Modellvorhaben "Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen" - Wissenschaftliche Forschungsbegleitung
Ländliche Räume in Deutschland stehen heute vor vielfältigen Herausforderungen. Sie sind häufig vom demografischen Wandel überdurchschnittlich betroffen, sorgen sich um den Erhalt ihrer Wirtschaftskraft und Lebensqualität und müssen große Anstrengungen unternehmen, um ihren Bürgerinnen und Bürgern eine ausreichende Daseinsvorsorge und Nahversorgung anbieten zu können. Schnell ist ein „Teufelskreis“ erreicht, der die örtlichen Handlungsspielräume immer mehr einengt. Die Bundesregierung räumt daher in ihrer Demografiestrategie der Stärkung der vom demografischen Wandel besonders betroffenen ländlichen und städtischen Regionen einen besonderen Stellenwert ein. Eine eigene ressort- und ebenenübergreifende Arbeitsgruppe aus Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden erarbeitet dazu konkrete Handlungsempfehlungen und Maßnahmen.
Denn: nach einer aktuellen Umfrage schätzen mehr als 2 Drittel der Deutschen die Attraktivität ländlicher Regionen zum Leben. Andererseits halten ca. 58 Prozent der befragten Personen im erwerbsfähigen Alter ländlich geprägte Räume als Arbeitsort für nicht oder nur weniger attraktiv. Entscheidend für die Beliebtheit des Lebens auf dem Land sind aber nicht nur ausreichend Arbeitsplätze, sondern vor allem auch Versorgungsmöglichkeiten und die Erreichbarkeit der alltäglich notwendigen Infrastruktur. So ist es aus Sicht von fast 80 Prozent der befragten Personen von großer Notwendigkeit, die ärztliche Versorgung und Pflege auf dem Land zu sichern, um diese Regionen weiterhin als lebenswerte Räume aufrecht zu erhalten. Dieser Umstand drückt sich auch in den Aussagen aus „Kitas und Schulen erreichbar anbieten“ und „Verkehrsverbindung verbessern“, die 66 bzw. 49 Prozent für sehr dringlich halten. Für über die Hälfte der Befragten (55 Prozent) ist es zudem besonders wichtig, dass Einkaufsmöglichkeiten erhalten bleiben.
Die Sicherung einer ortsnahen Versorgung mit öffentlichen und privaten Dienstleistungen ist also ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Regionen als Wirtschafts- und Wohnstandort mit hoher Lebensqualität. Der Sicherstellung einer bedarfsgerechten Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen kommt in diesem Rahmen eine Schlüsselrolle zu.
Mit dem bundesweiten Modellvorhaben „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen" sollen vom demografischen Wandel besonders betroffene Regionen in einem Wettbewerbsverfahren aufgefordert werden, ausgehend von ihrer regionalen Bevölkerungsentwicklung und ihren längerfristigen Entwicklungsbedingungen innovative Konzepte zu erarbeiten, mit denen in Zukunft sowohl die Daseinsvorsorge und Nahversorgung als auch die Mobilität gewährleistet werden können. Es sollen dabei standortplanerische und verkehrsplanerische Ansätze zusammengeführt werden. Ziel dieser Doppelstrategie ist es, Angebote der Daseinsvorsorge mittel- bis langfristig an räumlich möglichst günstigen Standorten zu bündeln, um damit deren wirtschaftliche Tragfähigkeit und Erreichbarkeit langfristig sicherzustellen. Der kombinierte Ansatz bietet auch einen geeigneten Weg, um bereits andernorts praktizierte „gute Beispiele“ in ein integriertes Mobilitätskonzept einzubinden.
Der strategische Ansatz des Modellvorhabens setzt auf eine freiwillige, oft aber auch notwendige Kooperation der betroffenen Gebietskörperschaften (Kreise, Städte und Gemeinden) bei der Organisation und Sicherstellung der Daseinsvorsorge. So sollen z.B. gebäudebezogene Infrastrukturen der öffentlichen Daseinsvorsorge (v.a. Kindertagesstätten, Schulen, Feuerwehr, Rettungswesen, Einrichtungen der medizinischen Versorgung und Pflege – ohne technische bzw. leitungsgebundene Infrastrukturen) und Angebote der Nahversorgung mittel- bis langfristig innerhalb von Gemeinden oder gemeindeübergreifend (in sogenannten „Kooperationsräumen“) an räumlich möglichst gut erreichbaren Standorten und möglichst in „multifunktionalen Gebäuden bzw. Zentren“ gebündelt werden. In diesem Rahmen sollten Infrastrukturen so ausgestaltet werden, dass sie möglichst barrierefrei sind sowie Frauen und Männern, jungen und alten Menschen, Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Migrationshintergrund unabhängig von Weltanschauung, Religion oder gesellschaftlichem Status eine gleichberechtigte und diskriminierungsfreie Teilhabe am gesamtgesellschaftlichen Leben ermöglichen.
Auf Grundlage dieser Standortplanung soll die Erreichbarkeit der Einrichtungen/Angebote durch ein hierauf abgestimmtes integriertes Mobilitätskonzept gewährleistet werden. Dieses soll herkömmliche Angebote und Strukturen des ÖPNV mit innovativen flexiblen Mobilitätsangeboten kombinieren, öffentliche, privatwirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure einbinden sowie zur Vernetzung, Information, Buchung und Bezahlung moderne Informations- und Kommunikationstechnologien einsetzen. Ziel ist ein flexibler Mix an Mobilitätsangeboten, mit dem die Menschen die regionalen Versorgungsorte mit ihren unterschiedlichen Funktionen mit einem vertretbaren zeitlichen und finanziellen Aufwand erreichen können.
In dem Modellvorhaben wird besonderer Wert darauf gelegt, dass neben Politik, Verwaltung, professionellen Anbietern von Dienstleistungen der Daseinsvorsorge und Nahversorgung sowie Vertretern der Zivilgesellschaft von Beginn an auch die verschiedenen Ziel- und Nutzergruppen (wie Jugendliche, Familien mit Kindern und ältere Menschen) von Daseinsvorsorge und Mobilität vor Ort aktiv in die Entwicklung und Umsetzung von Standortkonzepten und Mobilitätsangeboten eingebunden werden. So können ihre Ideen aufgenommen und die Akzeptanz und Effizienz von künftigen Lösungen gefördert werden.
Je nach Ausgangsbedingungen wird der strategische Ansatz des Modellvorhabens in den einzelnen Regionen variieren können. Während ein Konzept zur Bündelung von Standorten der Daseinsvorsorge in „Kooperationsräumen“ eher nur mittel- bis langfristig umgesetzt werden kann, wird sich ein integriertes Mobilitätskonzept auch schon in kürzerer Frist auf die vorhandene Verteilung der Daseinsvorsorgeeinrichtungen ausrichtet können. In Verbindung mit dem „Kooperationsraum-Konzept“ muss dieses Mobilitätskonzept aber so flexibel gestaltet werden, dass es jederzeit an die Umsetzung des „Kooperationsraum-Konzepts“ angepasst werden kann.
Das Modellvorhaben soll einen Beitrag dazu leisten, dass in Zeiten des demografischen Wandels in ländlichen Räumen gleichwertige Lebensverhältnisse gewährleistet werden können. Dazu § 2 Abs. 2 Nr. 3 Raumordnungsgesetz: „Die Versorgung mit Dienstleistungen und Infrastrukturen der Daseinsvorsorge, insbesondere die Erreichbarkeit von Einrichtungen und Angeboten der Grundversorgung für alle Bevölkerungsgruppen, ist zur Sicherung der Chancengerechtigkeit in den Teilräumen in angemessener Weise zu gewährleisten; dies gilt auch in dünn besiedelten Regionen.“.
Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2015-07-02.
Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2015-05-22.
Wer?
Wie?
Wo?
Geschichte der Beschaffung
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Dokument |
2015-05-22
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Auftragsbekanntmachung
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