Forschungsvorhaben: Verbreitung, Nutzung und mögliche Probleme von Werkverträgen – Quantitative Unternehmens- und Betriebsrätebefragung sowie wissenschaftliche Begleitforschung
1. Auftragsgegenstand und -hintergrund:
Werkverträge sind ein wichtiger und weit verbreiteter Bestandteil der arbeitsteiligen Wirtschaft und werden jeden Tag vielfach eingesetzt. Allerdings hat sich eine Diskussion über die Arbeitsbedingungen der Werkvertragsarbeitnehmer/innen, eine mögliche Verdrängung von Stammarbeitsplätzen und/oder den Einsatz von Scheinwerkverträgen entwickelt. Auf mögliche Problemlagen deuten eine Reihe von Vorfällen hin, die in den Medien und im politischen Raum in den vergangenen Jahren diskutiert wurden. Ob diese Fälle repräsentativ sind, ist unbekannt. Bisher liegen keine belastbaren Erkenntnisse vor, in welchem Umfang, mit welcher Zielsetzung und welchen Auswirkungen auf die Beschäftigten Werkverträge genutzt werden.
Eine Kurzexpertise im Auftrag des BMAS hat im Rahmen einer Machbarkeitsstudie das Fehlen repräsentativer Daten zur (problematischen) Nutzung von Werkverträgen bestätigt und gleichzeitig erste Möglichkeiten zum Schließen dieser Erkenntnislücken aufgezeigt. Das BMAS beabsichtigt daher im Rahmen eines Forschungsvorhaben die Nutzung von Werkverträgen zu untersuchen und hierüber einen Auftrag zu erteilen.
2. Ziel des Forschungsvorhabens:
Werkverträge sind unter arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten bislang in Deutschland empirisch kaum untersucht worden. Das vorliegende Forschungsvorhaben betritt somit Neuland und steht vor methodischen Herausforderungen. Deshalb kann die zu erbringende Leistung noch nicht abschließend definiert werden. Es wird hierbei maßgeblich den wissenschaftlichen Input und die Kreativität des/r potenziellen Auftragnehmers/in ankommen. Die Grundzüge des Forschungsvorhabens werden im Folgenden beschrieben.
Eine breit angelegte quantitative Befragung von Betrieben und – wenn vorhanden und identifizierbar – deren Betriebsräten soll eine erste empirische Basis für die Nutzung von Werkverträgen legen. Es wird angestrebt, sowohl Werkauftraggeber als auch Werkauftragnehmer zu befragen. Damit sollen die (werk-)vertraglichen Verflechtungen in der Wirtschaft möglichst repräsentativ nachgebildet. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten mit Werkverträgen und jener mit Dienstverträgen vergleichen zu können. Bestandteil der Erhebung sollen zunächst Ausmaß und Gegenstand von Werkverträgen sein, wenn möglich differenziert nach Werkverträgen mit inländischen und ausländischen Unternehmen. Welche weiteren Fragestellungen – etwa zu Arbeitsbedingungen der Beschäftigten – sich über eine quantitative Befragung valide bearbeiten oder aus anderen Datenquellen hinzuspielen lassen, wird im Zuge des Verhandlungsverfahrens gemeinsam mit den Bewerbern erarbeitet. Angestrebt wird zudem, Hinweise zur rechtlich problematischen Nutzung von Werkverträgen zu generieren (Scheinselbständigkeit bzw. verdeckte Arbeitnehmerüberlassung).
Der Befragung soll eine umfangreiche ökonometrische Auswertung des Datenmaterials folgen. Hierbei wird angestrebt, Ursachen, begünstigende Faktoren und Auswirkungen von Werkverträgen auf die Situation der Unternehmen sowie die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu untersuchen. Inwieweit dies möglich ist, muss im Zuge des Verhandlungsverfahrens geklärt werden. Branchen- und regionalspezifische Auswertungen werden ebenfalls angestrebt.
Die quantitativen Befragungen können nur ein einmaliges Schlaglicht auf die Nutzung von Werkverträgen werfen. Interessant sind jedoch gerade auch Entwicklungen im Zeitablauf. Um den Aufwand für ein solches Werkvertrags-Monitoring so weit wie möglich zu minimieren, soll geprüft werden, inwieweit sich vorhandene amtliche Statistiken (z. B. [Kosten-] Strukturerhebungen des Statistischen Bundesamts, Input-Output-Tabellen) anhand der Ergebnisse der Befragungen für eine laufende Quantifizierung von Werkverträgen nutzen oder verbessern lassen. Hier ist die Kreativität der Bewerber besonders gefragt.
Außerdem ist die Realisierung einer Verknüpfung der Befragungsdaten mit Daten der Bundesagentur für Arbeit zu prüfen. Dies könnte Hinweise über die Arbeitsbedingungen, Erwerbsbiografien, Veränderungen von Beschäftigtenstrukturen inklusive einer möglichen Verdrängung von Stammbelegschaften liefern.
Die zentrale Herausforderung des Forschungsvorhabens wird darin liegen, strategisch bedingte Antwortausfälle bzw. ein möglicherweise strategisches Antwortverhalten (und damit die Gefahr verzerrter Ergebnisse) zu erkennen und darauf zu reagieren. Ob und wie dies gelingen kann, soll im Verhandlungsverfahren geklärt werden.
3. Rahmenbedingungen:
Die Laufzeit des Projekts erstreckt sich vom Zeitpunkt der Vergabe (geplant 30. November 2014) bis zum 30. November 2016, wenn auch der Schlussbericht vorzulegen ist.
Das Forschungsvorhaben gliedert sich in 2 Phasen, wobei die Durchführung der zweiten Phase abhängig ist vom Ergebnis der ersten Phase. Phase 1 soll die systematische Erschließung des Problemfeldes sowie die Erarbeitung geeigneter Erhebungsinstrumente und deren Validierung in einem umfangreichen Pretest umfassen. Phase 2 soll dann die eigentliche Erhebung, Verknüpfung, Heranziehung anderer Datenquellen sowie die ökonometrische Analyse umfassen. Die Ergebnisse der ersten Phase sind von dem/r Forschungsauftragnehmer/in im Rahmen eines Zwischenberichts und eines begleitenden Workshops im BMAS unter Teilnahme eines externen Beraters und eines noch einzuberufenden Forschungsbeirats vorzustellen. Auf Grundlage der Ergebnisse trifft das BMAS in Abstimmung mit den Beratungsgremien eine Entscheidung über die Fortführung des Forschungsprojekts und über den Beginn der zweiten Phase. Vertraglich wird die zweite Phase daher als Option ausgestaltet, deren Abruf u. a. abhängig sein wird von einem entsprechenden befürwortenden Votum nach Auswertung der Phase 1.
Der fachliche Austausch mit dem BMAS und dem/r Auftragnehmer/in eines parallel laufenden qualitativen Forschungsvorhabens zu Motiven und Erscheinungsformen von Werkverträgen (Betriebsfallstudien) wird im Rahmen von Workshops und gemeinsamen Diskussionsrunden ebenfalls unverzichtbarer Bestandteil des Forschungsvorhabens sein.
Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2014-06-20.
Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2014-05-16.
Anbieter
Die folgenden Lieferanten werden in Vergabeentscheidungen oder anderen Beschaffungsunterlagen erwähnt:
Wer?
Wie?
Wo?
Geschichte der Beschaffung
Datum |
Dokument |
2014-05-16
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Auftragsbekanntmachung
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2014-05-19
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Ergänzende Angaben
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2015-01-14
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Bekanntmachung über vergebene Aufträge
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