Planung und Ausführung von Forschung und Entwicklung

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Bezeichnung des Auftrags durch den Auftraggeber: Zertifizierung von Stadtquartieren - Chancen und Grenzen des Einsatzes von Qualitätskriterien und Gütesiegeln als Instrument zur Steuerung nachhaltiger Stadtentwicklung (Pilotprojekt). Der Städtebauliche Bericht unterstreicht das Interesse des Bundes, Städte lebenswert zu gestalten. Eine Rückbesinnung auf städtische Lebensweisen kann ein wichtiger Beitrag dafür sein, die demografischen Entwicklungen räumlich zu steuern und Tendenzen der Suburbanisierung zu begrenzen. Umso wichtiger ist es, die Qualitäten städtischer Quartiere zu benennen. Im baulichen-technischen Bereich haben sich über Normen und Gütesiegel allgemein anerkannte Qualitätskriterien etabliert. Stadtentwicklung ist in Deutschland bislang kein Gegenstand von Zertifizierung. Zur Stärkung nationaler Stadtentwicklungspolitik kann hier aber ein Instrument angeboten werden, das über die Beschreibung und Bewertung von Zuständen hinausgeht, das Bewusstsein für Standtortqualitäten fördert und zur Steuerung nachhaltiger Stadtentwicklung beiträgt. Standortqualitäten sind ein komplexeres Gebilde von subjektiven Wertschätzungen. Die Attraktivität eines Stadtteils oder das Stadtquartier ist mehr als die gutachterliche Zusammenschau von einzelnen Gebäuden. Die Nachfrage nach komprimierter Information führt dazu, dass zunehmend Label auf den Markt drängen und für Marketingzwecke genutzt werden, die eine objektive Qualitätsbewertung suggerieren, oft aber keine transparenten und auch keine fundierten Kriterien zu Grunde legen. Vor diesem Hintergrund besteht ein hohes Bundesinteresse, die Diskussion um die Zertifizierung von Stadtteilen oder Stadtquartieren maßgeblich inhaltlich zu gestalten. Richtschnur muss sein, Zertifizierung als Instrument zur Steuerung nachhaltiger Stadtentwicklung positiv zu nutzen. Das Forschungsfeld zielt darauf, Handlungsempfehlungen für die Planungspraxis für Zertifizierungssysteme oder alternative Modelle zur nachhaltigen Quartiersentwicklung zu erarbeiten. Der vorliegende Auftrag beabsichtigt, fachliche Einschätzungen durch praktische Erfahrungen zu gewinnen. In diesem Sinne sollen in der Pilotphase die Ergebnisse des Kommissionsberichts "Zertifizierung in der Stadtentwicklung" und der darauf bezogenen Abschlussveranstaltung weiterentwickelt und in Pilotquartieren praktisch überprüft werden. Vorgesehen sind deshalb Pretests auf Quartiersebene, deren Ergebnisse Schlüsse zum weiteren Umgang mit dem Thema "Zertifizierung" erlauben. Nur durch einen ergebnisoffenen Praxistest kann eine weitgehende Entscheidungssicherheit darüber gewonnen werden, mit welchen Instrumenten sich eine nachhaltige Entwicklung auf Quartiersebene befördern und bewerten lässt und welche Bedeutung dabei einer Zertifizierung zukommt. Qualitätskriterien und Gütesiegel dürfen nicht vorschnell instrumentalisiert werden, da dies mit großem Schaden für die Quartiersentwicklung verbunden sein kann. In einem überschaubaren, praktisch zumutbaren und wissenschaftlich abgesicherten Umfang soll getestet werden, inwieweit Qualitätskriterien, Gütesiegel und Zertifizierung zu einer nachhaltigen Stadt- und vor allem Bestandentwicklung beitragen können. Kriterien und Modalitäten einer Zertifizierung sollen in Pilotquartieren qualifiziert werden. Vorgesehen sind dazu zunächst rund 15 – 20 Stadtquartiere. Die genaue Zahl wird im weiteren Verfahren der Auswahl festgelegt. Als solche bieten sich ausgewählte Modellvorhaben aus der ExWoSt-Forschung an, deren Auswahl durch weitere geeignete Vorschläge der Bundesländer und Verbände ergänzt wird. Im Rahmen der Pilotphase soll über die Durchführung des Pretests in Pilotquartieren hinaus auch die Bearbeitung begleitender und grundsätzlicher Fragestellungen erfolgen. Dafür bieten sich Sondergutachten und Expertisen an. Einige Themen werden sich erst im Laufe des Prozesses ergeben. Bereits jetzt zeichnen sich nachfolgende Themen ab. — Auswertung der Pilotphase der 2 großen internationalen Zertifizierungssysteme, einschließlich der Ergebnisse der Befragung zur Einführung von LEED-ND in USA, — Auswertung von Studien zur Qualitätsbewertung von Stadtquartieren in Europa anhand ausgewählter, auch alternativ zu Zertifizierungsmodellen stehenden Systeme (Frankreich, Skandinavien, ...), — Rechtliche Fragen der Anwendung von Zertifizierungsverfahren in Stadtquartieren, (Antragsberechtigung, Mitwirkungsrechte und –pflichten, Offenlegungspflichten, Datenschutz, ...), — Betreibermodelle und Trägerschaften von Zertifizierungseinrichtungen mit Blick auf die Zertifizierung komplexer Gegenstände in öffentlichem und privatem Eigentum und Interesse, — Synoptische Auswertung von Zertifizierungen und Gütesiegel in nicht räumlichen Kontext hinsichtlich Übertragbarkeit nach Methode, Inhalt, Aussagekraft und Wirkung (Kinderarbeit, Fairer Handel, Sicherheit, ...), — Qualitäten nachhaltiger Stadtquartiere – Auswertung der Fachdebatte zum Qualitätsbegriff auf Quartiersebene (Literaturrecherche und Querauswertung von Umfrageforschung). Ein wichtiges Merkmal der Pilotphase ist der Prozesscharakter, d.h. Informationstransfer, Transparenz und die partizipative Entwicklung von Kriterien im Konsens stehen im Mittelpunkt. Die Arbeiten werden durch einen Beirat begleitet, der den fachlichen Diskurs mit Partnern aus den Pilotquartieren führt und die Testläufe kritisch begleitet. Der Beirat sollte inhaltlich und personell auf den Vorarbeiten der Kommission aufbauen und bereits in die Aufstellung von Kandidaten für Pilotprojekte einbezogen werden. Die Pilotphase ist als lernender Prozess und ergebnisoffen angelegt. Auswahl der Pilotquartiere und Auswahl der Qualitätskriterien erfolgen in einem iterativen Prozess. D.h.: aus einer ersten Vorauswahl von Kandidaten zu Beginn der Pilotphase erwachsen Hinweise für die Zusammenstellung der Qualitätskriterien und umgekehrt könnten hieraus weiterentwickelte Anforderungen an die Auswahl von weiteren Pilotquartieren folgen. Im Laufe der Bearbeitung werden gewonnene Erfahrungen zu weiteren Überlegungen führen, womit der experimentelle Charakter unterstrichen ist. Besondere Themen werden in Sondergutachten oder Expertisen vertieft bearbeit werden. Erst nach positivem Ergebnis soll geprüft werden, ob eine Anwendungsphase mit Modellvorhaben angeschlossen wird. Zu prüfen ist deshalb auch, ob es Alternativen gibt, die den Prozess der nachhaltigen Entwicklung fördern helfen. Der vorliegende Katalog von Forschungsfragen bildet eine vorläufige Geschäftsgrundlage. Der fachliche Input resultiert aus dem Kommissionsbericht "Zertifizierung in der Stadtentwicklung". In der Pilotphase sollen diese Überlegungen operationalisiert und in auszuwählenden Pilotquartieren praktisch erprobt werden. Dies erfolgt ergebnisoffen. Deshalb wird auch keine "echte" Zertifizierung durchgeführt, sondern lediglich die praktischen daten- und verfahrenstechnischen Anforderungen überprüft und im fachlichen Dia-log erprobt. Die Frage, ob "Zertifizierung" das geeignete Instrument für die Bewertung und Stärkung der nachhaltigen Stadtentwicklung ist, gilt es erst noch zu klären.

Deadline
Die Frist für den Eingang der Angebote war 2009-10-02. Die Ausschreibung wurde veröffentlicht am 2009-09-12.

Wer?

Wie?

Wo?

Geschichte der Beschaffung
Datum Dokument
2009-09-10 Auftragsbekanntmachung
2010-08-11 Ergänzende Angaben
Auftragsbekanntmachung (2009-09-10)
Objekt
Umfang der Beschaffung
Titel: Planung und Ausführung von Forschung und Entwicklung
Volltext:
“Bezeichnung des Auftrags durch den Auftraggeber: Zertifizierung von Stadtquartieren - Chancen und Grenzen des Einsatzes von Qualitätskriterien und...”    Mehr anzeigen
Ort der Leistung
Bonn, Kreisfreie Stadt 🏙️
Metadaten der Bekanntmachung
Dokumenttyp: Auftragsbekanntmachung
Art des Auftrags: Dienstleistungsauftrag
Verordnung: Europäische Gemeinschaften
Originalsprache: Deutsch 🗣️

Verfahren
Verfahrensart: Offenes Verfahren
Vergabekriterien
Wirtschaftlichstes Angebot
Angebotsart: Gesamtangebot
Art des öffentlichen Auftraggebers: Ministerium oder sonstige zentral- oder bundesstaatliche Behörde

Öffentlicher Auftraggeber
Identität
Name des öffentlichen Auftraggebers: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Land: Deutschland 🇩🇪
Kontakt
Internetadresse: www.bbsr.bund.de 🌏

Referenz
Daten
Veröffentlichungsdatum: 2009-09-12 📅
Empfangsdatum: 2009-09-10 📅
Absendedatum: 2009-09-10 📅
Einreichungsfrist: 2009-10-02 📅
Kennungen
Bekanntmachungsnummer (Legacy): 253992-2009
ABl. S-Ausgabe: 176/2009

Objekt
Gemeinsames Vokabular für öffentliche Aufträge (CPV)
Code: Planung und Ausführung von Forschung und Entwicklung 📦
Quelle: OJS 2009/S 176-253992 (2009-09-10)
Ergänzende Angaben (2010-08-11)
Objekt
Metadaten der Bekanntmachung
Dokumenttyp: Ergänzende Angaben

Referenz
Daten
Veröffentlichungsdatum: 2010-08-17 📅
Absendedatum: 2010-08-11 📅
Kennungen
Bekanntmachungsnummer (Legacy): 243452-2010
ABl. S-Ausgabe: 158/2010
Verweist auf Bekanntmachung: 253992-2009
Quelle: OJS 2010/S 158-243452 (2010-08-11)
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