Forschungsvorhaben "Bildung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen im unteren Einkommensbereich"
Zum 1.1.2011 ist mit der Reform des SGB II und des SGB XII auch das Bildungs- und Teilhabepaket gem. § 28 SGB II, § 34 SGB XII und § 6b Bundeskindergeldgesetz in Kraft getreten. Bereits die Implementierungsphase möchte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit einem Forschungsvorhaben begleiten und erste Befunde auch im Rahmen der Armuts- und Reichtumsberichterstattung (4. ARB) nutzen.
Erklärtes Ziel der Armutsbekämpfungspolitik der Bundesregierung ist es, verschlossene oder nicht wahrgenommene Teilhabemöglichkeiten trotz bestehender Einkommensarmut zu eröffnen. Ausgehend von der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 9.2.2010 - 1 BvL 1/09 - handelt es sich beim Bildungs- und Teilhabepaket um eine Maßnahme auf der Grundlage einer Gesetzesinitiative der Bundesregierung, die die Teilhabemöglichkeiten benachteiligter Kinder an schulischer und außerschulischer Bildung sowie an kulturellen Angeboten verbessern soll.
Daher beabsichtigt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zeitnah ein Forschungsvorhaben zu vergeben, das sowohl eine qualitative Befragung von Leistungsberechtigten, Leistungsstellen und sonstigen Mitwirkenden des Bildungs- und Teilhabepakets als auch eine repräsentative Haushalts- und Personenbefragung bei Leistungsberechtigten beinhaltet.
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, ein erstes Stimmungsbild zur Inanspruchnahme der neuen Leistungen zu erhalten. Das Erkenntnisinteresse zielt darauf, in welchem Umfang und von welchen Personengruppen Leistungen in Anspruch bzw. nicht in Anspruch genommen werden, aus welchen Gründen dies geschieht. Es ist von Interesse, welche Leistungen verstärkt nachgefragt werden, inwieweit durch die Leistungen neue Teilhabemöglichkeiten eröffnet oder bestehende Möglichkeiten neu finanziert werden u.ä. Dabei ist von besonderem Interesse, wodurch die Inanspruchnahme des Bildungs- und Teilhabepakets möglicherweise erleichtert bzw. erschwert wird.
Da das B+T-Paket in der Implementierungsphase ist, stellen sich an die Messung der Akzeptanz und der Inanspruchnahme besondere Anforderungen. In einem ersten Schritt soll daher mit qualitativen Befragungen eine Exploration dieses neuen Untersuchungsobjekts in sechs geografisch möglichst ausgewogenen Regionen (Landkreise und Großstädte) in Form von Fallstudien erfolgen. Dazu sollen Erwartungen, Bedürfnisse und erste Erfahrungen von Leistungsberechtigten (Kinder und Eltern sowie Jugendliche), Leistungsstellen (Mitarbeiter/innen, Geschäftsführungen der Grundsicherungsstellen) und sonstigen Mitwirkenden des Bildungs- und Teilhabepakets (Anbieter der Leistungen, Multiplikatoren wie z.B. Lehrer/innen, KiTa-Betreuer/innen, Beratungsstellen, unterstützende Stiftungen) erfasst und ausgewertet werden. Darüber hinaus wäre denkbar, die Leistungsstellen in den untersuchten Regionen Fragebögen für eine auf das Forschungsprojekt bezogene quantitative Bestandsaufnahme der bisher bewilligten Leistungen ausfüllen zu lassen.
Die aus diesem ersten Teilprojekt gewonnenen Erkenntnisse sollen einen ersten Zugang zum Thema schaffen und gleichzeitig maßgeblich das Erhebungsdesign der repräsentativen Haushalts- und Personenbefragung bei Leistungsberechtigten als zweitem Teilprojekt bestimmen. Insbesondere sollen die Ergebnisse die Items für den Fragebogen konkretisieren und ggf. ergänzen. Das Prinzip des Gender Mainstreaming ist durchgängig einzuhalten.
Ergebnisse der qualitativen Befragung sollen bis zum 15.11.2011 in einem Zwischenbericht und einer ansprechenden Präsentation der wesentlichen Erkenntnisse vorliegen. Ergebnisse der repräsentativen Haushaltsbefragung sollen bis spätestens Ende des 1. Quartal 2012 entsprechend textlich aufbereitet für die Verwendung im 4. Armuts- und Reichtumsbericht vorliegen.
Zeitplan:
Beginn der Leistung mit Zuschlag (geplant ist der 1. August).
Ende der Leistung mit Abnahme des Abschlussberichts (geplant für Ende 1. Quartal 2012).
Ort der Leistungserbringung (Erfüllungsort): Berlin.
Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2011-05-17.
Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2011-04-18.
Wer?
Wie?
Wo?
Geschichte der Beschaffung
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Dokument |
2011-04-18
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Auftragsbekanntmachung
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