, die dann vom Auftragnehmer bei der Erstellung der Umsetzungskonzeption berücksichtigt werden sollen:
Sprachliche Ausschlusssituationen.
Dies betrifft Situationen in der Ausbildung, in denen mehrsprachige Auszubildende unter-einander in ihrer nicht-deutschen Familiensprache kommunizieren mit der Folge, dass das Ausbildungspersonal und – je nach Betrieb – auch die Kundschaft vom Verständnis der jeweils verhandelten Inhalte ausgeschlossen werden. Derartige Situationen bzw. die Verhaltensweisen der Auszubildenden gelten nicht nur als unhöflich gegenüber der (aus-schließlich) deutschsprachigen Umgebung, sondern sie gehen auch mit einigen Befürchtungen einher (u. a. der Sorge, Kunden zu verärgern und in der Folge verlieren zu können oder der Mutmaßung, über das Ausbildungspersonal selbst könnte in negativer Weise geredet werden). In einem der Videos wird daher das Verhalten des Ausbildungspersonals im Umgang mit der Mehrsprachigkeit von Auszubildenden zum Gegenstand gemacht werden.
Grenzen interkultureller Toleranz
Es kann in der Ausbildung auch darum gehen, in interkulturellen Kontakten die eigenen Grenzen deutlich zu machen und als nicht zur Disposition stehend zu vertreten. Dies ist immer dann der Fall, wenn es um in der Verfassung garantierte Grundrechte geht wie z. B. die gleichwertige Autorität von weiblichem und männlichem Ausbildungspersonal.
Die Inhalte und der Charakter der Filme sowie die Drehbücher werden in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber fein konzipiert. Die Dialoge und Rahmenbedingungen (Drehorte, Schauspieler, Requisite etc.) müssen dem Auftraggeber in einem Drehbuch bereitgestellt und von ihm abgenommen werden. Jede Story muss mit dem Auftraggeber besprochen, diskutiert und von ihm abgenommen werden.
3.2. Angebotserstellung.
Die Auswahl des Auftragnehmers erfolgt auf Basis von drei Kriterien:
a) Bewertung des Preises (40 %);
b) Bewertung der Umsetzungskonzeption (30 %);
c) Bewertung der Referenzen und Erfahrungen (30 %).
Zu a.) Im Angebot ist der Preis für die Erstellung pro Film (Situation mit drei Sequenzen) zu benennen. Es muss eine Maximalkalkulation, und es kann zudem noch eine Minimalkalkulation angegeben werden. In beiden Fällen ist transparent darzustellen, wie sich der Preis in Bezug auf die einzelnen Teile der Produktion, zusammensetzt. Es muss also bspw. über die Kalkulation ersichtlich werden, mit wie viel Personal, nicht nur Schauspieler, mit wie viel Equipment (Anzahl Kameras, Einsatz eines Kran etc.), an welchen Orten oder mit welcher Ausstattung und in welchem zeitlichen Umfang entwickelt und produziert wird. Dabei müssen folgende Punkte separat bepreist werden:
— Vorproduktion: Konzeption / Idee, Treatment, Drehbuch, Storyboard, Darstellung des pädagogischen Ansatzes, Produktionsplan;
— Produktionsplanung: Drehort- und Requisitenauswahl, Schauspielercasting, Interviewpartnerrecherche, Drehplan;
— Produktion: Drehteam-Auswahl, Kameratechnik(-Ausleihe), Dreharbeiten (Honorare, Übernachtungs- und Fahrtkosten, Catering, Miete und Versicherungen etc.);
— Postproduktion: Materialsicherung, Schnittkonzepterstellung, Schnitt, Farb- und Tonkorrektur, Animationen + Videoeffekte, mögliche Untertitel, Overvoicing etc.;
— Endfertigung: Encoding, Mastering, Projektausspiel, Lieferung der Dateiformate, Projektübergabe.
Daraus ergibt sich dann die Gesamtsumme, nämlich der Preis pro Film mal 6 Filme, für das Gesamtprojekt. Darüber hinaus sind alle Aufwände, auch solche des Projektmanagements, in der Kalkulation zu berücksichtigen. Auch Vor-Ort-Termine oder Reisekosten sind in der Kalkulation enthalten. Reisekosten für Workshops zur Ideenfindung und zur inhaltlichen Abstimmung beim Auftraggeber sind ebenfalls zu berücksichtigen – hier gibt es nicht mehr als 4 Termine (Bonn).
Zu b.) Neben der Angabe des Preises ist im Angebot eine Umsetzungskonzeption anzufertigen. In dieser soll auf maximal 30 Seiten (Schrift: Arial, 11) skizziert werden, wie die unter 3.1 benannten zwei Beispiele (Sprachliche Ausschlusssituationen und Grenzen interkultureller Toleranz) umgesetzt werden können. Es ist der Aufbau zu skizzieren und es sind Möglichkeiten der Umsetzung über die 3 Sequenzen hinweg anhand der inhaltlichen Ausgestaltung der Beispiele zu beschreiben. Es muss deutlich werden, welche gestalterischen und technischen Möglichkeiten zur Umsetzung bestehen (Effekte, Animationen, Trickfilmelemente o. ä.). Dabei sind sowohl das technische Vorgehen bis hin zur Fertigstellung wie auch die inhaltliche Umsetzung zu skizzieren. Es muss dabei deutlich werden, in welchen Schritten die Produktion stattfindet. Darüber hinaus ist zu beschreiben, wie die Produktion aller Filme vor dem Hintergrund von Qualitätsaspekten und der Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber gewährleistet wird.
Zu c.) Im Angebot muss zudem die Eignung des Auftragnehmers nachgewiesen werden. Da das Projekt eine Synergie aus Filmproduktion und pädagogischer Arbeit ist, ist das Vorhandensein eines Erfahrungsspektrums in den Arbeitsfeldern Medienproduktion und Bildungsarbeit für die Beurteilung der Eignung ausschlaggebend. Hier ist auf ähnliche Produkte und Arbeitsbeispiele zu referenzieren und das Angebotsspektrum sowie die bisherigen Arbeitsfelder darzustellen.
a) Es müssen mindestens drei Produkte referenziert werden, die erkennen lassen, dass eine solche Filmproduktion vom Bieter umgesetzt werden kann. Jede Referenz dar-über hinaus, die deutlich werden lässt, wie ähnliche Themen aus den Bereichen Lernen, Bildung und Beratung für den Bildungsbereich (Schule und Berufliche Bildung) in ähnlicher Weise (Filme, Lernarrangements oder andere multimediale Produktionen) entwickelt wurden, werden positiv in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit des Angebotes (Bewertungsmatrix) bewertet.
b) Darüber hinaus muss anhand von Qualifikationsprofilen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich werden, welche Kompetenzen vorliegen. Gefordert werden Kompetenzen und Profile aus den Bereichen der Filmproduktion, hier sind alle benötigten Qualifikationen darzustellen, die bei der Produktion nötig sind. Dies können in Form von Mitarbeiterprofilen in der eigenen Organisation oder der Zusammenarbeit mit freien Mitarbeitern dargestellt werden. In jedem Fall müssen die Berufserfahrungen über mindestens fünf Jahre, sowie die Darstellung der Qualifikation in Bezug auf Ausbildung / Studium zur jeweiligen Tätigkeit deutlich werden. Jedes Mitarbeiterprofil, welches darüber Kenntnisse und Kompetenzen aus dem Bildungsbereich verdeutlicht, insbesondere bei den Profilen von Autoren oder Filmregisseuren, also sowohl Erfahrungen in der professionellen Medienproduktion als auch in der modernen Bildungsarbeit nachweisen können, werden positiv bei der Wirtschaftlichkeit der Angebote (Bewertungsmatrix) bewertet. Bei allen Profilen gilt, dass mindestens fünf Jahre Berufserfahrung vorliegen.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2016-03-11. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2016-01-29.

Wer?

Wie?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2016-01-29 Auftragsbekanntmachung
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